• Schwangere Frau und Hebamme

    Grundsätzlich sollten alle Frauen vor einer relevant gonadotoxischen Therapie bis zum Alter von 35–40 Jahren auf die Möglichkeit einer fertilitätsprotektiven Therapie angesprochen werden.

     

Schwangerschaft und Krebserkrankung – Teil 3. Kinderwunsch bei Krebspatientinnen – Beratungs- und Therapiestandards

Steigende Überlebensraten bei Krebserkrankungen und ein zunehmendes Bewusstsein für die Lebensqualität nach einer Krebserkrankung haben die zuvor wenig beachtete Thematik der Fertilität und Schwangerschaft nach einer Krebserkrankung zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Unterstützt wird diese begrüßenswerte Entwicklung durch große Fortschritte in der Reproduktionsmedizin. Dadurch können Patientinnen inzwischen Maßnahmen angeboten werden, die eine realistische Chance auf den Erhalt der Fertilität auch nach einer gonadotoxischen Therapie geben. Dieser Beitrag stellt die derzeit relevanten fertilitätsprotektiven Techniken vor.

 

Effekte von Chemo- und Strahlentherapie auf die Fertilität

Die Auswirkungen der Strahlentherapie auf die Ovarien sind abhängig von der Dosis und dem Alter der Patientin. Die Toxizität der Strahlung variiert je nach Zellzyklus, sodass Oozyten in kleinen Primordialfollikeln sensibler auf eine Bestrahlung reagieren als Oozyten in größeren Follikeln. Folgende altersabhängige Dosen wurden berechnet, die zu einem sofortigen und permanenten Eierstockversagen bei 97,5 % der Patientinnen führen würde:

  • 20,3 Gy bei der Geburt,
  • 18,4 Gy im Alter von 10 Jahren,
  • 16,5 Gy im Alter von 20 Jahren,
  • 14,3 Gy im Alter von 30 Jahren.

Bei Männern führt eine Radiatio mit ca. 10 Gy in den meisten Fällen zu einer Sterilität. Eine fraktionierte Bestrahlung scheint Spermatogonien stärker zu schädigen.

Im Gegensatz zu einer Radiatio, bei welcher das Risiko für eine Schädigung der Ovarien relativ gut abgeschätzt werden kann, ist eine Risikokalkulation bei Chemotherapien durch die Verwendung unterschiedlicher Therapeutika sehr schwierig. Eine grobe Abschätzung ist nur in Kenntnis der Datenlage der einzelnen Chemotherapie-Schemata und der individuellen Ovarialreserve möglich, die der Gynäkologe sonografisch in Kombination mit der Konzentration des Anti-Müller-Hormons grob abschätzen kann. Das ABVD-Chemotherapie-Schema scheint beim Hodgkin-Lymphom bei Frauen nur wenig ovartoxisch und erfordert keine ovarialprotektive Maßnahmen, wogegen Chemotherapien mit Alkylanzien und Knochenmarktransplantationen auch bei jungen Frauen ein sehr hohes Risiko für einen kompletten ovariellen Funktionsverlust aufweisen.

 

Fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Männern

Bei Männern ist die beste therapeutische Option die Kryokonservierung von Spermien. Sie ist einfach und relativ preisgünstig durchzuführen und ermöglicht hohe Schwangerschaftsraten, ist allerdings erst im postpubertären Alter möglich. Können keine Spermien gewonnen werden, kann auch Hodengewebe entnommen und konserviert werden. Mit den Spermien aus Hodengewebe ist jedoch eine In-vitro-Fertilisation erforderlich. Die Kryokonservierung von Spermien ist eine Selbstzahlerleistung und kostet wenige Hundert Euro einmalig für die Konservierung und wenige Hundert Euro jährlich für die Lagerung. Bei präpubertären Knaben kann Hodengewebe entnommen und die Spermatogonien isoliert und konserviert werden. Später wird dieses Gewebe in die Hodenkanälchen injiziert. Diese Technik ist jedoch noch experimentell und funktioniert bisher nur im Tiermodell.

 

Fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Frauen

Fertilitätsprotektive Maßnahmen sind bei Frauen im Alter von max. 35–40 Jahre in Abhängigkeit von der onkologischen Therapie und dem verfügbaren Zeitfenster möglich ([Abb. 1]).

 

Zu [Abb. 1] und dem ausführlichen Artikel

Aus: GebFra 2/14

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