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    Können positive Langzeiteffekte tatsächlich nur dem Stillen zugeschrieben werden oder sind diese in Wahrheit auf ethnische und sozioökonomische Einflussfaktoren zurückzuführen?

     

Is breast truly best? – Langzeiteffekte des Stillens

Hintergrund: Mit dem Slogan „breast is best“ unterstreichen gesundheitspolitische Institutionen in den USA die positiven Effekte des Stillens für Mutter und Kind, die Familie und die Gesellschaft. Auch die WHO unterstützt eine ausschließliche Muttermilchernährung von Säuglingen in den ersten 6 Lebensmonaten. Muttermilch wird nicht nur als optimaler, leicht verdaulicher, die Immunabwehr stärkender und zudem kostengünstiger Nährstofflieferant gepriesen, sondern es wird sogar ein Benefit des Stillens bis ins Erwachsenenalter postuliert. Da einerseits die Rate gestillter Kinder in den USA in der weißen Bevölkerung sowie bei höherem mütterlichem Bildungsstand und höherem familiären Einkommen am größten ist und andererseits diese ethnischen und sozioökonomischen Gegebenheiten bekanntermaßen ebenfalls einen günstigen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder haben, vermuten die Autoren, dass die beobachteten Unterschiede der gesundheitlichen Entwicklung von gestillten bzw. mit der Flasche ernährten Kindern nicht nur auf die Ernährungsweise, sondern auch auf andere Einflussfaktoren zurückzuführen sind.

 

Methoden: Colen et al. untersuchen die Frage, wie die Entwicklung eines Kindes verlaufen wäre, wenn es eine andere Form der Säuglingsernährung erhalten hätte. Für diese innerfamiliären Outcome-Analysen wurden Geschwistervergleiche anhand der Daten von Kindern (4–14 Jahre) der prospektiven National Longitudinal Survey of Youth von 1979 (NLSY79) für den Zeitraum von 1986–2010 ausgewertet. Die Gesamtstichprobe umfasste 8237 Kinder aus 4071 Familien und ermöglichte die Analyse von 35 572 Personenjahren. Die „Geschwisterstichprobe“ bestand aus 7319 Kindern mit einem beurteilbaren Geschwisterkind (3153 Familien; 31 815 Personenjahre). Die „diskordante Geschwisterstichprobe“ umfasste nur diejenigen Geschwister, die als Säugling unterschiedlich ernährt worden waren (1773 Kinder aus 665 Familien; 7663 Personenjahre). Es wurden elf verschiedene, die physische Gesundheit (BMI, Übergewicht, Asthma), das Verhalten (Hyperaktivität, elterliche Anhänglichkeit, Folgsamkeit) sowie die intellektuelle Leistungsfähigkeit (Leseverständnis, Wortschatz, mathematische Begabung, Gedächtnis-basierte Intelligenz und schulische Kompetenz) betreffende Outcome-Parameter evaluiert.

 

Ergebnisse: Die gestillten Kinder erreichten in allen untersuchten Kategorien mit Ausnahme des Parameters „Asthma“ signifikant bessere Ergebnisse als die nicht gestillten Kinder (p < 0,05). Bei Berücksichtigung innerfamiliärer Einflussfaktoren durch Begrenzung der Analyse auf die Subgruppe der diskordant ernährten Geschwister schwächten sich die Unterschiede hingegen drastisch ab, und es fand sich für keinen der 11 Parameter ein statistisch signifikanter Vorteil für die gestillten gegenüber den nicht gestillten Kindern. Darüber hinaus deutete sich bei einigen Variablen sogar ein Nachteil für die gestillten Kinder an. Insbesondere resultierte aus einer längeren Stilldauer nicht notwendigerweise ein größerer gesundheitlicher Benefit. Für die Asthma-Neigung schien eine lange Stilldauer sogar mit einem schlechteren Outcome assoziiert zu sein.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Untersuchung unterstützen die These, dass ein großer Teil der dem Stillen zugeschriebenen positiven Langzeiteffekte in Wahrheit auf ethnische und sozioökonomische Einflussfaktoren zurückzuführen ist.

Dr. Christian Weber

Aus: ZGN 5/14

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