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Schwangerschaft und mütterliche Chemotherapie – Nebenwirkungen für das Kind?

Malignome in der Schwangerschaft sind seltene Ereignisse, die Inzidenz ist derzeit jedoch ansteigend. Wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Erfahrungen bei der Therapie schwangerer Frauen mit Malignomen stammen aus retrospektiven Fallserien. Auswirkungen auf das (un-)geborene Kind sind bislang wenig untersucht. Wir stellen ein in utero gegenüber Cytarabin exponiertes Frühgeborenes mit schwerem respiratorischem Krankheitsverlauf vor.

Die Kindsmutter war eine 31-jährige V Gravida, IV Para mit Erstdiagnose einer AML im 2. Trimenon. Nach Induktions-Chemotherapie mit Cytarabin und Daunorubicin (niedrigdosiertes Cytarabin mit 100 mg/m2 Körperoberfläche) ab 23 + 2 SSW wurde bei refraktärer AML die Indikation einer sog. Salvage-Therapie mit Hochdosis-Cytarabin und Mitoxantron in Vorbereitung auf eine Stammzelltransplantation gestellt. Aufgrund der zu erwartenden Toxizität wurde bei 27 + 5 SSW nach abgeschlossener Lungenreifungsinduktion eine primäre Sectio caesarea durchgeführt.

In der Erstversorgung (Nabelschnur-pH 7,30, Apgar-Score 6/9/9) wurde das Kind (Geburtsgewicht 950 g, P 25) bei klinisch ausgeprägtem Atemnotsyndrom (ANS) intubiert und erhielt einmalig Surfactant intratracheal. Extubationsversuche am 5., 7. und 17. Lebenstag (LT) auf binasale CPAP-Atemhilfe scheiterten jeweils aufgrund steigender FiO2 und Dyspnoe bei massiver pulmonaler Sekretproduktion. Am 23. LT gelang nach Dexamethasontherapie über 11 Tage die erfolgreiche Extubation auf binasale CPAP-Atemhilfe. Das Weaning von der binasalen CPAP-Atemhilfe war am 53. LT (35 + 0 SSW) erfolgreich. Bis zum 68. LT (37 + 1 SSW) bestand noch eine FiO2 > 0,21 über eine Sauerstoffbrille im Sinne einer moderaten bronchopulmonalen Dysplasie (BPD). Röntgenologisch zeigten sich wiederholt flächige bipulmonale Eintrübungen im Rahmen des ausgeprägten ANS.

Infektiologische Ursachen der respiratorischen Symptomatik wurden mehrfach ausgeschlossen (allgemeine Mikrobiologie, respiratorische Viren, Ureaplasmen, Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen, Mykobakterien, Aspergillen, Pneumocystis, Pilze). Ein hämodynamisch relevanter persistierender Ductus arteriosus wurde bis zum 5. LT erfolgreich medikamentös mit Ibuprofen behandelt. Klinisch und laborchemisch zeigte sich kein Anhalt für eine Nierenfunktionsstörung. Es wurden Proben von Trachealsekret, die vor und unter Dexamethasontherapie gewonnen wurden, hinsichtlich ihres Eiweißgehaltes als Hinweis auf potenzielle Schrankenstörung der alveolärkapillären Membran untersucht. Es ergab sich kein aussagekräftiger Befund. Ein bioptisches bzw. histopathologisches Präparat wurde nicht entnommen. Des Weiteren lagen bei Geburt eine milde konnatale Anämie (transfusionspflichtig am 4. LT) sowie Leukopenie (spontan reversibel) vor. In der entwicklungsneurologischen Nachsorgeuntersuchung zeigte das Kind eine altersentsprechende Entwicklung, insbesondere ohne Hinweise auf spezifische Folgeerscheinungen der intrauterinen Exposition gegenüber o. g. Chemotherapeutika.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Schwangerschaft und mütterliche Chemotherapie – Nebenwirkungen für das Kind?

Aus der Zeitschrift: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 11/2019

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