• geschickte Gesprächsführung

    Blickkontakt und aufmerksames Zuhören sind im Gespräch mit den Patientinnen besonders wichtig

     

Wenn die Zeit knapp ist – geschickte Gesprächsführung

Ein Arzt sieht oft 250 Patientinnen pro Woche und hat für die Gespräche meist nur weniger als zehn Minuten Zeit. Deshalb sollte er seine Zeit optimal nutzen und die Sprache als Werkzeug auffassen. Ärzte bleiben durch ständige Fortbildungen zwar auf dem neusten Stand der Medizin, aber gerade bei der Gesprächsführung wird selten eine Möglichkeit zur Weiterbildung genutzt. Doch nur wer seine Patientinnen versteht, kann ihnen optimal helfen.

Ärzte unterliegen, vor allem wenn sie unter Zeitdruck stehen, der Versuchung, das Patientengespräch in eine bestimmte Richtung zu lenken. Im Hinterkopf haben sie zum Beispiel schon eine bestimmte medikamentöse Therapie, und die nächste Patientin wartet vor der Tür. Patientinnen können sich aber vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn sie den Eindruck bekommen, dass ihnen etwas diktiert wird.

 

Untersuchungen zufolge wird ein hoher Anteil von verschriebenen Medikamenten in Deutschland nicht eingenommen. Patienten und Patientinnen holen das Medikament zwar aus der Apotheke und zahlen sogar den Zusatzbeitrag, nehmen es aber zu Hause nicht ein – eine Folge der fehlenden Compliance. Eine geschickte Gesprächsführung kann zu einer besseren Compliance beitragen.

 

Lenken statt befehlen

Der Arzt kann seine Sprache anders einsetzen und lernen, die Freiheit der Patientinnen weniger einzuschränken und stattdessen suggestiv in die gewünschte Richtung zu lenken. Schon unscheinbare Worte sind manchmal für einen Konflikt verantwortlich, aber es ist auch möglich, sie auszutauschen:

  • Gespräch zwischen Arzt und Patient

     

Statt also die Patientin mit Sätzen wie „Sie müssen unbedingt 15 Kilogramm abnehmen!“ zu „bevormunden“, kann man sie auch mit dem Satz: „Wenn Sie keine Medikamente nehmen möchten, um Ihren Blutdruck zu senken, ist es auch möglich, dies mit einer Gewichtsreduktion zu erreichen“ motivieren. Dabei ist es immer wichtig, den Willen der Patientin zu erkennen und gezielt darauf einzugehen.

 

Richtig zuhören, richtig fragen

Für einen guten Zuhörer ist es nicht schwierig herauszufinden, was die Patientin eigentlich wirklich will. Zwischen den Zeilen und in kleinen Worten wie „eigentlich“ liegen zum Beispiel latente Unsicherheit oder Angst. Außerdem verwenden Ärzte oft nur Ja/Nein-Fragen und genauso antworten die Patientinnen dann auch. Ein aussagekräftiges Gespräch über die Beschwerden und wie sie sich beispielsweise im Alltag äußern, enthält meist mehr Informationen, als der Arzt mit über 20 Einzelfragen bekommt.

 

Was kann man besser machen?

Im Gespräch mit der Patientin ist der Blickkontakt das oberste Gebot. Nur so kann der Arzt zum Beispiel einen Widerspruch zwischen Gesagtem und der Körpersprache erkennen. Gerade wenn eine Patientin etwas erzählt, dabei aber den Kopf schüttelt, könnte es nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Dem sollte der Arzt auf den Grund gehen und sich deshalb nicht ablenken lassen durch Mitschreiben oder den Blick auf den PC.

 

Für die Compliance ist auch die Arzt-Patienten-Beziehung entscheidend. Sie hängt besonders davon ab, wie viel Vertrauen, Offenheit, Anteilnahme, aber auch Wärme der Arzt der Patientin entgegenbringt. Es ist daher wichtig, dass der Arzt erkennt, wenn es einer Patientin nicht gut geht, und es ihr mit seinen Äußerungen und der Körpersprache zeigt. So fühlt sie sich direkt etwas besser und zeigt mehr Vertrauen.

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