• Grippeimpfung in der Schwangerschaft: Steigerung der Impfbereitschaft per SMS?

    Das Handy – fester Bestandteil im Kommunikationsalltag – wurde im Rahmen der zusammengefassten Studie als Informationsmedium über die Grippeimpfung genutzt.

     

Grippeimpfung in der Schwangerschaft: Steigerung der Impfbereitschaft per SMS?

Hintergrund: Obwohl die Grippeimpfung während der Schwangerschaft in den USA klar befürwortet wird, ist die für 2020 angestrebte Impfrate von 80 % bei Schwangeren noch lange nicht erreicht. M. Moniz et al. prüften, ob sich Schwangere, die einer Grippeimpfung unsicher oder ablehnend gegenüberstehen, durch wiederholte Textnachrichten via Mobiltelefon zur Impfung bewegen lassen.

Obstet Gynecol 2013; 121: 734–740

 

Methoden: Während der beiden Influenzasaisons zwischen September 2010 und Februar 2012 wurden 216 ambulante Patientinnen einer Universitätsfrauenklinik für eine randomisierte kontrollierte Studie rekrutiert. Die Frauen waren 14–50 Jahre alt, seit weniger als 28 Wochen schwanger, hatten den Impfstoff der aktuellen Influenzasaison noch nicht erhalten und besaßen ein SMS-taugliches Mobiltelefon. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen waren Afroamerikanerinnen, 90 % von ihnen hatten höchstens eine Highschool-Ausbildung.

Die Teilnehmerinnen in Kontroll- (n = 100) und Studiengruppe (n = 104) erhielten im Wochenabstand insgesamt 12 Textnachrichten zu verschiedenen Schwerpunkten gesundheitsbewussten Lebens in der Schwangerschaft. Die Textnachrichten an Teilnehmerinnen in der Studiengruppe informierten zusätzlich über Nutzen und Sicherheit der Influenzavakzine während der Schwangerschaft. Vor und nach der Intervention gaben die Teilnehmerinnen anonym Auskunft zu ihren soziodemografischen Daten, ihrer Einstellung zur Krankheitsprävention bzw. gesundheitsbewussten Verhaltensweisen und ihrer Haltung zu Textnachrichten.

 

Ergebnisse: Nach der Intervention unterschied sich die Impfrate in der Studiengruppe mit 33 % nicht signifikant von der in der Kontrollgruppe mit 31 %, ebenso wenig der Zeitpunkt der Impfung mit median 30 vs. 32,5 Tagen nach Aufnahme in die Studie. In der Eingangsbefragung allerdings hatte ein größerer Teil der Schwangeren, die sich später impfen ließen, die Grippeimpfung als ziemlich oder sehr wichtig beurteilt (63,1 vs. 25,9 %). Nicht Geimpfte begründeten ihre Ablehnung am häufigsten mit einer Abneigung gegen Spritzen, Angst vor Nebenwirkungen und schlechten Erfahrungen mit der Grippeimpfung. Dem fehlenden Erfolg zum Trotz gaben 90 % aller Frauen an, dass sie gerne Textnachrichten empfangen, 94 % bewerteten diese Form der ärztlichen Unterstützung als gut, 84 % hätten sie fortsetzen wollen und bei 70 % war die Zufriedenheit mit der pränatalen Versorgung aufgrund den Textnachrichten gestiegen.

 

Folgerung: Wiederholte Textnachrichten, die Schwangere über den medizinischen Nutzen einer Grippeimpfung informierten und sie zur Impfung motivierten, verfehlten in dieser Studie ihren Zweck: Sie erhöhten weder die Impfrate, noch beschleunigten sie die Impfung, falls sie durchgeführt wurde. Es bleibe daher Forschungsbedarf hinsichtlich effektiver Kommunikationsstrategien, die die Impfwilligkeit Schwangerer erhöhen, stellen die Autoren fest. Möglicherweise seien Ton und Inhalt zu verändern, bekannte Hemmschwellen, wie die Angst vor Nebenwirkungen, direkt anzusprechen.

 

Ines Schulz-Hanke, Untermeitingen

Aus GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde 08/2013

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