• Symbolbild, Quelle: Jupiterimages

    Meeresfisch ist in Europa ein allgemein verfügbares Nahrungsmittel mit hohem Jodgehalt (Symbolbild, Quelle: Jupiterimages). Sein Verzehr ist zur Vorbeugung in Jodmangelgebieten, wie Deutschland, empfohlen.

     

Wie wirkt sich Jodmangel in der Schwangerschaft auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus?

Hintergrund: Jodmangel in der Schwangerschaft ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der häufigste vermeidbare Einzelfaktor, der zu einer kindlichen Hirnschädigung führen kann. Jodmangelgebiete liegen dabei u. a. auch in Großbritannien. Allerdings haben nationale Verzehrstudien eine scheinbar adäquate Jodversorgung ergeben. Dementsprechend unterblieben Maßnahmen wie z. B. die allgemeine Jodierung von Speisesalz. Nun aber schlagen Ernährungswissenschaftler Alarm: Die Jodversorgung mit der üblichen Mischkost sei – zumindest in manchen britischen Regionen – vor allem in der Schwangerschaft nicht ausreichend für eine optimale Gehirnentwicklung des Feten.

Lancet 2013; 382: 331–337

 

Methoden: Nehmen Frauen während einer Schwangerschaft nicht ausreichend Jod zu sich, zeigen die Kinder im Schulalter schlechtere Ergebnisse in Tests der verbalen Intelligenz als Kinder, deren Mütter eine adäquate Jodversorgung aufwiesen. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler um Sarah Bath, die 958 Mutter-Kind-Paare aus der „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ (ALSPAC) retrospektiv daraufhin untersucht hatten. Die Mütter wurden – nach den WHO-Kriterien – anhand der Jodausscheidung im Urin in 2 Gruppen eingeteilt:

  • ausreichende Jodversorgung (≥ 150 µg Jod / g Kreatinin)
  • Jodmangel (< 150 µg Jod / g Kreatinin)

Beurteilt wurde der Zusammenhang von Intelligenzquotienten der Kinder im Alter von 8 Jahren und der Lesekompetenz im Alter von 9 Jahren mit der Jodversorgung der Mutter während der Schwangerschaft. Dabei erfolgte eine Korrektur für insgesamt 21 Störfaktoren, die ebenfalls für die Intelligenzentwicklung bedeutsam sind, darunter kategorische Variable wie kindliche Faktoren (Gestationsalter, Geburtsgewicht, gestillt ja / nein), mütterliche Faktoren (Nikotin- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, postpartale oder spätere Depression und sozioökonomische Faktoren (Ausbildung der Eltern) sowie kontinuierliche Variable wie die häusliche Umgebung im Hinblick auf die kognitive Stimulation des Kindes (HOME-Score), belastende Ereignisse während der Schwangerschaft, Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren (aus Meeresfisch) und Eisen während der Schwangerschaft.

 

Ergebnisse: Insgesamt bestand bei den Frauen insgesamt eine leichte Jodmangelversorgung, mit einer medianen Jodausscheidung im Urin von 91,1 µg / g Kreatinin. Anhand der genannten Einteilung lag bei mehr als 2 Drittel der Frauen ein Jodmangel vor. Die Kinder dieser Frauen hatten ein erhöhtes Risiko, bei den verbalen Skalen der Intelligenztests Ergebnisse im untersten Quartil zu erzielen (Odds Ratio [OR] gegenüber Kindern von ausreichend mit Jod versorgten Müttern: 1,58). Das Gleiche galt für Lesegenauigkeit bzw. Leseverständnis (OR 1,69 bzw. 1,54). Bei weiterer Unterteilung der Frauen mit Jodmangelversorgung in Frauen mit 50–150 µg Jod / g Kreatinin und Frauen mit weniger als 50 µg Jod / g Kreatinin zeigte sich tendenziell ein Dosiseffekt, mit abnehmenden Leistungen bei abnehmender Jodausscheidung. Wegen der zu geringen Gruppengröße waren diese Daten aber statistisch nicht signifikant.

 

Folgerung: Die Jodversorgung in Großbritannien ist bei weitem nicht ausreichend für die optimale Ernährung schwangerer Frauen, meinen die Autoren, auch wenn eine Beobachtungsstudie naturgemäß nur eingeschränkt kausale Beziehungen ermitteln kann. Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie zur Jodsupplementation in der Schwangerschaft im Hinblick auf die kognitive Entwicklung der Kinder ist geplant. Auf jeden Fall sei eine exakte und aktuelle Erhebung zur Jodversorgung überfällig, da die letzten entsprechenden Daten aus den 1940er-Jahren stammen.

Dr. E. Ruchalla, Trossingen

 

Kommentar

Auch wenn die Daten aus Großbritannien nicht direkt auf Deutschland zu übertragen sind, so gilt auch Deutschland gemäß der WHO-Definition als mittelschweres Jodmangelgebiet. Entsprechend der jetzt vorgelegten Untersuchung dokumentieren experimentelle klinische und epidemiologische Daten den typischen kausalen Zusammenhang zwischen klinischem und subklinischem Jodmangel und einer beeinträchtigten neurologischen Entwicklung der Kinder. Die vorhandenen Daten zur Jodprophylaxe in der Schwangerschaft mit 100-200 µg / d dokumentieren eine Verbesserung, so dass auf der Basis der derzeit zugänglichen Daten eine generelle Jodprophylaxe während der Schwangerschaft als empfehlenswert angesehen wird.

Prof. Dr. J. Baltzer, Krefeld

Aus: GebFra 04/14

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