• In-vitro-Befruchtung mit Transfer einzelner euploider Blastozysten

    Um die Chancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen, entscheiden sich viele Paare, die sich einer IVF-Therapie unterziehen, für den Transfer multipler Embryonen. Dies führt jedoch zu Zwillings- und Drillingsschwangerschaften.

     

In-vitro-Befruchtung mit Transfer einzelner euploider Blastozysten

Hintergrund: Um ihre Chancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen, entscheiden sich viele Paare, die sich einer IVF-Therapie unterziehen, sowie Ärzte für den Transfer multipler Embryonen, was zu Zwillings- und Drillingsschwangerschaften führt, mit erhöhtem Risiko für Mutter und Kind. Die häufigste Ursache von Implantationsversagen und Fehlgeburten ist die embryonale Aneuploidie, deren Häufigkeit sich mit zunehmendem Alter der Mutter erhöht. Forman et al. haben eruiert, ob die Durchführung eines umfassenden Chromosomenscreenings (UCS) mit Transfer einer einzigen euploiden Blastozyste bei reduziertem Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft eine vergleichbare Schwangerschaftsrate erzielen kann, wie der sonst übliche Transfer zweier ungetesteter Blastozysten.

Fertil Steril 2013; 100: 100–107

 

Methoden: 175 unfruchtbare Paare wurden in die randomisierte Nicht-Unterlegenheitsstudie eingeschlossen. Einschlusskriterien dieser nicht verblindeten Studie waren Frauen unter 43 Jahren mit maximal einem vorangegangenen IVF-Zyklus, unauffälligem Uterus und guter ovarieller Reserve (Anti-Müller-Hormon ≥ 1,2 ng / ml und FSH an Tag 3 < 12 IU / L). 123 dieser Patientinnen erhielten einen frischen Blastozystentransfer, 52 hatten kryokonservierte Blastozysten. Die Randomisierung erfolgte dann, wenn sich mindestens 2 Embryonen soweit entwickelten, dass eine Blastozystenbiopsie möglich war. In der Studiengruppe (SG, n = 89) wurden alle Blastozysten mittels Trophektodermbiopsie mit PCR und UCS untersucht, um die einzige und beste euploide Blastozyste zu transferieren. Die Kontrollgruppe (KG, n = 86) erhielt den traditionellen Transfer zweier ungetesteter Blastozysten auf Basis der Morphologie. Primärer Endpunkt war die laufende Schwangerschaftsrate nach der 24. SSW. Sekundärer Endpunkt war die Rate an Mehrlingsschwangerschaften. Ausgeschlossen wurden 16 aneuploide Blastozysten, die möglicherweise zu einer Schwangerschaft geführt hätten (Trisomie 13, 18, 21, 45 X, 47 XXY und 47 XYY).

Ergebnisse: Die Aneuplodierate lag bei 31 % und stieg, wie erwartet, mit zunehmendem maternalen Alter. Die Schwangerschaftsrate war in beiden Gruppen ähnlich (SG 60,7 vs. KG 65,1 %; RR 0,9; 95 %-KI 0,7–1,2) unabhängig davon, ob im frischen oder kryokonservierten Zyklus. Ein Unterschied von mehr als 20 % zugunsten des Transfers zweier Blastozysten wurde ausgeschlossen. In der SG reduzierte sich das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften (53,4 auf 0 %) und die Patienten hatten fast doppelt so häufig eine laufende Einlingsschwangerschaft (60,7 vs. 33,7 %; RR 1,8; 95 %-KI 1,3–2,5, p < 0,001). Nur bei 5,4 % der Patientinnen haben sich keine übertragbaren Blastozysten entwickelt.

Folgerung: Bei Frauen unter 42 Jahren führte der Transfer einer einzigen euploiden Blastozyste zu vergleichbaren Ergebnissen, wie der Transfer zweier ungetesteter Blastozysten. Dabei verringerte sich das Risiko von Mehrlingen drastisch. Infolge dessen reduzierten sich auch die Komplikationsraten bzw. Belastungen des Paares, in gleicher Weise blieben dem Gesundheitssystem zusätzliche Kosten erspart. Die Autoren postulieren anhand ihrer Ergebnisse weiter, dass durch den Transfer einer einzelnen euploiden Blastozyste, die Behandlung von Frauen bis 43 Jahren mit größerer Sicherheit möglich sein könnte.

Dr. Ana Habedank, Darmstadt

 

Kommentar

Auch für diese Kinder gilt die sorgfältige weitere Untersuchung zur Frage somatischer bzw. mentaler Auffälligkeiten. Ein Aspekt, der in der vorliegenden Untersuchung keine Berücksichtigung fand.

JB

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