• Mammakarzinom Bestrahlung

    Nutzen und Risiko des Mammografie-Screenings werden immer wieder diskutiert. Die Autoren empfehlen, abhängig vom Erkrankungsrisiko der Patientin eine Entscheidung für oder gegen die Untersuchung zu treffen.

     

Nutzen-Risiko-Bewertung des Mammografie-Screenings

Hintergrund: Mammografie-Screenings sind mit einer reduzierten Todesrate bei Brustkrebs assoziiert, aber auch mit nachteiligen Effekten. Amerikanische Leitlinien raten deshalb gerade bei jüngeren Frauen zu individuellen Entscheidungen für oder gegen ein Screening. L. E. Pace und N. L. Keating haben ein umfassendes Review mit evidenzbasierter Nutzen-Risiko-Bewertung verfasst und zogen dabei individuelle Screening-Entscheidungen sowie die informierte Kommunikation zum Risiko-Nutzen-Verhältnis mit ein.
Pace LE, Keating NL. A systematic assessment of benefits and risks to guide breast cancer screening decisions.

JAMA 2014; 311: 1327–1335

 

Methoden: Um evidenzbasierte Daten über Nutzen und Nachteile der Mammografie, individuelle Screening-Entscheidungen sowie informierte Entscheidungshilfen zu erhalten, durchsuchten die Autoren u. a. die Datenbank MEDLINE nach randomisiert kontrollierten klinischen Studien, Metaanalysen und systematischen Reviews zum Thema Brustkrebs. Als Zeitraum wählten sie die Jahre 1960–2014. Außerdem recherchierten sie manuell nach Zitationen in themenrelevanten Studien und Praxisempfehlungen. Der Evidenzgrad wurde nach den Leitlinien der American Heart Association bewertet.

Zum Thema Mammografie und Mortalität identifizierten die Autoren insgesamt 525 Artikel, davon zogen sie 20 Meta-Analysen heran. Schließlich legten sie den Fokus auf 5 Publikationen, die nach 2005 veröffentlicht wurden. Die Nachteile der Mammografie wurden anhand von Studien zu falsch-positiven Ergebnissen, unnötigen Biopsien und Überdiagnosen evaluiert (insgesamt 374 Artikel). Der individuelle Informationsgehalt zum Nutzen / Risiko der Mammografie für Frauen, die eine Mammografie in Betracht zogen, wurde anhand von Interventionen und Entscheidungshilfen untersucht (48 Artikel).

 

Ergebnisse: Das Mammografie-Screening ist beim Brustkrebs mit einer Mortalitätsreduktion um 19 % assoziiert (etwa 15 % bei Frauen in den 40ern und 32 % bei Frauen in den 60ern). Für eine Frau zwischen 40 und 50 Jahren, die sich über einen Zeitraum von 10 Jahren einer jährlichen Mammografie unterzieht, liegt das geschätzte kumulative Risiko eines falsch-positiven Befundes bei 61 %. Etwa 19 % der diagnostizierten Tumoren aus diesem Zeitraum wären demnach Überdiagnosen. Der Nutzen der Mammografie hängt sehr vom Baseline-Risiko einer Brustkrebs-Erkrankung ab, das laut Autoren bei der Screening-Entscheidungen berücksichtigt werden sollte. Entscheidungshilfen haben das Potenzial für Patientinnen, Informationen über Risiko und Nutzen der Untersuchung mit ihren eigenen Werten und Prioritäten in Verbindung zu bringen, obgleich diese Art von Unterstützung selten einen Platz in der klinischen Praxis findet.

 

Folgerung: Um den Nutzen der Mammografie zu maximieren, sollte die Entscheidung für oder gegen ihre Anwendung individuell und anhand von Erkrankungsrisiko und Prioritäten der Patientin getroffen werden, so die Autoren. Risikomodelle und Entscheidungshilfen können dabei unterstützen. Weitere Untersuchungen bezüglich Anzahl von Überdiagnosen und alternativer Screening-Methoden sind laut Meinung der Autoren notwendig.

Dr. Marion Rukavina

Aus: GebFra 10/14

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