• Grafik Querschnitt Schwangere Frau Thieme

    Gestationsdiabetes und Übergewicht der Mutter weisen metabolische Gemeinsamkeiten auf

     

Gestationsdiabetes

Gestationsdiabetes und Übergewicht: beides schädlich fürs Kind

Hintergrund: Gestationsdiabetes und Übergewicht der Mutter weisen metabolische Gemeinsamkeiten auf, so etwa Insulinresistenz, hyperglykämische Zustände und Hyperinsulinämien. Dabei könnte ein Gestationsdiabetes alleine, unabhängig von dem Übergewicht, negative Folgen für den Fetus haben, und umgekehrt gilt die gleiche Vermutung für mütterliches Übergewicht. US-amerikanische Mediziner haben in einer Observationsstudie geprüft, wie die beiden Faktoren einzeln und in Kombination auf das Kind einwirken.

Diab Care 2012; 35: 780–786

 

Methoden: Für die HAPO-Studie („Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcomes“) wurden Daten von 23 316 Schwangeren herangezogen. Bei den Frauen wurde zwischen der 24. und 32. Schwangerschaftswoche ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) mit 75 g Glukose durchgeführt und der korrespondierende Body-Mass-Index (BMI) bestimmt. Ein Gestationsdiabetes wurde nach den Kriterien der „International Association of Diabetes and Pregnancy Study Group“ diagnostiziert bei einer Nüchtern-Glukosekonzentration ab 92 mg / dl, einer Glukosekonzentration 1 Stunde nach Glukosebelastung ab 180 mg / dl und einem 2-Stunden-Wert ab 153 mg / dl. Endpunkte waren u. a. Gewicht des Neugeborenen oberhalb der 90. Perzentile (Makrosomie), Körperfettanteil des Neugeborenen oberhalb der 90. Perzentile, C-Peptid-Konzentration im Nabelschnurblut oberhalb der 90. Perzentile, primärer Kaiserschnitt und Präeklampsie.

 

Ergebnisse: Ein Gestationsdiabetes wurde bei 16,1 % der Schwangeren festgestellt (3746 Frauen), stark übergewichtig (BMI ≥ 33 kg / m2) waren 13,7 % (3198 Frauen), 25 % der Frauen mit Gestationsdiabetes waren gleichzeitig deutlich übergewichtig. Die Odds Ratio (OR) für ein makrosomes Neugeborenes lag für Frauen mit Gestationsdiabetes bei 2,19, für Übergewicht alleine bei 1,73, und für die Kombination beider Faktoren bei 3,62 (jeweils gegenüber nicht-diabetischen, normal- bzw. leicht übergewichtigen Schwangeren). Ähnliche Daten fanden sich für die weiteren Endpunkte. Dabei nahm das relative Risiko für ein makrosomes Kind progredient zu, sowohl mit dem mütterlichen Glukosestatus als auch mit dem mütterlichen BMI und lag bei 2,58 für Gestationsdiabetes vs. normale Glukosekonzentration und bei 2,07 für Übergewicht vs. Normalgewicht. Neugeborene von übergewichtigen Müttern mit Gestationsdiabetes waren im Mittel um 339 g schwerer als Kinder von Müttern ohne die beiden Risikofaktoren.

Es zeigen sich also deutliche unabhängige Korrelationen von Gestationsdiabetes und mütterlichem Übergewicht mit kindlicher Makrosomie, so die Autoren. Dabei wurde berücksichtigt, dass ein höherer BMI während der Schwangerschaft normal ist und in Bezug auf das Vor-Schwangerschaftsgewicht korrigiert.

 

Folgerung: Insgesamt ergibt sich aus den Ergebnissen die Anforderung, beides konsequent zu behandeln, sowohl durch strikte Kontrolle der Glukosekonzentration und ggf. eine Behandlung mit Blutzucker-senkenden Maßnahmen als auch der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. Weitere Untersuchungen müssen klären, welche Interventionen am ehesten geeignet sind, die Gewichtszunahme zu beschränken.

 

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

 

 

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