• Tumorzellen Gynäkologie Thieme

    Die meisten Untersuchungen zur Bedeutung von CA-125 als diagnostischer und prognostischer Marker wurden bei Frauen mit höhergradigen Karzinomen durchgeführt.

     

G1-Ovarialkarzinom: Bedeutung der CA-125-Konzentration

Hintergrund: Das Cancer-Antigen 125 (CA-125) ist wohl der wichtigste Serummarker bei epithelialen Ovarialkarzinomen. Erhöhungen über den Normwert von 35 U / ml finden sich bei nahezu 90 % aller Frauen mit einem serösen Karzinom des Ovars, vor allem in fortgeschrittenen Tumorstadien. Die meisten Untersuchungen zur Bedeutung von CA-125 als diagnostischer und prognostischer Marker wurden allerdings bei Frauen mit höhergradigen Karzinomen (histologisch G2 und G3) durchgeführt. Zu Patientinnen mit einem serösen Ovarialkarzinom, histologisch Grad 1, haben Amanda Nickles Fader und ihre Kollegen Daten zusammengetragen.
Gynecol Oncol 2014; 132: 560–565

 

Methoden: In einer ergänzenden, retro-spektiven Analyse einer multizentrischen, randomisierten Phase-III-Studie zu verschiedenen Carboplatin-Paclitaxel-Regimes wurden die CA-125-Konzentrationen von 184 Frauen (5 % der gesamten Studienkohorte) mit G1-Ovarialkarzinom ausgewertet. Beurteilt wurden die Werte vor der Debulking-Operation sowie nach den einzelnen Chemotherapiezyklen und mit den progressionsfreien und den Gesamtüberlebenszeiten in Beziehung gesetzt.

 

Ergebnisse: Das mediane Alter der hier ausgewerteten Patientinnen betrug 56,5 Jahre, die überwiegende Mehrzahl der Frauen (87,3 %) wies ein Erkrankungsstadium III auf, die restlichen Frauen ein Stadium IV. Nach der zytoreduktiven Operation waren bei knapp einem Viertel der Patientinnen (24,9 %) nur noch mikroskopische Tumorreste nachweisbar, bei gut der Hälfte (51,3 %) waren es Tumorreste mit einem Durchmesser von 0,1–1,0 cm und bei dem verbliebenen knappen Viertel (23,8 %) Tumorreste über 1 cm.

Auch bei den Frauen mit G1-Tumoren war die CA-125-Konzentration präoperativ erhöht, jedoch mit einem signifikant geringeren Medianwert als bei den Frauen mit höhergradigen Malignomen (119,1 vs. 246,7 U / ml). Darüber hinaus wiesen präoperativ weniger G1-Patientinnen überhaupt eine CA-125-Erhöhung auf (84,8 vs. 93,2 % bei G2 und G3).

Stratifiziert nach den Ergebnissen der Debulking-Operation fielen die Konzentrationen des Markers umso deutlicher ab, je weniger Tumorgewebe zurückgeblieben war (68,3, 116,0 bzw. 156,0 U / ml für mikroskopische, geringe bzw. suboptimale Tumorreste).

Nach der multivariaten Analyse war die CA-125-Konzentration vor der Debulking-Operation ohne Einfluss auf progressionsfreie oder Gesamtüberlebenszeit. Jedoch war für Frauen, deren CA-125-Werte sich nach 1, 2 oder 3 Chemotherapiezyklen normalisierten, das Progressionsrisiko um knapp 2 Drittel (60–64 %) geringer als bei Frauen ohne Normalisierung oder mit Normalwerten erst nach dem 4. Zyklus. Die adjustierten Sterberisiken (Hazard Ratios) betrugen 0,45, 0,65 bzw. 0,42 bei Normalisierung der CA-125-Konzentration nach 1, 2 bzw. 3 Zyklen.

In den Kaplan-Meier-Kurven schließlich betrug die mediane Gesamtüberlebenszeit für Frauen ohne Normalisierung der Werte 23,0 Monate gegenüber 77,7, 46,8, 53,4 bzw. 38,1 Monaten bei Erreichen der Normwerte vor dem 2., 3., 4. bzw. 5. Zyklus.

 

Folgerung: Bei Frauen mit serösem Ovarialkarzinom G1 ist die sequenzielle Bestimmung der CA-125-Konzentrationen während der postoperativen Chemotherapie sinnvoll und kann als prognostischer Marker dienen, meinen die Autoren. Gerade bei diesen langsam wachsenden G1-Tumoren kann so möglicherweise ein Rezidiv frühzeitig erkannt und operativ angegangen werden. Einschränkend ist allerdings das retrospektive Design der Untersuchung zu werten. Prospektive Studien zu diesem Thema und die Suche nach weiteren Biomarkern für diese Tumoren, die im Vergleich zu den höhergradigen ein deutlich andersartiges biologisches Verhalten zeigen, scheinen dringend geboten.

Dr. E. Ruchalla

Aus: GebFra 8/14

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