• Palpation der Mamma Thieme

    Körperliche Aktivität ist der am besten untersuchte Lifestyle-Faktor, dessen Wirksamkeit empirisch eindeutig belegt ist.

     

Mammakarzinom: Lifestyle-Faktoren

Viele Patienten sind davon überzeugt, ihre Prognose durch Veränderung ihres Lebensstils positiv beeinflussen zu können. Der behandelnde Onkologe ist häufig mit der Frage konfrontiert, was die Patientin „selbst tun“ könne, um den Krankheitsverlauf „zu verbessern“.

Der Begriff Lebensstil oder „Lifestyle“ umfasst sowohl Aspekte der Ernährung, der körperlichen und sportlichen Aktivität als auch komplementär- und alternativmedizinische Verfahren (CAM) wie Nahrungsergänzungsmitteltherapien, Misteltherapie, andere Phytotherapeutika, verschiedene Entspannungsverfahren. Ungefähr 50 % der Brustkrebspatientinnen nutzen bzw. kennen Verfahren aus dem Bereich der CAM bereits vor Erkrankungsbeginn. Im Verlauf ihrer Erkrankung setzen sich fast alle Frauen mit CAM-Verfahren auseinander.

Wissenschaftlich betrachtet lautet die spannende Frage, welche individuell potenziell modifizierbaren Lifestyle-Faktoren einen Einfluss auf die Lebensqualität der Patientinnen und / oder auf die Lebenszeit haben? Ideal wäre ein modifizierbarer Lifestyle-Faktor, der sich sowohl positiv auf die Lebensqualität als auch auf die Lebenszeit auswirkt. Nach Einschätzung von Patientinnen ist es meist schon ein Gewinn, wenn sich vor allem die Lebensqualität verbessert.

 

Evidenz für Lifestyle-Faktoren?

Wie lässt sich Evidenz zu dieser Fragestellung generieren? Die evidenzbasierte Medizin beruft sich auf randomisierte kontrollierte Studien als sicherste Methode, Wirksamkeiten von Lifestyle-Modifikationen nachzuweisen, die unter kontrollierten Bedingungen, mit definiertem Patientenklientel und über einen begrenzten Zeitraum durchgeführt werden. Der Bereich Lifestyle ist jedoch weniger dazu geeignet, randomisierte Studien durchzuführen mit Kontrollgruppen, die sich z. B. nicht körperlich betätigen oder „nicht gesund“ ernähren sollen. Auch spielen die Dauer der Intervention und die Nachbeobachtungszeit eine wichtige Rolle. Erwarten wir von einem 8-wöchigen Bewegungs- oder Ernährungskurs einen messbaren Effekt auf die Lebensqualität in 3–4 Jahren bzw. auf das Überleben in 5–10 Jahren?

Epidemiologische Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie ohne Selektion nach Ein- und Ausschlusskriterien alle Patientinnen mit ihren relevanten Einflussfaktoren (z. B. Alter, Begleiterkrankungen) berücksichtigt und ohne zeitliche Begrenzung Daten erhebt und deren Einfluss auf Lebensqualität und Lebenszeit erfasst.

 

Faktor: körperliche Aktivität

Körperliche Aktivität ist der am besten untersuchte Lifestyle-Faktor, dessen Wirksamkeit empirisch eindeutig belegt ist. Systematische Reviews konnten den Einfluss körperlicher Aktivität auf die Lebensqualität und die Lebenszeit bei Brustkrebs und anderen Erkrankungen zeigen.

Körperliche Aktivität wird als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Aktivitäten verstanden, vom Spaziergang, über Gartenarbeit bis hin zu intensivem Sport. Die von Patientinnen berichtete körperliche Aktivität wird entsprechend Umfang und Intensität in ein „metabolisches Äquivalent“ (MET) umgerechnet, um körperliche Aktivität über verschiedenste Ausprägungen vergleichbar zu machen.

Eine mittlere Bewegungsintensität und -dauer, entsprechend Laufen bei mittlerem Tempo für 3–5 Stunden / Woche, gelten als „Königsweg“. Es kann heute als etabliertes Faktum angesehen werden, dass eine an den individuellen Allgemeinzustand angepasste körperliche Aktivität die Verträglichkeit anti-tumoraler Behandlungen erhöht und die Lebensqualität deutlich verbessert.

 

Faktor: Ernährung

„Richtige Ernährung“ ist ein weiteres zentrales Thema für Brustkrebspatientinnen. In diesem Forschungsgebiet gibt es nur wenige kontrollierte Studien. Untersuchungen, die eine nachhaltige Lebensqualitätsverbesserung durch spezielle Ernährung erforschen, fehlen. Es gibt Hinweise, dass Ernährung die Verträglichkeit von Chemotherapien und somit die Lebensqualität positiv beeinflusst, z. B. durch die Linderung von Obstipation durch laxativ wirkende Nahrungsmittel.

Die Motivation zu Lifestyle-Modifikationen ist besonders zu Beginn einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung sehr hoch. Alle Maßnahmen, die die Lebensqualität verbessern, erfordern ein gewisses Maß an Disziplin und Ausdauer, um z. B. die körperliche Aktivität zu erhöhen, die Ernährung bewusst und konsequent umzustellen, Entspannungsgelegenheiten im Alltag zu fördern. Der behandelnde Arzt kann hier aufklärend und motivierend mit Bezug auf die gegenwärtige wissenschaftliche Evidenz tätig sein.

 

Dr. med. N. Marschner

Aus: Senologie 3/14

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