• Zystisches Ovarialkarzinom

    Dreidimensionale Ultraschalldarstellung eines zystischen Ovarialtumors mit einem Durchmesser von 3 cm.

     

Lebenswichtig: Intervall zwischen Op und Chemotherapie bei fortgeschrittenem serösem Ovarialkarzinom

Hintergrund: Zytoreduktive Chirurgie und eine postoperative platinbasierte Chemotherapie gelten als Standard für Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom. Allerdings ist unklar, wann die Chemotherapie am besten beginnen sollte: Studien am Tiermodell und Erkenntnisse bei Mamma- und Kolonkarzinom stützen die Hypothese, dass ein verzögerter Beginn der postoperativen Chemotherapie die Prognose der Betroffenen beeinträchtigt. G. Hofstetter et al. haben evaluiert, ob dies auch für Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom gilt.

Gynecol Oncol 2013; 131: 15–20

 

Methoden: Zwischen August 2005 und Dezember 2008 hatten sich 275 konsekutive Patientinnen mit fortgeschrittenem serösem Ovarialkarzinom an dem internationalen Projekt „Ovarian Cancer. Diagnosis of a silent Killer“ (OVCAD) beteiligt. Von diesen Frauen waren 191 im FIGO-Stadium IIIA–IV erkrankt und der Tumor bis auf mikroskopische oder makroskopische Tumorreste reseziert worden. Alle Patientinnen erhielten eine postoperative platinbasierte Chemotherapie.

 

Ergebnisse: Die mediane Beobachtungsdauer aller Patientinnen lag bei 42 (4–69) Monaten, die postoperative Chemotherapie begann nach median 28 (4–158) Tagen. Es zeigte sich, dass die Zeitdauer bis zum Beginn der Chemotherapie mit dem Operationsumfang korrelierte sowie mit perioperativen Komplikationen und dem behandelnden Zentrum. Patientinnen, die ihren 1. Chemotherapiezyklus innerhalb von 28 Tagen nach der Operation erhielten, hatten mit 70 vs. 60 % signifikant bessere Gesamtüberlebenschancen als Patientinnen, deren Therapie mehr als 28 Tage nach der Operation begann. Eine Multivarianzanalyse ergab zudem, dass nicht nur das Intervall bis zur Chemotherapie (Hazard Ratio 1,73) signifikant mit dem Gesamtüberleben assoziiert ist, sondern auch die Größe des postoperativen Tumorrests (mikroskopisch / makroskopisch, HR 2,95) und das FIGO-Stadium (HR 2,6). Während das Intervall bis zur Chemotherapie bei Patientinnen mit mikroskopischem Residualtumor keine prognostische Signifikanz hatte, bestand bei Patientinnen mit makroskopischem Residualtumor eine signifikante Assoziation (n = 70, HR 2,24).

 

Folgerung: Ein verlängertes Intervall zwischen Tumorresektion und postoperativer Chemotherapie senkt offenbar die Gesamtüberlebenschancen von Frauen mit fortgeschrittenem serösem Ovarialkarzinom, stellen die Autoren fest. Das gelte insbesondere für Patientinnen, bei denen nach unvollständiger Resektion makroskopische Tumorreste verblieben sind.

Ines Schulz-Hanke, Untermeitingen

 

Kommentar

Die sorgfältige Analyse der Behandlungsergebnisse von Frauen mit fortgeschrittenem operiertem Ovarialkarzinom lässt die Bedeutung des „multimodalen Therapiekonzeptes“ erkennen, das aus Operation und platinbasierter Chemotherapie besteht. Nicht nur die anzustrebende R0-Resektion ist von prognostischer Bedeutung, sondern auch das Intervall zwischen OP und Beginn der Chemotherapie. Die Patientin profitiert in der vorliegenden Untersuchung nicht von einer ausgedehnten OP, wenn die Chemotherapie erst verspätet zum Einsatz kommen kann. Erst recht wirkt sich ein verspäteter Einsatz der Chemotherapie bei Frauen aus, bei denen keine R0-Resektion gelungen ist. Diese Untersuchung macht in eindrucksvoll deutlich, dass das operative Vorgehen so radikal wie notwendig, aber auch so schonend wie möglich erfolgen sollte, um auf diese Weise den baldigen Beginn der Chemotherapie sicherzustellen.

JB

 

Aus: GebFra 02/14

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