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    Lachgas statt Infiltrationsanästhesie?

     

Lachgas für die Versorgung geburtshilflicher Traumata

Hintergrund: Bei der Naht von Dammrissen oder Dammschnitten nach einer Geburt ist derzeit die Infiltrationsanästhesie mit einem Lokalanästhetikum die am häufigsten eingesetzte Form der Analgesie. Sie ist zweifellos wirksam und sicher, bringt aber selbst ein gewisses Maß an Schmerzen für die Patientin mit sich. Darüber hinaus kann die Injektion des Lokalanästhetikums die Anatomie unübersichtlicher und die Orientierung für den Mediziner schwieriger machen. Eine Alternative könnte die – früher häufig eingesetzte – Inhalation von Lachgas sein, und die Gruppe um Sebastian Berlit hat das untersucht.

Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2013; 170: 329–332

 

Methoden: Zwischen November 2012 und Februar 2013 wurden insgesamt 100 Frauen in die prospektive, randomisierte Studie aufgenommen. Bei den Teilnehmerinnen war nach einer vaginalen Entbindung die Versorgung eines Dammrisses (mit Ausnahme IV.-gradiger Verletzungen) oder einer Episiotomie notwendig, dabei waren Frauen mit Epiduralanalgesie für die Entbindung ausgeschlossen. Die Patientinnen wurden randomisiert einer von 2 Gruppen zugewiesen:

Versorgung unter Analgesie mit einem Lachgas-Sauerstoff-Gemisch (1:1) über Maske, beginnend 5–10 min vor der Naht (Studiengruppe; n = 48) oder

Versorgung nach lokaler Infiltrationsanästhesie mit Prilocain 1 % (maximal 20 ml) (Kontrollgruppe; n = 52).

Beurteilt wurden die Schmerzen während der Versorgung anhand der Kurzform des „McGill Pain Questionnaire“ (unmittelbar nach der Versorgung), die Zufriedenheit der Patientinnen, die Notwendigkeit einer zusätzlichen Analgesie, die für die Naht benötige Zeitdauer sowie durch das Lachgas hervorgerufene unerwünschte Wirkungen.

 

Ergebnisse: Im Hinblick auf mütterliches Alter, Dauer der Schwangerschaft und Geburtsgewicht sowie Kopfumfang des Neugeborenen waren die beiden Gruppen vergleichbar. Allerdings waren in der Interventionsgruppe mehr Dammrisse II. Grades zu versorgen (46 vs. 19 % in der Kontrollgruppe; p = 0,004).

Die Auswertung zeigte keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Schmerzbeurteilung gemäß „McGill Pain Questionnaire“, weder bei den Gesamtpunktwerten noch auf den Subskalen zur Schmerzintensität und Schmerzbeschreibung. 37 Frauen in der Interventions- und 47 in der Kontrollgruppe waren zufrieden mit der Analgesie und würden sie anderen Patientinnen empfehlen. Allerdings war eine zusätzliche Schmerzbetäubung mit Prilocain bei 15 Frauen unter Lachgas-Analgesie und nur bei einer Frau unter Infiltrationsanästhesie notwendig. Unerwünschte Wirkungen der Lachgas-Verabreichung umfassten Übelkeit, Schwindel und Euphorie; bei insgesamt 21 Frauen traten keine Nebenwirkungen auf. 2 Frauen allerdings tolerierten die Maske zu keinem Zeitpunkt, 2 weitere nur vorübergehend (insgesamt 4/48; 8 %).Die für die chirurgische Versorgung benötigte Zeitdauer unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.

 

Folgerung: Die Gabe eines Lachgas-Sauerstoff-Gemisches führt zu einer wirksamen und zufriedenstellenden Analgesie bei der postpartalen Versorgung geburtshilflicher Traumen, meinen die Autoren. Die häufigere Notwendigkeit einer zusätzlichen Lokalanästhesie könnte damit zusammenhängen, dass in der Studiengruppe mehr höhergradige Verletzungen versorgt werden mussten. Allerdings war die untersuchte Patientinnengruppe relativ klein – zukünftige, größere Studien müssten diese Ergebnisse bestätigen.

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

 

Kommentar

Die zu meiner Ausbildungszeit noch sehr gebräuchliche apparativ gesteuerte Lachgas-Sauerstoff-Inhalation für die Versorgung der Episiotomie u.a. führte nicht selten zu einem Exzitationsstadium der Patientin, wenn eine zu forcierte Atmung erfolgte, weshalb die Geräte aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwandt werden durften. Weiterentwicklungen haben –wie die vorliegende Studie zeigt – erkennen lassen, dass die Lachgasinhalation als suffiziente Form der Analgesie zur Versorgung von Episiotomie bzw. Dammrissen u.a. infrage kommt. Ein Aspekt, auf den auch Dr. B. Ramsauer, Berlin, auf dem 26. Deutschen Kongress für perinatale Medizin 2013 hingewiesen hatte.

JB

 

Aus: GebFra 02/14

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