• Impfung © Klaus Eppele

Impfungen in der gynäkologischen Praxis

Schutzimpfungen zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten Präventivmaßnahmen der modernen Medizin. Keine andere medizinische Maßnahme hat so viel zur Gesunderhaltung des Menschen beigetragen wie die Schutzimpfungen.

Impfungen schützen die geimpfte Person (Individualschutz), aber auch Ungeimpfte durch die sogenannte Herdenimmunität. Bei einer Impfquote von 95 % der Bevölkerung werden auch die restlichen 5 % Nichtgeimpfte geschützt – also die gesamte Bevölkerung (Populationsschutz). 

VORTEILE DES IMPFENS
Impfungen reduzieren Erkrankungsfälle, verhindern Antibiotikaresistenzen, vermeiden Arbeitsunfähigkeiten, senken Behandlungskosten, verringern Klinikaufenthalte, verhindern Behinderungen und stellen somit die Grundlage für das Funktionieren einer Gesellschaft dar. 
Der Frauenarzt ist der Impfarzt der Familie. 

Die meisten Frauen sind gesund, wenn sie in unsere gynäkologischen Praxen kommen, sie sind offen für den Präventionsgedanken – sie kommen ja zum großen Teil zur „Vorsorge“. Die Frau entscheidet häufig in der Familie über medizinische Fragen: Sie ist „der Gesundheitslotse“ der Familie. Spätestens bei Eintritt einer Schwangerschaft kommen der Partner und die Familie dazu und sind dann ebenfalls am Infektionsschutz interessiert.

In Deutschland existiert ein gut etabliertes Impfsystem, das gekennzeichnet ist durch jährlich aktualisierte, klare Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) und die Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Dennoch herrschen in der Bevölkerung Vorbehalte gegenüber Impfungen. Studien über den Impfstatus von Erwachsenen in Deutschland zeigen selbst bei den Standardimpfungen erhebliche Impfdefizite. So verfügen 28,6 % der Bevölkerung nicht über einen aktuellen Tetanusschutz, 42,9 % sind ohne Diphtherie-Auffrischung und 88,2 % (♀-West) bzw. 90,6 % (♂-West) haben keine Pertussis-Auffrischung erhalten.

2012 ergab eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA), dass von den 4483 befragten Personen im Alter von 16–85 Jahren nur etwa 4–8 % als Impfgegner bezeichnet werden konnten, aber 31 % den Impfungen ablehnend gegenüber standen und nur 37 % Schutzimpfungen klar befürworteten. Dies zeigte sich besonders bei der Bewertung der Masernimpfung: 28 % der Befragten hielten die Masernimpfung für unwichtig. Das Resultat dieser Einstellung bewirkt, dass der von der Weltgesundheitsorganisation vorgegebene Zeitrahmen für die Elimination der Masern in Deutschland mehrfach verschoben werden musste, weil immer wieder regionale Masernhäufungen mit insgesamt weit über 2000 Fällen auftraten und somit das gesteckte Ziel von 1 Fall pro 1 Million Einwohner in weite Ferne geraten ließen. 

Ein großer Anteil der Bevölkerung in Deutschland weist deutliche Impfdefizite auf – selbst bei den Standardimpfungen. 

Empfehlungen der STIKO

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin erarbeitet jährlich auf der Grundlage der aktuellen medizinischen und epidemiologischen Situation Impfempfehlungen, die als Voraussetzung für die Festsetzung öffentlicher Empfehlungen in den einzelnen Bundesländern dienen. Jeweils im August werden die neuen Empfehlungen im Epidemiologischen Bulletin Nr. 34 veröffentlicht. Erst wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) diese Empfehlungen in die Schutzimpfungsrichtlinien übernommen hat und diese frühestens im Februar des Folgejahres im Bundesanzeiger abgedruckt worden sind, sind die neuen Empfehlungen Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die gegenwärtig gültigen Impfempfehlungen der STIKO wurden im August 2016 veröffentlicht.

Viele Experten sehen die uneinheitliche Entscheidung der einzelnen Bundesländer und die Verzögerung der Kostenübernahme neuer Impfempfehlungen als 2 von vielen Impfhindernissen in Deutschland an.

 

Lesen Sie hier den gesamten Artikel: Impfungen in der gynäkologischen Praxis

Aus der Zeitschrift Frauenheilkunde up2date 5/2016

 

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