• ©photonewman – fotolia.com

    Nach Evaluation der Behandlungsoptionen beim fortgeschrittenen epithelialen Ovarialkarzinom empfehlen die Autoren die Durchführung eines primären operativen Debulking, wann immer es möglich ist.

     

Neoadjuvante Chemotherapie beim Ovarialkarzinom und Langzeit-Überleben

Hintergrund: Die etablierte Behandlung des Ovarialkarzinoms beruht auf der primär operativen Versorgung gefolgt von einer adjuvanten Chemotherapie. Der postoperativ verbliebene Residualtumor stellt hierbei den wichtigsten Prognosefaktor dar. Patientinnen mit schlechtem Allgemeinzustand oder sehr großer Tumorlast profitieren alternativ von einer neoadjuvanten Chemotherapie (NACT), da hierdurch die operative Morbidität verringert werden kann. Fagö-Olsen et al. haben die Behandlungsoptionen beim fortgeschrittenen epithelialen Ovarialkarzinom evaluiert und die Auswirkungen der verschiedenen Behandlungsstrategien auf das mediane Gesamtüberleben (MOS) sowie das operative Outcome untersucht.
Gynecol Oncol 2014; 132: 292–298

Methoden: In die retrospektive Kohortenstudie wurden alle zwischen Januar 2005 und Oktober 2011 an 5 großen dänischen gynäkologisch-onkologischen Zentren wegen primärem epithelialem Ovarialkarzinom im Stadium IIIC / IV, Tubenkarzinom oder Peritonealkarzinom behandelten Patientinnen (n = 1677) eingeschlossen. Neben den Krankengeschichten wurden die Daten des gynäkologischen Krebsregisters und des nationalen Patientenregisters ausgewertet. Die Patientinnen wurden entsprechend der durchgeführten Therapie in Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe I: primär operatives Debulking vor Chemotherapie; n = 990; 59 %,
  • Gruppe II: NACT vor geplanter Debulking- Operation; n = 515; 31 % und
  • Gruppe III: alle Patientinnen mit palliativer Chemotherapie ohne geplantes operatives Vorgehen; n = 172; 10 %.

Die mit NACT behandelten Frauen (Gruppe II) wurden zudem in Subgruppen unterteilt:

  • Gruppe IIa: mit Intervall-Debulking; n = 335/515; 65 % und
  • Gruppe IIb: ohne durchgeführtes Intervall- Debulking; n = 180/515; 35 %.

Ergebnisse: Bei den Patientinnen mit NACT und sekundärem Debulking (Gruppe IIa) fand sich im Vergleich zu den Patientinnen mit primärem Debulking häufiger ein Stadium IV sowie histologisch ein seröses Ovarialkarzinom, eine kürzere Operationsdauer, ein weniger ausgedehntes operatives Vorgehen, ein geringerer Blutverlust, weniger perioperative Komplikationen sowie signifikant häufiger kein Residualtumor. Nach einem medianen Follow-up von 21 Monaten (0–97 Monate) fanden sich 1167 Todesfälle. Das MOS in Gruppe I, II und III betrug 31,9, 23,8 und 1,5 Monate (p < 0,001). Das MOS betrug in Gruppe IIa 29,4 Monate (p = 0,099), in Gruppe IIb betrug es 14,3 Monate. Das MOS für die 352 (21 %) Patientinnen ohne Debulking-Operation (Gruppe IIb und III) betrug 6,0 Monate. Patientinnen ohne postoperativen Residualtumor hatten ein besseres MOS bei primärem Debulking im Vergleich zum sekundären Debulking nach NACT (55,5 vs. 36,7 Monate; p = 0,002). In der multivariaten Analyse zeigte sich für die Patientinnen der Gruppe IIa nach 2 Jahren Follow-up eine erhöhte Mortalität (HR 1,81; 95 %-CI 1,39– 2,35), jedoch zeigte sich keine Assoziation zwischen den Behandlungsgruppen und dem Gesamtüberleben innerhalb des 2-Jahres-Follow-ups (HR 1,05; 95 %-CI 0,85–1,30).

Folgerung: Die Studienergebnisse unterstreichen erneut die Forderung nach einer möglichst vollständigen Tumorresektion sowohl beim primär als auch beim sekundär operativen Vorgehen, da jeder Residialtumor zu einer Prognoseverschlechterung führt. Die Autoren empfehlen die Durchführung eines primären operativen Debulkings, wann immer es möglich ist, und fordern die Etablierung einer einheitlichen Therapiestrategie für Patientinnen mit Ovarialkarzinom.

Dr. C. Weber

Kommentar

Die vorliegende Untersuchung macht an einem größeren Krankengut deutlich, dass ein primäres Debulking einer neoadjuvanten Chemotherapie vorzuziehen ist. Die Autoren sprechen die Empfehlung zur Durchführung eines primären operativen Debulking aus, darüber hinaus wird erneut der prognostische Wert einer vollständigen Tumorresektion belegt.

JB

Aus: GebFra 7/14

Call to Action Icon
Kostenlos testen Hier GebFra probelesen
  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!

Wir empfehlen

Medizinische Genetik für die Praxis
Ute Moog, Olaf RießMedizinische Genetik für die Praxis

Diagnostik, Beratung, Fallbeispiele

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Palliativmedizin in der Gynäkologie
Bernhard UhlPalliativmedizin in der Gynäkologie

EUR [D] 19,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe
Bernhard UhlOP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe

Alles für den OP und die Station

EUR [D] 89,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.