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Musik in der Geburtshilfe: eine Interventionsmöglichkeit zur Anspannungs-, Schmerz- und Stressreduktion

Musik kann in vielen Bereichen des Lebens das physiologische und psychische Befinden beeinflussen. Sie kann zur Erzeugung bestimmter Emotionen genutzt werden und je nach Stilrichtung Anspannung, Stimmung und kognitive Leistung beeinflussen. Besonders bei Stress wirkt sich Musik positiv auf die Verfassung der gestressten Person aus und kann sogar zur Prävention vor negativen, stressinduzierten Reaktionen genutzt werden. Diese positive Wirkung lässt sich nicht nur durch subjektive Parameter, sondern auch durch physiologische Parameter objektiv messen.

Auch im medizinischen Kontext konnte in einer Vielzahl von Studien ein positiver Effekt von einer Musikbegleittherapie während stress- und angstbeladenen operativen Eingriffen gezeigt werden. Studien aus verschiedensten Bereichen der Medizin zeigten, dass das Musikhören vor, während oder nach einer Operation angst-, stress- und schmerzreduzierend wirken und sogar den Analgetikaverbrauch verringern kann. Beispielsweise zeigten Patienten, die aufgrund von Verbrennungen stationär behandelt wurden und an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen präferierte Instrumentalmusik hörten, ein geringeres Angstlevel, empfanden Schmerzen nach der Behandlung als weniger intensiv und fühlten sich insgesamt entspannter. Eine Kontrollgruppe, die keine Musik gehört hatte, zeigte in diesen Bereichen keine Veränderungen. Zudem konnten auch angst- und stressreduzierende Effekte bei Patienten, die während Zahnwurzelbehandlungen , Kolonoskopien oder herzchirurgischen Interventionen  Musik hörten, aufgezeigt werden. Dies zeigt die Bandbreite, in der Musik im medizinischen Bereich eine positive Wirkung haben kann, um die mit Stress und Angst verbundenen Eingriffe angenehmer zu gestalten.

Die Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes sind für die werdende Mutter nicht ausschließlich mit positiven Emotionen besetzte Lebensereignisse. Die Schwangere steht vor vielen neuen Herausforderungen und besonders der Gedanke an die bevorstehende Geburt und die damit einhergehenden Veränderungen können Stress und Unbehagen erzeugen. Das Stressempfinden wiederum kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Schwangeren und des ungeborenen Kindes sowie auf den Geburtsvorgang haben. Um das Risiko dieser negativen Auswirkungen zu mindern, sind Ansätze wichtig, die der Schwangeren helfen, Stress zu minimieren.

Meist bereiten sich werdende Mütter schon vor der Geburt darauf vor, während der Wehen starke Schmerzen zu haben und diese eventuell über mehrere Stunden auszuhalten. Dies kann bereits im Voraus dazu führen, dass die Schwangere bei dem Gedanken an die Geburt Stress und Angst empfindet. Wenn sie während der Geburt zusätzlichem Stress ausgesetzt ist, kann dies beispielsweise die Laktation beeinträchtigen. Des Weiteren verstärkt Stress die Schmerzwahrnehmung. So empfinden Frauen, die während der Wehen gestresst sind oder große Angst haben, stärkere Schmerzen. Eine stärkere Schmerzwahrnehmung während der Geburt kann wiederum zu einer geringeren Geburtszufriedenheit führen, wohingegen geringere Schmerzen mit einer höheren Geburtszufriedenheit und einem insgesamt positiveren Geburtserlebnis einhergehen. Daher ist es sowohl auf physiologischer als auch auf emotionaler Ebene betrachtet wichtig, Stress und Schmerzen möglichst zu minimieren. Unter der Annahme, dass Musikbegleittherapie Schmerzen und Stress reduzieren kann, könnte Musik dabei helfen, dass die werdende Mutter sich auch während der Geburt entspannt, weniger gestresst ist, weniger Schmerzen empfindet und sowohl während als auch nach der Geburt zufriedener ist.

In den letzten Jahren wurde daher in einigen Studien untersucht, inwieweit Musik während der Schwangerschaft und der Geburt als kostengünstiges und einfaches Mittel zur Stressreduktion genutzt werden kann. In diesen Studien konnte gezeigt werden, dass Musik einen positiven Einfluss auf das Stresserleben und das Wohlbefinden der werdenden Mutter hat und so als unkompliziertes Mittel zur Stress- und Schmerzreduktion sowie zur Steigerung der Zufriedenheit genutzt werden kann. Dennoch ist es in vielen Kreißsälen heutzutage oft nicht die Regel, dass Musik im klinischen Alltag routinemäßig angeboten und eingesetzt wird. Ebenfalls variiert die Art der Musik, die in den verschiedenen Studien für Interventionen genutzt wird. Bis jetzt gibt es jedoch noch keine einheitlichen Ergebnisse, ob die Musik von der Patientin selbst ausgewählt werden sollte und welche Art von Musik in Bezug auf Genre und Tempo die bestmögliche Wirkung bei den Patientinnen erzielt. Das Ziel dieses Reviews ist es, einen Überblick über die bisherigen Befunde zu geben, welche die Wirkung und die Möglichkeiten von Musik als zusätzliche Interventionsmöglichkeit in den verschiedenen Bereichen der Geburtshilfe gezeigt haben.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Musik in der Geburtshilfe: eine Interventionsmöglichkeit zur Anspannungs-, Schmerz- und Stressreduktion

Aus der Zeitschrift: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 09/2017

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