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    Bei infertilen Patientinnen mit PCOS wird zur Ovulationsinduktion meist Clomifen eingesetzt. Nun wurden die Effektivität und Sicherheit von Letrozol und Clomifen bei der Infertilitätstherapie verglichen.

     

Infertilität bei PCOS: Letrozol vs. Clomifen

Hintergrund: Bei infertilen Patientinnen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) wird zur Ovulationsinduktion meist Clomifen eingesetzt. Nachteile dieses selektiven Östrogenrezeptor-Modulators sind neben seinem Nebenwirkungsspektrum die geringe Effektivität sowie die hohe Rate von Mehrlingsschwangerschaften. Die Blockierung der Östrogensynthese durch Aromatasehemmer wie Letrozol ermöglicht hingegen bei günstigerem Nebenwirkungsprofil und schnellerer Clearance eine meist singuläre Follikelreifung mit dementsprechend niedrigerer Mehrlingsrate sowie eine physiologischere Endometriumstimulation. Der potenziell höheren Schwangerschaftsrate steht jedoch das Risiko teratogener Wirkungen entgegen. Legro et al. haben die Effektivität und Sicherheit von Letrozol und Clomifen bei der Infertilitätstherapie von PCOS-Patientinnen verglichen.
Legro RS et al. Letrozole versus clomiphene for infertility in the polycystic ovary syndrome.
N Engl JMed 2014; 371:119–129

 

Methoden: In die doppelblinde, randomisierte Multizenter-Studie wurden zwischen Februar 2009 und Januar 2012 insgesamt 750 Patientinnen mit PCOS im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, ihre Partner und Neugeborenen eingeschlossen. Die Studienteilnehmerinnen wurden ab dem 3. Zyklustag für 5 Tage und bis maximal 5 Zyklen mit 50 mg / d Clomifencitrat (n = 376) bzw. 2,5 mg / d Letrozol (n = 374) behandelt. Bei schlechter ovarieller Response (2 % von 2777 Behandlungszyklen) erfolgte eine Dosis-steigerung. Die maximale Tagesdosis betrug 150 mg Clomifen bzw. 7,5 mg Letrozol. Die Kinder von 73 % der Paare (128/175) wurden nach der Geburt hinsichtlich kongenitaler Anomalien untersucht.

 

Ergebnisse: In der Letrozol-Gruppe zeigten sich kumulativ mehr Lebendgeburten als in der Clomifen-Gruppe (103/374; 27,5 % vs. 72/376; 19,1 %; p = 0,007; Rate Ratio für Lebendgeburt mit Letrozol 1,44; 95 %-CI 1,10–1,87). Die Fehlgeburtenrate unterschied sich nicht zwischen den beiden Gruppen (49/154; 31,8 % der Schwangerschaften der Letrozol- vs. 30/103; 29,1 % der Clomifen-Gruppe). Auch die Rate an Zwillingsschwangerschaften war bei beiden Gruppen vergleichbar (3,4 vs. 7,4 %). Die kumulative Ovulationsrate war mit Letrozol signifikant höher als mit Clomifen (834/1352; 61,7 % vs. 688/1425; 48,3 % der Behandlungszyklen; p < 0,001). Patientinnen mit Ovulationen hatten unter Letrozol signifikant höhere Chancen auf eine Einlingsschwangerschaft als unter Clomifen (p = 0,03).

Die mit Clomifen behandelten Frauen klagten signifikant häufiger über Hitzewallungen, während unter Letrozol häufiger Fatigue und Schwindel auftraten. Als die am häufigsten verzeichneten Schwangerschaftskomplikationen wurden Gestationsdiabetes, Präeklampsie, Eklampsie, vorzeitige Wehentätigkeit und vorzeitiger Blasensprung genannt und an neonatalen Komplikationen Ikterus, Atemnotsyndrom des Neugeborenen und intrauterine Wachstumsrestriktion. Diese Komplikationen zeigten in keiner der beiden Gruppen eine signifikante Häufung. In der Letrozol-Gruppe fanden sich 4, in der Clomifen-Gruppe 1 schwerwiegende kongenitale fetale Anomalie (p = 0,65).

 

Folgerung: Bei der Behandlung von PCOS-Patientinnen mit anovulatorischer Infertilität war Letrozol im Vergleich zu Clomifen effektiver hinsichtlich Ovulationsrate, Konzeption, Schwangerschaft und Lebendgeburtenrate. Die Fehlbildungsraten unterschieden sich nicht signifikant zwischen den beiden Behandlungsgruppen und waren mit der Fehlbildungsrate spontan konzipierter Schwangerschaften vergleichbar. Die Autoren fordern größere Studien, um das teratogene Risiko von Letrozol genauer abschätzen zu können.

Dr. C. Weber

Aus: GebFra 10/14

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