• Klinische und sonografische Parameter zur Identifizierung von unter- und übergewichtigen Neugeborenen

    Unter- und übergewichtige Neugeborene haben ein vielfach erhöhtes Risiko perinataler Morbidität und Mortalität.

     

Klinische und sonografische Parameter zur Identifizierung von unter- und übergewichtigen Neugeborenen

Hintergrund:

Unter- und übergewichtige Neugeborene (UGN / ÜGN) – oder newborns small / large for gestational age (SGA / LGA) – haben ein vielfach erhöhtes Risiko perinataler Morbidität und Mortalität. Ihre pränatale Identifizierung ist somit von hohem Stellenwert. Lorenzo et al. wollten eruieren, ob die biometrische Auswertung per Ultraschall in der 30 + 0 bis 32 + 6 Schwangerschaftswoche (SSW) ein wertvolles Screening-Tool zur Erfassung von UGN und ÜGN in einer risikoarmen Bevölkerung ist.

Europ J Obstet & Gynecol and Reprod Biol 2013; 166:133–138

 

Methoden:

In dieser prospektiven Studie wurden 1848 Einlingsschwangere rekrutiert, die ab dem 1. Trimenon eine italienische Klinik zur Routineuntersuchung aufsuchten. Primäre Endpunkte waren das geschätzte Geburtsgewicht im 3. Trimenon (GGG) und der Bauchumfang der Mutter (BU). Die Autoren untersuchten die Prognose dieser Faktoren in Bezug auf die Vorhersage für ein UGN oder ÜGN. Sekundäre Endpunkte waren Doppler der Arteria uterina (PI = Pulsatilitätsindex, RI = Resistenzindex und bilateraler Notch), fetale Biometrie nach Hadlock (AU, KOF, FL) sowie biparietaler Durchmesser (BPD). Berücksichtigt wurden maternale Erkrankungen wie Gestationsdiabetes (GDM), Schwangerschaftshypertonie (SH) und Präeklampsie (PE). Die Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht (GG) unter der 10. Perzentile bzw. über der 90. Perzentile wurden in 4 Gruppen eingeteilt:

mäßig UGN = GG zwischen 5. und 10. Perzentile,

schwer UGN = GG < 5. Perzentile,

mäßig ÜGN = GG zwischen 90. und 95. Perzentile und

schwer ÜGN = GG > 95. Perzentile.

 

Ergebnisse:

Die in dieser Kohorte identifizierten prädiktiven Faktoren für schwer UGN waren: GGG (p < 0,001) und A. uterina-PI (p < 0,002). Für mäßig UGN waren es GGG (p < 0,001), A. uterina-PI (p < 0,004) und maternale PE (p < 0,002). Für mäßig und schwer ÜGN wurde das GGG (p < 0,001) als prädiktiver Faktor identifiziert.

GDM, SH, PE, A. uterina-PI und A. uterina-RI sind Parameter, die bekanntlich das fetale Wachstum beeinflussen können. Hier waren lediglich PE und Doppler der A. uterina mit UGN verbunden. Dabei beobachteten die Autoren, dass die Sensitivität der Vorhersage eine UGN erhöht wurde, wenn sie das GGG in Verbindung mit dem Doppler berücksichtigten. Der übliche Zusammenhang zwischen ÜGN und GDM konnte nicht hergestellt werden. Möglicherweise liegt dies an der niedrigen Prävalenz dieser Erkrankung bzw. der optimierten Therapie betroffener Mütter im untersuchten Kollektiv.

 

Folgerung:

Lorenzo et al. konnten in einer risikoarmen Bevölkerung eine Untergruppe mit Wachstumsabweichungen herausfiltern. Anhand der Untersuchungen zu einem relativ frühen Zeitpunkt (ab 30. SSW) konnten sie zwar eine gute Vorhersage in Bezug auf die Ausbildung eines ÜGN treffen, de facto entwickeln die meisten Feten ihr Übergewicht jedoch gegen Ende des 3. Trimenons. Ein Ultraschall in der 34.–36. SSW oder die klinische Beurteilung der mütterlichen Risikofaktoren bleiben in Risikofällen notwendig. Die Vorhersage eines UGN wird idealerweise durch die sonografische Gewichtsschätzung in Kombination mit dem uterinen Doppler getroffen, so die Autoren. Auch hier empfehlen sie eine zusätzliche Untersuchung von Risikofällen gegen Ende des 3. Trimenons.

Dr. A Habedank, Darmstadt

Aus GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde 06/2013

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