• Sectio vor 50 Jahren

     

Verfahren in der Geburtshilfe. Die Sectio als Ausnahme – Geburtshilfe vor 50 Jahren (1965)

„Bis Ende der 50er Jahre war die Geburtshilfe noch überwiegend von geburtsmechanischem Denken bestimmt. Die Sectio wurde nur bei absoluter Unvermeidbarkeit als ultima ratio akzeptiert. Hinter dem Ziel der Spontangeburt um jeden Preis traten andere Gesichtspunkte zurück, wie Geburtsdauer, Belastung der Kreißenden oder potentielle Gefahren für das Kind. Für letztere gab es ohnehin nur wenige Kriterien […]. In den 60er Jahren setzte dann eine Revolution im geburtshilflichen Denken und Handeln ein […]“, so charakterisiert Schmidt-Matthiesen 1988 in seinen Lebenserinnerungen die Geburtshilfe der 1950er- und frühen 1960er-Jahre in Deutschland. Dazu ergänzend Bickenbach in seiner Eröffnungsrede im Oktober 1964 auf dem 35. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: „[…] Der Geburtshelfer hat bei allen Überlegungen und Handlungen seit jeher an zwei Menschenleben zu denken, an die Mutter und das Kind. In der Vergangenheit ist daraus nicht selten eine Konkurrenz der Pflichten geworden, die oft zu Ungunsten des Kindes entschieden wurde und zum Verlust des Kindes führte. Die heutige Geburtshilfe ist nur noch selten vor derartige Entscheidungen gestellt […]“.

Vor 1965, vor 50 Jahren, kamen zu Zeiten des sog. Babybooms in beiden Teilen Deutschland zusammen insgesamt 1,325 Mio. Kinder zur Welt und damit fast doppelt so viele wie derzeit. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 715 000 Kinder lebend geboren. 2015 wird, im Vergleich zum Vorjahr, eine noch etwas höhere Geburtenrate aufgrund des derzeit relativ hohen Anteils von Frauen zwischen 28 und 35 Jahren und der steigenden Zuwandererzahlen erwartet. Die Geburtshilfe hat sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend verändert. Nicht nur, dass sie zur Geburts- bzw. Perinatalmedizin geworden ist und sich in ihrer Zielrichtung verändert hat, trug dazu bei, sondern auch gesellschaftliche, soziale und medizinische Entwicklungen. Derzeit werden national und international vor allem die weltweit steigenden Sectioraten und deren Folgen diskutiert.

Fast immer lohnt ein Blick in die Vergangenheit, um aktuelle Entwicklungen besser einordnen und (selbstkritisch) fachlich bewerten zu können.

Wir stellen nachfolgend einige Perinataldaten aus dem Jahr 1965 vor und zeigen, welche Ergebnisqualität die Geburtshilfe in Ost- und West-Deutschland vor 50 Jahren erreicht hatte. Dazu verglichen wir exemplarisch die Daten der Charité-Frauenklinik (damals Tucholskystraße, Berlin-Hauptstadt der DDR) und der Universitätsfrauenklinik der Freien Universität Berlin (damals Pulsstraße, West-Berlin). Die Auswertung beruht auf dem 1966 veröffentlichen „Jahresbericht 1965“ der Universitätsfrauenklinik „Pulsstraße“ und einer im Juli 2015 im Archiv der Berliner Humboldt-Universität durchgeführten Handauswertung der beiden Charité-Geburtenbücher des Jahres 1965. Die Universitätsfrauenklinik der Charité stand damals unter dem Direktorat von Helmut Kraatz, die Frauenklinik der Freien Universität wurde von Herbert Lax geleitet. Lax wurde von Robert Schröder (Leipzig) und Walter Stoeckel beeinflusst, während Kraatz „reiner“ Stoeckel-Schüler war.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Verfahren in der Geburtshilfe. Die Sectio als Ausnahme – Geburtshilfe vor 50 Jahren (1965)

Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 10/2015

 

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