• Von der normalen Geburt bis zur Fehlervermeidung

    Bis zu 30 % aller Geburten werden künstlich eingeleitet.

     

Geburtseinleitung: pharmakologisch oder mechanisch?

Hintergrund: Bis zu 30 % aller Geburten werden künstlich eingeleitet, häufig bei Schwangeren mit unreifer Zervix. Die optimale Methode zur Zervixreifung wird allerdings immer noch diskutiert. Pharmakologische Methoden beginnen meist mit der Gabe von Prostaglandin E2 (PG E2). Dabei existieren verschiedene Applikationswege, z. B. als intrazervikales Gel oder als Vaginal-Inserts. Dem stehen mechanische Methoden gegenüber, bei denen ein Ballonkatheter transzervikal eingeführt wird. Direkte Vergleiche zur Einleitung mittels Vaginal-Inserts gegenüber einem handelsüblichen Foley-Katheter stehen aus. Eine niederländische Gruppe hat sich dieses Themas angenommen.

Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2013; 170: 137–145

 

Methoden: In die offene randomisierte Studie PROBAAT-P wurden zwischen Februar 2009 und Mai 2010 an 5 Zentren insgesamt 226 Frauen aufgenommen, bei denen zum Geburtstermin eine unreife Zervix vorlag (Bishop-Score < 6). Davon wurden 107 der Gruppe mit Einleitung durch einen Foley-Katheter und 119 Frauen mit Einleitung mittels eines PG-E2-Inserts mit langsamer Wirkstofffreisetzung zugewiesen. In der Gruppe mit mechanischer Einleitung wurde ein Foley-Katheter transzervikal eingeführt und anschließend mit 30 ml Flüssigkeit gefüllt. Bei Schwangeren in der Gruppe mit pharmakologischer Einleitung wurde ein Vaginal-Insert mit insgesamt 10 mg PG E2 (Wirkstoff-Freisetzung 0,3 mg / h) in das hintere Scheidengewölbe platziert. Beurteilt wurde als Hauptendpunkt die Art der Entbindung, sekundäre Endpunkte umfassten mütterliche und kindliche Komplikationen sowie die Zeitdauer von Induktion bis zur Geburt.

 

Ergebnisse: Die Rate an Kaiserschnitten erwies sich zwischen den Gruppen als vergleichbar, mit 21 von 107 Frauen in der Gruppe mit Foley-Katheter und 26 von 119 in der Gruppe mit PG-E2-Inserts (20 vs. 22 %). Auch wenn man nur die Anzahl von Sectiones wegen fetaler Beeinträchtigung unter der Geburt verglich, waren die Verhältnisse ähnlich (jeweils 10 %). Die Zeit zwischen Beginn der Induktion und der Geburt lag im Median bei 28 (Foley-Katheter) bzw. 27 Stunden (PG E2) und war damit ebenfalls statistisch nicht unterschiedlich. Schwere mütterliche und / oder neonatale Komplikationen kamen in keiner Gruppe vor. Eine ebenfalls durchgeführte Metaanalyse zu entsprechenden Studien in der Literatur zeigte ähnliche Ergebnisse, allerdings waren dabei uterine Hyperstimulationen bei Foley-Katheter-Einleitung signifikant seltener.

 

Folgerung: Die Einlage eines Foley-Katheters zur Geburtseinleitung bei Zervixunreife scheint eine einfache Methode und in den Ergebnissen vergleichbar denen der pharmakologischen Einleitung mit einem PG-E2-Insert, so die Autoren. Größere Studien müssten untersuchen, wie der Katheter im Vergleich mit anderen Prostaglandin-Applikationswegen abschneidet. Außerdem sollte geprüft werden, ob bei Frauen mit vorangegangenem Kaiserschnitt, die in dieser Studie ausgeschlossen waren, die Einleitung mit Foley-Kathetern eine mögliche Alternative darstellt: Die Literaturdaten scheinen anzudeuten, dass damit eine Hyperstimulation des Uterus seltener vorkommt als mit der konventionellen Induktion.

 

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

Aus: GebFra 01/2014

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