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Selbstakupressur bei Menstruationsschmerzen per App

Die primäre Dysmenorrhö ist die gynäkologische Erkrankung, unter der Frauen im reproduktiven Alter am häufigsten leiden. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und orale Antikonzeptiva sind zwar als wirksame Behandlung etabliert, bei ca. 20 – 25% der Betroffenen sind diese Medikamente jedoch aufgrund unerwünschter Wirkungen oder mangelnder Wirksamkeit nicht einsetzbar. Mindestens für diese Gruppe von Frauen wäre deshalb eine evidenzbasierte, nicht medikamentöse Therapie wünschenswert, idealerweise zur einfachen Selbstanwendung.

Eine solche Möglichkeit könnte die Behandlung mittels Akupressur sein. Bei dieser komplementärmedizinischen Methode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin werden bestimmte Punkte entlang von sogenannten Meridianen mit Druck behandelt, was sich z. B. bei postoperativer Übelkeit als wirksam erwiesen hat. Jeder Punkt wird mit dem Daumen etwa eine Minute lang mit mittlerem Druck kreisförmig massiert.

„mHealth“ wird künftig eine immer größere Rolle bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten spielen. Dazu zählen insbesondere App-basierte Gesundheitsangebote. Eine App könnte ein probates Mittel sein, um Frauen in der Selbstbehandlung anzuleiten und zu motivieren. In Deutschland benutzen 96% der Frauen im Alter von 14 bis 50 Jahren ein Smartphone. Bereits jetzt gibt es über 300 000 gesundheits- oder krankheitsbezogene Apps. Apps, die beispielsweise beim Rauchstopp oder zur Gewichtskontrolle helfen, können das Gesundheitsverhalten nachweislich positiv beeinflussen.

Die Studienlage

Der Einsatz der Akupressur bei primärer Dysmenorrhö wurde bisher erst in wenigen Studien untersucht. Dort diente die Selbstanwendung jedoch meist als Ergänzung zur Behandlung durch einen Therapeuten. Obschon positive Effekte nachweisbar waren, ist die Evidenz bisher unklar, weil die Studien methodische Schwächen hatten. Zu diesem Fazit kommt beispielsweise ein Cochrane Review zur „Akupunktur bei Dysmenorrhö“, der auch mehrere Studien zur Akupressur umfasst. So unterschieden sich beispielsweise die Teilnehmerinnen, die bei diesen Studien vorzeitig ausschieden, von jenen, die bis zum Studienende teilnahmen.

In Deutschland wurde eine 2-armige randomisierte-kontrollierte Studie durchgeführt, um herauszufinden, ob die App-basierte Selbstakupressur bei Frauen mit primärer Dysmenorrhö sinnvoll ist. Diese Studie wurde publiziert. Die Teilnehmerinnen in dieser Studie wurden in 2 Gruppen randomisiert. Die Behandlungs- und Beobachtungsdauer betrug 6 Monatszyklen.

Eingeschlossen wurden Frauen im Alter von 18 bis 34 Jahren mit Dysmenorrhö gemäß Selbsteinschätzung (krampfartige Schmerzen bei jedem Menstruationszyklus), ohne Hinweis auf andere zugrunde liegende gynäkologische Erkrankungen und mit einem Smartphone. Die Schmerzintensität während der letzten Periode musste mindestens 6 auf einer Skala von 0 bis 10 betragen haben.

Beide Gruppen erhielten die sogenannte App zum Herunterladen auf ihr Smartphone. Die App beinhaltete die Studienfragebögen und ein Menstruationstagebuch. Bei der Interventionsgruppe enthielt die App überdies spezifische Anleitungen zur Akupressur und entsprechende Features. Dabei handelte es sich um die Punkte SP6 (Sanyinjiao), LI4 (Hegu) und LR3 (Taichong) auf beiden Körperseiten.

Beginnend ab dem 5. Tag vor der erwarteten Menstruation erinnerte die App die Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe jeden Mittag an die Akupressurbehandlung, die an den 5 Tagen davor und während der Menstruation mindestens 1-mal täglich durchgeführt werden sollte.

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aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 11/2020

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