• Multimodale Intervention bei Kreuz- und Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

    Die manuelle Therapie ist eine Behandlungsoption bei Rücken- und Beckenschmerzen, auch bei schwangerschaftsbedingten (Symbolbild, Quelle: Corbis).

     

Multimodale Intervention bei Kreuz- und Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

Hintergrund: Bei einem Großteil der werdenden Mütter treten während der Schwangerschaft Rücken- oder Beckenschmerzen auf. Schwangerschaftsbedingte Rückenschmerzen schlagen sich erheblich in den Gesundheitskosten nieder. J.W. George et al. haben in einer Studie untersucht, ob ein multimodales, muskuloskeletales Management in graviditate besser in der Lage ist, Schmerzen, Beeinträchtigungen sowie Arbeitsunfähigkeit zu reduzieren als die übliche Standardversorgung in der Schwangerschaft.

Am J Obstet Gynecol 2013; 208: 295.e1–7

 

Methoden: An der prospektiven, randomisierten Studie nahmen 169 schwangere Frauen im Alter von 15–45 Jahren teil. Die Baseline-Evaluierungen erfolgten zwischen der 24. und 28. SSW, und das Follow-up fand in der 33. SSW statt. Ein Teil der Studienteilnehmerinnen erhielt lediglich eine übliche Standardversorgung in graviditate (n=82), während sich ein anderer Teil zusätzlich einem multimodalen, muskuloskeletalen Management in graviditate (n=87) unterzog. Letzteres beinhaltete wöchentliche Treffen mit einem Chiropraktiker, der Schulungen, eine manuelle Therapie sowie Stabilisierungsübungen durchführte. Primäre Zielparameter waren die „Numerical Rating Scale“ (NRS) für Schmerz sowie der „Quebec Disability Questionnaire“ (QDQ).

 

Ergebnisse: Bei den schwangeren Frauen, die sich dem multimodalen Management unterzogen, war während des Untersuchungszeitraums eine signifikante Abnahme bei insgesamt 7 Schmerzscores zu verzeichnen. Der NRS reduzierte sich beispielsweise von 5,8±2,2 auf 2,9±2,5 (p<0,001) und der QDQ von 4,9±2,2 auf 3,9±2,4 (p<0,001). Innerhalb der Gruppe mit Standardversorgung in graviditate stellten die Autoren zwischen der Baseline-Evaluierung und der 33. SSW keine signifikanten Verbesserungen fest, 5Schmerzscores nahmen sogar zu. Unterschiede zwischen beiden Gruppen in Bezug auf die Nutzung von Schmerzmitteln, Schlafstörungen sowie Fehlzeiten am Arbeitsplatz bestanden zu Studienbeginn nicht. Unerwünschte Ereignisse traten in keiner Studiengruppe auf.

 

Folgerung: Eine Kombination aus Schulungen, manueller Therapie und Stabilisierungsübungen reduziert Beschwerden und Arbeitsunfähigkeit bei schwangeren Frauen mit Rücken- oder Beckenschmerzen, so das Ergebnis der Studie. Schwangere, die während des Untersuchungszeitraums lediglich eine Standardversorgung in graviditate erhielten, zeigten keine signifikanten Verbesserungen.

 

Dr. Frank Lichert, Weilburg

Aus der Zeitschrift GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde

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