• Rauchen während der Schwangerschaft

Rauchen während der Schwangerschaft

Rauchen während der Schwangerschaft ist ein wesentlicher Risikofaktor für eine intrauterine Wachstumsrestriktion. Ziel der vorgestellten Thüringer SGA-(small-for-gestational-age)-Studie ist es, den Einfluss des Nikotinkonsums während der Schwangerschaft auf Geburtsgewicht und -größe sowie die postnatale Wachstumsdynamik und das Aufholwachstum von SGA-Kindern zu untersuchen.

Eine intrauterine Wachstumsrestriktion (IUWR) kann heute mithilfe der Möglichkeiten der pränatalen Ultraschalldiagnostik anhand populationsbasierter Perzentilenkurven des fetalen Wachstums mit großer Zuverlässigkeit frühzeitig festgestellt werden.

Im Gegensatz zu den diagnostischen Möglichkeiten sind die einer vorgeburtlichen Therapie nach wie vor eingeschränkt, sodass diese Kinder intrauterin ungünstigen Entwicklungsbedingungen ausgesetzt sind, die zu einer pränatalen Fehlprogrammierung fetaler Regulationssysteme führen und auch als SGA – (small-for-gestational-age) Kinder zur Welt kommen.

Von wesentlicher Bedeutung sind deshalb Risikofaktoren, welche zu einer intrauterinen Wachstumsrestriktion führen und deren Prävention. Rauchen während der Schwangerschaft stellt einen der wichtigsten Risikofaktoren dar, der mit bis zu 40% der Fälle von Wachstumsrestriktion assoziiert ist.

Bislang liegen jedoch keine Untersuchungen vor, die das Wachstumsverhalten nach der Geburt dieser Kinder beschreiben. Ziel unserer Studie ist daher den Einfluss von Rauchen während der Schwangerschaft nicht nur auf das intrauterine Wachstum, sondern auch die postnatale Entwicklung der wachstumsretardiert geborenen Kinder zu untersuchen.

Patienten und Methoden

Anhand der perinatologischen Basiserhebungsbögen der Universitätsfrauenklinik Jena und der Frauenklinik Gera wurden alle Lebendgeborenen der Geburtenjahrgänge 1992–2002 mit einer intrauterinen Wachstumsrestriktion ermittelt. Die Kategorisierung erfolgte anhand der tragzeitbezogenen Perzentilenkurven für Geburtsgewicht und Geburtslänge in Mitteleuropa nach Voigt. Eingeschlossen wurden alle lebend geborenen Kinder aus einer Einlingsschwangerschaft mit einem Geburtsgewicht (GG) unterhalb der 10. Perzentile und/oder einer Geburtslänge (GL) kleiner als 2 Standardabweichungen unter der Norm. Ausschlusskriterium war ein mütterlicher Kleinwuchs (Körpergröße <145 cm) sowie eine nicht-kaukasische Ethnizität.

2 447 der 23 321 durchsuchten Datensätze erfüllten diese Kriterien. Die Eltern von 383 schwer wachstumsretardiert geborenen Kindern mit einem GG und/oder einer GL ≤ − 2,5 SDS (standard deviation score, SDS=(Istgröße – altersgemäße Sollgröße)/altersgemäße Standardabweichung, Referenz nach Lawrence et al.) wurde angeschrieben und um Angabe der aktuellen Größe, des aktuellen Gewichts ihres Kindes sowie ihrer eigenen Körpergrößen gebeten. Letztendlich erhielten wir aktuelle Angaben von 108 Kindern (Alter 8,0±3,4 Jahre). Mithilfe der Größe sowie dem Zeitpunkt der jeweiligen Messung wurden die Kinder den aktuellen Wachstumskurven nach Hesse et al. zugeordnet und die aktuelle Größe in Einheiten der Standardabweichung (SDS) berechnet.

Die Datenanalyse und statistische Auswertung wurde mit dem Programm SPSS mittels Linearer Korrelationsanalyse, Levene-Test, t-Test n. Student bzw. Welch-Test durchgeführt.

Ergebnisse

Von 1992 bis 2002 wurden in der Universitätsfrauenklinik Jena und der Frauenklinik Gera 23 321 Kinder geboren, darunter 2 447 lebend geborene SGA-Kinder mit Geburtsmaßen kleiner der 10. Perzentile. Deren prozentualer Anteil von 10,5% entspricht der deutschen Gesamtpopulation. 383 Kinder (1,6%) waren schwer wachstumsretardiert <2 SDS. Der Anteil der SGA-Geburten bezogen auf alle Geburten hat von 1992 mit 14,1% bis 2002 mit 9,4% abgenommen. Im SGA-Kollektiv war die Geschlechtsverteilung ausgeglichen (50,1% Mädchen, 49,9% Jungen), während in der Gruppe der schwer wachstumsretardierten Kinder 214 Mädchen (55,9%) gegenüber 169 Jungen (44,1%) dominierten. Die Schwangerschaftsdauer betrug in der SGA-Gruppe im Mittel 39,2±2,1 SSW [24–44 SSW] und bei den schwer retardierten Kindern 38,2±2,1 SSW [29–42 SSW]. Der Anteil der Frühgeborenen lag in der SGA-Gruppe bei 14,0% und bei den schwer wachstumsretardierten SGA-Kindern bei 29,0%.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Rauchen während der Schwangerschaft – Risiko für intrauterine Wachstumsrestriktion und bleibende Kleinwüchsigkeit

Aus der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie 2/2012

Quelle

Buchtipps

Klinikstandards in der Geburtsmedizin
Corinna Susanne BryanKlinikstandards in der Geburtsmedizin

EUR [D] 129,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe
Regine Gätje, Christine Eberle, Christoph Scholz, Marion Lübke, Christine SolbachKurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe

EUR [D] 29,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.