• Patientenaufkläung - Patientin - Ärztin - Thieme Verlag

     

Aufklärung vor OP: mündlich oder schriftlich?

Hintergrund: Vor jedem operativen Eingriff ist die Aufklärung des Patienten über die beabsichtigten Maßnahmen notwendig – nur dann ist seine Einwilligung rechtswirksam. Über die medikolegalen Aspekte hinaus haben Studien außerdem gezeigt, dass Malignompatienten, die mit den ihnen gegebenen Informationen zufrieden sind, eine bessere gesundheitsbezogene Lebensqualität und geringere Grade von Angst und Depression aufweisen. Allerdings geht die Erinnerung an die Inhalte von Aufklärungsgesprächen oft schnell verloren, vor allem in der emotional angespannten Situation vor einer Operation. Möglicherweise können hier schriftliche Informationsmaterialien helfen. Eine Gruppe aus Rom hat das untersucht.


Angioli R et al. The effects of giving patients verbal or written pre-operative information in gynecologic oncology surgery [...]. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2014; 177: 67–71

Methoden: Zwischen Januar 2008 und Dezember 2012 wurden190 Patientinnen mit gesichertem Endometriumkarzinom in eine prospektiv randomisierte Studie aufgenommen. Eine Gruppe erhielt Informationen über den Eingriff, die Nachbehandlung, mögliche Komplikationen, den Verlauf nach der Operation, Schmerzen und Schmerzbehandlung sowie die Dauer des Klinikaufenthalts in einem Gespräch (mündliche Information, Gruppe M, n = 98), die 2. Gruppe bekam schriftliche Informationen, die die gleichen Themen abdeckten (Gruppe S, n = 92).


Beurteilt wurden die postoperative Schmerzstärke auf einer visuellen Analogskala (VAS) von 0–10 (0: keine Schmerzen; 10: stärkste vorstellbare Schmerzen), der Bedarf an Schmerzmitteln und die Dauer des Klinikaufenthalts. Außerdem wurde die Zufriedenheit mit den gelieferten Informationen anhand von 2 Fragebögen bewertet: dem EORTC QLQ-C30, der funktionelle Beeinträchtigungen durch Schmerzen erfragt, und dem EORTC INFO 25, in dem es um die Zufriedenheit mit den erhaltenen Informationen zur Erkrankung, zur Diagnostik, zur Therapie und zu weiteren Angeboten geht. Die Patientin bewertete auf einer 4-Punkte-Likert-Skala, wie gut oder schlecht sie sich zum jeweiligen Thema informiert fühlte.

Ergebnisse: Bei allen Patientinnen erfolgte eine Hysterektomie mit beidseitiger Salpingo-Oophorektomie und komplettem chirurgischem Staging, bei Bedarf mit zusätzlicher bilateraler pelviner und / oder paraaortaler Lymphadenektomie. Die Stärke der Schmerzen nach dem Eingriff lag bei den Frauen in Gruppe S signifikant niedriger als die der Frauen in Gruppe M, im Mittel bei 5,7 auf der VAS gegenüber 6,8, dementsprechend benötigten sie auch weniger Schmerzmittel. Im Hinblick auf die Zufriedenheit ergab sich für die Skala „allgemeiner Gesundheitszustand“ des QLQ-C30 ein besseres Ergebnis der Patientinnen in Gruppe S. Weiterhin fühlten sich laut EORTC INFO 25 die Teilnehmerinnen in dieser Gruppe besser über die Behandlung informiert, während Teilnehmerinnen in Gruppe M sich zusätzliche Informationen gewünscht hätten. Und schließlich konnten die Frauen der Gruppe S signifikant früher aus der Klinik entlassen werden: Die mittlere Dauer des Krankenhausaufenthalts betrug bei ihnen 3,47 gegenüber 4,36 Tagen in der Gruppe M.


Folgerung: Diese Ergebnisse unterstützen die Notwendigkeit schriftlicher präoperativer Informationen bei Patientinnen mit Endometriumkarzinom, meinen die Autoren. Optimalerweise wird dieses Informationsmaterial von den beteiligten Disziplinen gemeinsam zusammengestellt, da die Schwerpunkte der Aufklärung sich oft unterscheiden, etwa zwischen Operateuren und Anästhesisten. Dieses schriftliche Material sollte allerdings nicht für sich alleine stehen, sondern das eigentliche Aufklärungsgespräch vorbereiten und ergänzen.

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

aus: GebFra 11/2014, S. 964 ff

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