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    Postpartal sind 20–30 % der Frauen von Harn- und 3–5 % von Stuhlinkontinenz betroffen. Mit Beckenboden- bzw. Blasentraining zur Vorbeugung und Therapie sind gute Behandlungsergebnisse zu erzielen. Bleiben sie langfristig bestehen?

     

Postpartale Harn- und Stuhlinkontinenz: 12-Jahres-Follow-up der konservativen Therapie

Hintergrund: Bei 20–30 % der Frauen kommt es postpartal zu Harn- und bei 3–5 % zu Stuhlinkontinenz. Die Therapie wird weiterhin kontrovers diskutiert. Studien zeigten bereits, dass mit Beckenbodentraining (BBT) bzw. Blasentraining (BT) zur Vorbeugung und Therapie der präpartal bzw. postpartal aufgetretenen Inkontinenz gute Behandlungsergebnisse zu erzielen sind. Der Follow-up reichte aber nur bis zu einem Jahr. Glazener et al. sind im Rahmen der Studie erstmals den langfristigen Ergebnissen des BBT bei Inkontinenz nachgegangen.

BJOG 2014; 121: 112–120

 

Methoden: Für die randomisiert, kontrollierte Studie wurden insgesamt 747 Frauen, die 3 Monate nach Entbindung eine Inkontinenz beklagten, rekrutiert. Sie wurden stratifiziert nach Entbindungsmodus, Parität und Frequenz der Inkontinenz . Die Studiengruppe (SG) erhielt bis 9 Monate postpartal durch geschultes Personal verstärkte, aktive konservative Behandlung zu Hause (BBT + BT), die Kontrollgruppe (KG) bekam die Regelversorgung. Über Methoden, Interventionen und Outcomes nach 1 und 6 Jahren berichteten Glazener et al. in einer vorangegangen Studie. Nun wurden die Frauen 12 Jahre nach der „Studienentbindung“ zusätzlich mittels Fragebogen per Post kontaktiert. Primärer Endpunkt war die Prävalenz von Harninkontinenz 12 Jahre nach Randomisierung. Sekundäre Endpunkte beinhalteten die Fortführung des BBT, Stuhlinkontinenz und Prolaps, eruiert anhand des „Pelvic Organ Prolaps Symptom Score“ (POP-SS). Eine Subgruppe von 35 % der Frauen, die diesen Fragebogen beantwortete, wurde ärztlich untersucht.

 

Ergebnisse: Von den 747 rekrutierten Frauen standen der Studie nach einem Jahr noch 524 (70,1 %) zur Verfügung, nach 6 Jahren waren es noch 516 (69,1 %) und nach 12 Jahren 471 (63,1 %). In den meisten Fällen hatten die Frauen insgesamt 2 Kinder entbunden (n = 236, 50 %). Der Entbindungsmodus aller Geburten (einschließlich der Geburten außerhalb der Studie) verteilte sich folgendermaßen: 53,9 % der Fälle (n = 254) haben ausschließlich spontan entbunden, 4,2 % (n = 20) ausschließlich per Sectio, 33,3 % (n = 157) hatten mindestens eine vaginal operative Entbindung und alle weiteren (8,5 %, n = 40) eine Mischung von Spontanpartus und Sectio caesarea. Unabhängig von der Schwere der Inkontinenz bei Studienbeginn, blieben im 12-Jahres-Follow-up die signifikanten Verbesserungen, die 1 Jahr nach Intervention in der SG nachgewiesen wurden, nicht bestehen. Zwischen den Gruppen wurden im Ausmaß der Prolaps-Symptome oder des objektiv gemessenen Prolaps keine Unterschiede gefunden. Die Motivation zur Durchführung des BBT / BT in der SG war interventionsbedingt kurzfristig hoch (83 vs. 55 %). Sie sank deutlich im 12-Jahres-Follow-up (52 vs. 49 %). Womöglich hätte die Wirkung durch eine langfristigere oder konstantere Verstärkung und / oder, wenn auf Beckenboden spezialisierte Physiotherapeuten diese Intervention durchgeführt hätten, länger angehalten.

 

Folgerung: Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die moderaten kurzfristigen Ergebnisse einer von Pflegepersonal angeleiteten, konservativen Behandlung der postpartalen Harninkontinenz nicht über einen längeren Zeitraum anhalten. Ca. 4 / 5 der Patientinnen mit postpartaler Harninkontinenz klagen 12 Jahre nach Entbindung weiter über die Symptomatik. Es besteht somit die Notwendigkeit, eine konservative Behandlungsstrategie für postpartale Harn- und Stuhlinkontinenz zu finden, die langfristige Erfolge bringt und diese anhand einer, randomisiert kontrollierten Studie mit langjährigem Follow-up zu testen, so die Autoren.

Dr. A. Habedank

Aus: GebFra 7/14

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