• Pharmakotherapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Schwangeren

     

Pharmakotherapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Schwangeren

Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen befürchten, dass sich die Therapie ihrer Erkrankung ungünstig auf die Familienplanung bzw. das werdende Kind auswirkt. Diese Sorge ist unbegründet, wenn die Therapie so gestaltet ist, dass die Krankheit in Remission ist oder in niedriger Aktivität besteht. Auch langfristig nach der Geburt zeigt eine CED-Therapie während der Schwangerschaft keine negativen Auswirkungen aufdie Entwicklung des Kindes.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) manifestieren sich am häufigsten im jungen Erwachsenenalter. In dieser Lebensphase wichtiger beruflicher und privater Entscheidungen stellt die Konfrontation mit einer potenziell langjährigen chronischen Erkrankung oft eine schwere Belastung dar. Der Wunsch nach einer Schwangerschaft (bzw. Vaterschaft) ist daher häufig von großer Unsicherheit geprägt und die Angst vieler Patienten vor einem nicht gesunden Kind ist groß. Eine aktuelle Studie ergab, dass eine mögliche Vererbung der CED, eventuelle angeborene Abnormalitäten des Kindes und die befürchtete medikationsbedingte Teratogenität die größten Sorgen der Patienten sind, die einem Kinderwunsch entgegenstehen. Demgegenüber ist die Angst vor negativen Auswirkungen der Schwangerschaft auf die eigene Krankheit deutlich geringer. Der folgende Artikel soll Argumentationshilfen für das Gespräch mit den Patientinnen und ihren Partnern bieten und insbesondere häufig gestellte Fragen um die medikamentösen Therapiemöglichkeiten während der Schwangerschaft beantworten. Diskutiert werden vor allem solche Aspekte, deren Bewertungen in den letzten Jahren einen Wandel erfahren haben.

Kann ich schwanger werden?

Diese Frage kann fast immer mit ja beantwortet werden. Es gibt nur wenige – und zumeist auch vorübergehende – Situationen, in denen CED- oder therapiespezifische Komplikationen zur Infertilität führen können. Die häufigsten Ursachen sind:

  • akuter Krankheitsschub
  • die chronische Eisenmangelanämie mit teils jahrelanger Amenorrhö (fast immer reversibel nach ausreichender Eisensubstitution)
  • ileoanale Pouchanlage (Infertilität in bis zu 60%)
  • selten: Sulfasalazin
  • selten: unbehandelte Abszesse/Fisteln im kleinen Becken
  • selten: Methotrexat-Medikation (relativierende Details siehe unten)
Infertilität ist kein CED-spezifisches Problem. Tatsache ist, dass auch bei kinderlosen Paaren ohne chronische Krankheit im Alter zwischen 20 und 30 Jahren in 10 – 20% und bei Paaren zwischen 30 und 40 Jahren in bis zu 50% eine ungewollte Kinderlosigkeit besteht. Ein wichtiger Grund bei CED-Patienten scheint die sexuelle Hypoaktivität zu sein. In einer fragebogenbasierten Studie in der vorwiegend Mitglieder der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa-Vereinigung (DCCV e. V.) befragt wurden, gaben nur 20% der Befragten eine mäßige bis hohe sexuelle Aktivität an. Es wurde herausgearbeitet, dass vor allem psychosoziale Faktoren und eine nicht selten koexistente Depression mit einer verminderten sexuellen Aktivität assoziiert sind. Krankheitsspezifische Faktoren wie die CED-Aktivität oder die Medikation waren hingegen – mit der Ausnahme eines akuten Krankheitsschubes – nicht assoziiert. Es kann daher sinnvoll sein, dieses in der Sprechstunde oft gemiedene Thema anzusprechen und die betroffenen Paare ggf. an einen Sexualmediziner zu überweisen (www.netzwerk-sexualtherapie.de).


Merke

Die Fertilität von CED-Patienten ist nur in wenigen Fällen medizinisch beeinträchtigt; niedrige Konzeptionsraten liegen manchmal auch an psychosozialen Faktoren wie einer geringen sexuellen Aktivität. 

Wann ist ein günstiger Zeitpunkt, um schwanger zu werden?

Günstig ist eine Krankheitsphase, in der schon seit einigen Monaten eine spontane oder medikamentös induzierte und/oder erhaltene Remission besteht. Mehrere Studien belegen, dass eine hohe Krankheitsaktivität zu Beginn der Schwangerschaft mit einem unerwünschten Ausgang bzw. perinatalen Komplikationen verbunden ist. Dieses Risiko ist bei Morbus Crohn höher als bei Colitis ulcerosa. Weitere Konstellationen mit einem erhöhten Risiko für einen unerwünschten Ausgang der Schwangerschaft sind z. B. die Erstmanifestation der CED in der Schwangerschaft oder der fortgesetzte Nikotinabusus von Morbus-Crohn-Patientinnen nach der Konzeption. Bei Notwendigkeit einer Hospitalisierung in der Schwangerschaft ist lediglich das Risiko einer Frühgeburt erhöht.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Pharmakotherapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen bei Schwangeren

Aus der Zeitschrift: Frauenheilkunde up2date 01/2017

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