• Sexualstörungen können durch unbewusste Partnerkonflikte entstehen oder sie entstehen lassen.

     

Sexualstörungen bei Frauen betreffen meist Libido und Orgasmusfähigkeit

Sexuelle Dysfunktionen spielen eine wichtige Rolle in der gynäkologischen Praxis. Die Ursachen sind meist multifaktoriell und sowohl körperlicher als auch psychischer Natur. Störungen des sexuellen Erlebens bei Frauen können die Libido, die Orgasmusfähigkeit oder die intravaginale Kohabitationsfähigkeit betreffen.

Die Häufigkeit von sexuellen Funktionsstörungen bei der Frau liegt bei 25 bis 63 %. Dabei handelt es sich meist um Libido- und Orgasmusstörungen. Etwa 5 % der Frauen geben an, noch nie einen Orgasmus erlebt zu haben. Weiterhin betreffen die Störungen die sexuelle Erregung, und ein Teil der Frauen klagt über Dyspareunie und Vaginismus.

 

Orgasmusstörungen und Libidoverlust oft psychogen

Organische Ursachen einer Sexualstörung lassen sich anhand von körperlichen und labortechnischen Untersuchungen meist schnell feststellen. Häufig sind allerdings nicht-organische Probleme der Patientin die Ursache für Libido- und Orgasmusstörungen, zum Beispiel:

 

  • unbewusste Partnerkonflikte
  • partnerbezogene psychische Hemmungen
  • psychosexuelle Traumata (z.B. sexueller Missbrauch in der Kindheit/Jugend)
  • unterbewusste Angst vor ungewollter Schwangerschaft
  • Angst vor Kohabitationsschmerzen durch Verletzungen
  • Entwicklungsstörungen in der ödipalen Phase oder der Pubertät (z.B. infantile Sexualvorstellungen)

 

Auch psychische oder neurologische Erkrankungen wie Depressionen sind bei der Diagnose von sexuellen Dysfunktionen bei Frauen wichtig.

 

Einteilung von Orgasmus und Orgasmusstörungen

Hinsichtlich Störungen der weiblichen Orgasmusfähigkeit ist der sexuelle Reaktionszyklus der Frau, eingeteilt nach Masters und Johnson, in vier Phasen zu beachten:

 

  1. Erregungsphase
  2. Plateauphase
  3. Orgasmusphase
  4. Resolutionsphase

 

Liegt eine gestörte Orgasmusfähigkeit vor, erreichen betroffene Frauen meist nur die Plateauphase. Eine Orgasmusstörung liegt vor, wenn der Orgasmus nach einer normalen sexuellen Erregungsphase nicht oder nur stark verzögert eintritt. Dabei werden Orgasmusstörungen nach ICD-10: F52 unterschieden:

 

  • primär: kein Orgasmus
  • sekundär: zeitlich verzögerter Orgasmus
  • generell: Störungen in allen Situationen mit jedem Partner
  • situativ: in bestimmten Situationen oder mit bestimmtem Partner keine Störung

 

Ein Libidomangel bzw. Libidoverlust hat meist keine primär körperliche Ursache. Die Libido ist besonders störanfällig für Einflüsse wie Belastung, Stress und Partnerschaftsprobleme oder Erkrankungen wie Depressionen.

 

Therapiemöglichkeiten in Gespräch und Praxis

Da viele sexuelle Dysfunktionen psychisch bedingt sind, ist in vielen Fällen eine Psychotherapie oder verhaltenstherapeutische Sexualberatung als Einzel- bzw. Paartherapie sinnvoll. Dabei sind zum Beispiel zugrunde liegende Konflikte und Ängste in der Partnerschaft der Patientin aufzuklären. Negative Gefühle wie Angst und Scham gegenüber der Sexualität sollen in der Therapie abgebaut werden.

 

Bewährt hat sich eine konfliktzentrierte Gesprächspsychotherapie. Diese Therapie ergründet die partnerschaftlichen Konflikte, die oftmals für sexuelle Störungen verantwortlich sind. Das Aussprechen von Problemen durch die Patientin spielt hier eine wichtige Rolle. Ziel ist die Stärkung ihres Selbstbewusstseins.

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