• Kaugummi auf Rezept?

    Kaugummi soll helfen, den Darm nach laparoskopischen Eingriffen wieder in Schwung zu bringen.

     

Kaugummi auf Rezept?

Hintergrund: Nach operativen Eingriffen im Bauch- und Beckenbereich kommt es häufig zu Einschränkungen der Darmfunktion bis hin zum paralytischen Ileus. Daraus resultieren u. a. verstärkte Schmerzen, verzögerte postoperative Mobilisierung und längere Klinikaufenthalte. Zwar sind diese Folgen nach laparoskopischen Eingriffen weniger ausgeprägt als nach offenen Operationen, aber sie existieren dennoch. Eine einfache Methode, um den Darm postlaparoskopisch wieder „in Schwung zu bringen“, stellt eine Gruppe aus Österreich vor.

Obstet Gynecol 2013; 122: 85–90

 

Methoden: In die randomisierte Studie wurden insgesamt 179 Frauen aufgenommen, bei denen wegen eines gutartigen gynäkologischen Befundes eine Laparoskopie anstand. Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip einer Interventionsgruppe (n = 85) bzw. einer Kontrollgruppe (n = 94) zugewiesen. In der Interventionsgruppe erhielten die Patientinnen, 2 Stunden nach dem Eingriff beginnend, einen kommerziell erhältlichen zuckerfreien Kaugummi, den sie 15 min lang kauen sollten, das wurde alle 2 Stunden wiederholt. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich die übliche Routineversorgung. Beurteilt wurden als primäre Endpunkte die Zeit bis zum ersten Flatusabgang und die Zeit bis zum Auftreten der ersten Darmgeräusche, jeweils ab dem Operationsende gerechnet. Sekundäre Endpunkte umfassten die Dauer bis zum ersten Stuhlgang, die Zufriedenheit der Patientinnen sowie postoperative Schmerzen.

Ergebnisse: Die beiden Gruppen waren im Hinblick auf Alter, Body-Mass-Index, Art des Eingriffs und Operationsdauer vergleichbar. In der Interventionsgruppe fand sich eine deutlich kürzere Zeit bis zum ersten Flatusabgang (370 vs. 483 min; p = 0,002). Ebenso waren Darmgeräusche 3 bzw. 5 Stunden postoperativ signifikant häufiger bei den Frauen hörbar (mittels Auskultation), die Kaugummi gekaut hatten: 76 bzw. 91 % gegenüber 47 bzw. 78 % in der Kontrollgruppe (p < 0,001 bzw. p = 0,01). Die Zeit bis zum ersten Stuhlgang unterschied sich dagegen nicht signifikant. Darüber hinaus benötigten die Patientinnen der Interventionsgruppe seltener Opioide (Piritramid 7,5 mg bei Schmerzpunktwerten oberhalb von 6 auf einer visuellen Analogskala von 0–10) zusätzlich zur Standard-Analgesie mit Ketoprofen 100 mg alle 8 Stunden (p = 0,02). Die Patientinnen der Studiengruppe waren hoch zufrieden mit der Intervention – 81 von 85 Frauen würden bei einem Folgeeingriff diese Option wieder wählen.

Folgerung: Kaugummikauen scheint nach laparoskopischen Eingriffen in der gynäkologischen Chirurgie die Darmfunktion schneller wieder in Gang zu bringen als das Standardvorgehen, meinen die Autoren. Dabei waren das Alter der Frauen und die Indikation des Eingriffs breit gestreut, so dass die Ergebnisse zumindest für diesen Bereich minimal-invasiver gynäkologischer Interventionen keine Verallgemeinerung zulassen. Das Verfahren könnte somit in die Routinemaßnahmen nach gynäkologisch-laparoskopischen Operationen aufgenommen werden.

Ob der positive Effekt durch den verminderte Opioidbedarf zustande kommt oder ob das Kaugummikauen die Darmbewegungen über direkte vagale und indirekte endokrinologische Wirkungen in Gang bringt, kann die Studie nicht beurteilen, fügen Husslein et al. an. Ebenso könnte der geringere Opioidbedarf aus einer geringeren Überblähung des Darms (mit entsprechend weniger Schmerzen) resultieren – ebenso aber auch aus der Ablenkung durch das Kaugummikauen, das dann quasi als Placebo-Analgetikum wirken würde.

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

 

Kommentar

Die Untersuchung stellt einen interessanten Aspekt dar, wobei die Autoren selber darauf hinweisen, dass die Studie noch lückenhaft ist, da zum Beispiel der geringere Opioidbedarf auf einer geringeren Überblähung des Darmes beruhen könne bzw. das Kauen von Kaugummi auch als mögliche Ablenkung in Frage kommt, so dass ein gewisser Placebo-Analgetika-Effekt zustande kommt. Weitere Untersuchungen sollten diese noch bestehenden Fragen klären. Ein Konzept, das sowohl das postoperative Wohlbefinden der Patientin fördern könnte als auch zur Einsparung von Kosten führen würde.

JB

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