• Palpation der Mamma Thieme

    Die adjuvante postoperative Chemotherapie bei Mammakarzinom sollte so bald wie möglich nach dem Eingriff beginnen.

     

Wann soll eine postoperative Chemotherapie bei Mammakarzinom beginnen?

Hintergrund: In frühen Stadien eines Mammakarzinoms hat sich nach der derzeitigen Datenlage die postoperative adjuvante Chemotherapie bewährt. Dabei ist in vielen Studien eine Teilnahme nur möglich, wenn die Therapie wenige Wochen nach dem Eingriff beginnt – Patientinnen mit späterer Verabreichung sind ausgeschlossen. Grundlage dafür ist die Vermutung, dass sich bei verzögertem Beginn medikamentenrefraktäre Mikrometastasen entwickeln. Damit ist derzeit unklar, ob und ggf. inwieweit eine verzögerte Gabe der Medikamente tatsächlich die Ergebnisse beeinflusst. Eine Gruppe vom „MD Anderson Cancer Center“ hat das nun untersucht.

J Clin Oncol 2014; 32: 735–744

 

Methoden: Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurden die Daten sämtlicher Patientinnen ausgewertet, die zwischen 1997 und 2011 wegen eines invasiven Mammakarzinoms Stadium I bis III (gemäß der Definition von AJCC und UICC) in ihrem Zentrum behandelt worden waren. Die Kohorte umfasste knapp 7000 Frauen (n = 6827), mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von knapp 5 Jahren (59,3 Monaten). Abhängig vom Zeitraum zwischen Operation und Beginn der adjuvanten Chemotherapie wurden sie in 3 Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Beginn bis Tag 30 (n = 2716; 39,8 %)
  • Gruppe 2: Beginn zw. Tag 31 und 60 (n = 2994; 43,8 %)
  • Gruppe 3: Beginn nach Tag 60 (n = 1117; 16,4 %)

Beurteilt wurden Gesamtüberlebenszeit, rezidivfreie Überlebenszeit sowie die Überlebenszeit ohne Fernmetastasierung unter Berücksichtigung und Aufschlüsselung des Zeitpunktes des Beginns der adjuvanten postoperativen Chemotherapie. Darüber hinaus wurden der Einfluss des Stadiums und des Rezeptorstatus ausgewertet.

Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Auswertung waren 1347 Frauen gestorben (21,0 %), bei 2135 war ein Rezidiv aufgetreten (31,3 %), und bei 1924 war es zu Fernmetastasen gekommen (28,2 %). In der Gesamtkohorte betrugen die Kaplan-Meier-Schätzungen für die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate, rezidivfreie 5-Jahres-Überlebensrate bzw. 5-Jahres-Überlebensrate ohne Fernmetastasen 84, 69 respektive 72 %.
Die 5-Jahres-Gesamtüberlebensraten in Abhängigkeit vom Begin der Chemotherapie betrugen 85, 83 und 83 % für die Frauen der Gruppe A, Gruppe B bzw. Gruppe C. Auch für die rezidivfreien Überlebensraten und die Überlebensraten ohne Fernmetastasen fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Anders sah es aus, wenn der Rezeptorstatus berücksichtigt wurde: Bei Frauen mit 3-fach negativem Status (kein Nachweis von Östrogen-, Progesteron- und HER2-Rezeptoren) lag die Schätzung für die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate bei 70 % in Gruppe 1, 59 % in Gruppe 2 und 67 % in Gruppe 3; daraus errechnete sich eine Hazard Ratio (HR) von 1,54, wenn die Chemotherapie mehr als 60 Tage nach der Operation begonnen wurde. Noch ungünstiger wirkte sich der spätere Therapiebeginn bei Frauen mit HER2-positiven Tumoren aus, die mit Trastuzumab behandelt worden waren: die HR betrug 3,09, jeweils im Vergleich zum Beginn bis Tag 30 postoperativ.

Auch bei fortgeschrittenen Tumorstadien führte der spätere Chemotherapiebeginn zu schlechteren Ergebnissen: Im Stadium III lag das Sterberisiko für die Gruppe 3 bei 1,76 gegenüber Gruppe 1. Bei Stadium II war das Risiko für Fernmetastasen erhöht (HR 1,2), nicht jedoch das Sterbe- und Lokalrezidivrisiko.

Folgerung: Die adjuvante postoperative Chemotherapie bei Mammakarzinom sollte so bald wie möglich nach dem Eingriff beginnen, meinen die Autoren. Besonders wichtig scheint das bei Frauen mit fortgeschritteneren Tumorstadien und negativem Rezeptorstatus bzw. bei HER2-positivem Status, für den ein aggressives Wachstumsverhalten bekannt ist. Die Interpretation wird eingeschränkt durch das retrospektive Design der Auswertung, fügen die Mediziner hinzu, andererseits wäre eine prospektive, randomisierte Studie mit dieser Fragestellung ethisch nicht vertretbar.

Dr. E. Ruchalla, Trossingen

Aus: GebFra 6/14

 

Kommentar

Auch wenn die vorliegende Studie aus verständlichen ethischen Gründen nicht prospektiv angelegt werden konnte, machen die vorgelegten Ergebnisse deutlich, dass der möglichst frühzeitige Beginn der adjuvanten postoperativen Chemotherapie insbesondere bei rezeptornegativem Karzinom bzw. Her2-neu-positivem Tumor von prognostischer Bedeutung ist, das heißt, dass ein frühzeitiger Beginn der adjuvanten Chemotherapie eine Verbesserung der Prognose nach sich zieht.

JB

Call to Action Icon
Kostenlos testen Hier GebFra probelesen
  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!

Wir empfehlen

Palliativmedizin in der Gynäkologie
Bernhard UhlPalliativmedizin in der Gynäkologie

EUR [D] 39,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.