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Mykosen und Chlamydien

Obwohl die Vulvovaginalkandidose eine gelegentliche und eher banale Erkrankung der jungen Frau zu sein scheint, kann sie schwierig zu diagnostizieren sein und im Fall von chronischen Rezidiven für die Patientin und die Ärzte zur Qual werden. Darüber hinaus werden heute mehr als 80 % aller (vermuteten) Vulvovaginalkandidosen ohne ärztliche Diagnose von der Patientin durch Kauf eines Antimykotikums mit wahrscheinlich hoher Quote von Fehldiagnosen und suboptimalen Therapieformen selbst behandelt.

In der Frauenheilkunde werden Mykosen fast immer von Candida-Arten verursacht, während zoophile Dermatophytosen (z. B. Trichophytie, Mikrosporie) von Meerschweinchen oder Katzen gerade bei Kindern und Jugendlichen, die gern mit den Tieren schmusen, auch auf der Haut des Bauch- oder Genitalbereichs vorkommen können.

Die Vulvovaginalkandidose ist eine Infektion der östrogenisierten Vagina und des Vestibulums mit gelegentlicher Ausdehnung auf die gesamte Vulva, Perianal- und Leistenregion.

Eine Vaginalkandidose tritt nicht vor der Menarche oder postmenopausal auf!

Tipp für die Praxis

Es sollte die Bezeichnung „Vulvovaginalkandidose“ (VVK) oder „Candida-albicans-Vulvovaginitis“ bevorzugt werden. Die Endung „-iasis“ sollte parasitären Infektionen vorbehalten bleiben, z. B. Trichomoniasis, sie wird aber wegen der weiten Verbreitung im angloamerikanischen Schrifttum leider häufig benutzt.

Bei mindestens 4 Erkrankungen pro Jahr sprechen wir von einer chronisch rezidivierenden Vulvovaginalkandidose (CRVVK), die bei etwa 6–9 % der Frauen mit VVK auftritt.

Mikrobiologie

85–95 % der die Vagina kolonisierenden Candida-Spezies bei adoleszenten, prämenopausalen oder schwangeren, asymptomatischen, gesunden Frauen und bei Frauen mit akuter VVK sind Candida albicans. Hingegen werden Non-albicans-Arten, besonders Candida glabrata, häufiger bei postmenopausalen, bei diabetischen und bei immunsupprimierten Frauen und Mädchen gefunden.

Genitale Kolonisation. Etwa 30 % der prämenopausalen Frauen (kulturell gemessen, mit PCR gemessen über 50 %) sind vaginal asymptomatisch von Candida kolonisiert.

Prädisponierende Wirtsfaktoren. Patientinnen mit Diabetes mellitus leiden häufiger unter einer VVK, und die Therapie versagt, solange die Serumglukosespiegel nicht normalisiert sind.

Die vaginale Candida-Kolonisation wird von oralen Kontrazeptiva mit modernen niedrigen Östrogenspiegeln vermutlich nicht erhöht.

Nach Sexualverkehr und besonders Orogenitalkontakten werden gehäuft Re-Infekte beobachtet. Nicht zuletzt sind auch genetische Faktoren für Rückfälle verantwortlich. Bei der Candida-Abwehr ist aber auch das vaginale Mikrobiom bedeutsam.

Mädchen und junge Frauen mit Atopien bzw. Neurodermitis und Typ-I-Allergien entwickeln signifikant häufiger eine VVK als andere. Die klinischen Zeichen der VVK, wie Rötung und Juckreiz, werden besonders bei Rezidiven als Ausdruck allergischer Phänomene gesehen. Auch psychosozialer Stress kann eine VVK auslösen.

Risikofaktoren einer VVK bzw. von Rezidiven 

  • Diabetes mellitus
  • Allergien (z. B. Neurodermitis, Typ-I-Allergien)
  • Sexualverkehr und Orogenitalkontakte
  • genetische Prädisposition
  • psychosozialer Stress

Neonatale Kandidosen

Gesunde reife Neugeborene, die während der vaginalen Geburt von der mütterlichen Vagina mit Candida albicans kolonisiert worden sind (rechnerisch 10–20 % je nach Sectioquote), erleiden häufig während des 1. Lebensjahrs mit einem Gipfel in der 2.–4. Lebenswoche eine Mund- und/oder Anogenitalkandidose („Mundsoor“, „Windeldermatitis“). Dabei führt die Kolonisation wegen der immunologischen Inkompetenz der Säuglinge zur Infektion. In Deutschland gibt es deshalb eine Empfehlung zur prophylaktischen Therapie der asymptomatischen Candida-Kolonisation in den letzten Wochen der Schwangerschaft. Dadurch wird die Frequenz der Candida-Besiedlung des Säuglings signifikant reduziert. Leider fehlen zu der Problematik seit über 30 Jahren weltweit moderne Studien!


Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Mykosen und Chlamydien in Gynäkologie und Geburtshilfe

Aus der Zeitschrift Frauenheilkunde up2date 5/2015

 

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