• Timing von übermäßiger Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und neonatale Adipositas

    Der Zeitpunkt der übermäßigen Gewichtszunahme der Mutter, scheint einen Einfluss auf Gewicht, Körperfett und Länge des Neugeborenen zu haben (Symbolbild, Quelle: Jupiterimages).

     

Timing von übermäßiger Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und neonatale Adipositas

Hintergrund: Die Häufigkeit von Fettleibigkeit und den mit ihr verbundenen negativen perinatalen Folgen nimmt stetig zu. Aktuelle Erkenntnisse liefern Hinweise darauf, dass das intrauterine Milieu eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Erkrankungen im Erwachsenenalter einschließlich der intrauterinen Programmierung von Übergewicht und Diabetes mellitus spielt. Anhand einer Kohorte von Frauen, die sich an aktuelle Empfehlungen eines gesunden Lebensstils in der Schwangerschaft halten, haben Davenport et al. untersucht, ob der Zeitpunkt einer exzessiven Gewichtszunahme Einfluss auf die neonatale Adipositas hat.

Obstet Gynecol 2013; 122: 255–261

 

Methoden: 172 gesunde, volljährige Schwangere mit einem BMI von mindestens 18,5 wurden zwischen der 16. und 20. SSW rekrutiert. Die Kohorte befolgte Richtlinien für ein gesundes Leben während der Schwangerschaft und wurde retrospektiv in 4 Gruppen eingeteilt. Die Gruppen wurden gemäß der Kriterien aus den 2009-Richtlinien für Gewichtszunahme in der 1. und 2. Schwangerschaftshälfte (SSH) des Institute of Medicine gebildet:

„Durchgehend angemessen“ = angemessene Gewichtszunahme in beiden SSH;

„Spät übermäßig“ = angemessene Gewichtszunahme in der 1. SSH und übermäßige Gewichtszunahme in der 2. SSH;

„Früh übermäßig“ = übermäßige Gewichtszunahme in der 1. SSH und angemessene Gewichtszunahme in der 2. SSH;

„Durchgehend übermäßig“ = übermäßige Gewichtszunahme in beiden SSH.

Primäre Endpunkte waren neonatales Gewicht, Länge, BMI und Körperfett 6–18 h postpartal. Neonatales Körperfett von über 14 % galt als übermäßig.

 

Ergebnisse: Neugeborene der Gruppen 3 und 4, deren Mütter in der 1. SSH übermäßig zugenommen hatten, zeigten größere Länge, höheres Geburtsgewicht und übermäßiges Körperfett (Gruppe 3 = 17,5 ± 3,1 % und Gruppe 4 = 18,7 ± 3,3 %) im Vergleich zu Neugeborenen von Müttern, die in der 1. SSH eine angemessene Gewichtszunahme hatten (Gruppe 1 = 13,2 ± 4,1 % und Gruppe 2 = 14,7 ± 3,3 %). Neugeborene der Gruppe 3 („früh übermäßig“) zeigten ein erhöhtes Risiko (OR 2,64; 95 %-KI 1,35-5,17) für erhöhtes Körperfett bei Geburt im Vergleich zu Neugeborenen der Gruppe 4 („durchgehend übermäßig“; OR 1,47; 95 %-KI 0,80-2,79). In Bezug auf die Vorhersage der neonatalen Adipositas bewies sich der Zeitpunkt der übermäßigen Gewichtszunahme in der Schwangerschaft als ein wichtigerer Faktor, als die insgesamt übermäßige Gewichtszunahme über die ganze Schwangerschaft.

 

Folgerung: Der Zeitpunkt von übermäßiger Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist ein wichtiger Einflussfaktor der neonatalen Morphometrie. Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen die Hypothesen über die wichtige Rolle des intrauterinen Milieus in der fetalen Programmierung von Übergewicht. Die Vorbeugung von früher übermäßiger Gewichtszunahme sollte demnach bereits präkonzeptionell gefördert werden und in der Frühschwangerschaft verstärkt werden, so die Autoren.

Dr. Ana Habedank, Darmstadt

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