• Kollaps, Schwangerschaft, SOP, Herz-Kreislauf-Stillstand, Notfallmaßnahmen, Prävention, Therapie, Gynäkologie, Geburtshilfe

     

SOP Mütterlicher Kollaps – Prävention und Erstmaßnahmen

Die vorliegende Standard Operating Procedure (SOP) soll helfen, Frauen mit einem erhöhten Risiko für mütterlichen Kollaps oder Kreislaufstillstand zu identifizieren. Die Initial- und weiterführenden Behandlungsschritte werden ebenso aufgezeigt wie Präventivmaßnahmen.

Mütterlicher Kollaps ist ein akutes Ereignis mit Beteiligung des kardiorespiratorischen Systems und/oder des Gehirns und führt zu einem verminderten oder fehlenden Bewusstsein in der Schwangerschaft oder im Wochenbett. Es handelt sich um ein seltenes Ereignis: Die Inzidenz liegt zwischen 14 und 600/100 000 Geburten. Dennoch kann es Ausdruck einer lebensbedrohlichen Erkrankung sein. Die maternale Sterblichkeitsrate liegt in Europa bei 16 von 100 000 Lebendgeburten. Die mütterlichen und fetalen Outcomes sind von der „Chain of Survival – Überlebenskette“ abhängig:

  • Prävention und rasches Erkennen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes
  • Hilfe rufen
  • frühe und effektive Reanimation
  • früher Einsatz automatischer Defibrillatoren
  • effiziente Ursachensuche
  • Einleitung entsprechender Therapiemaßnahmen

Die vorliegende Leitlinie geht nicht auf vasovagale Ereignisse oder Bewusstseinsstörungen im Zusammenhang mit epileptischen Anfällen ein.

Physiologische und anatomische Veränderungen in der Schwangerschaft

Die schwangere Frau unterliegt einer Vielzahl von physiologischen und anatomischen Veränderungen, die die Entwicklung eines Kollapses begünstigen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass diese Veränderungen dem Reanimationsteam bewusst sind.

Atemwege

Die Lungenfunktion ist verändert, zusätzlich erschwert ein Diaphragmahochstand die Atmung. Der durch die Schwangerschaft erhöhte Sauerstoffverbrauch begünstigt die Entwicklung einer Hypoxie.

Herz-Kreislauf-System

Mütterliche kardiovaskuläre Veränderungen und Anämie begünstigen die Kollapsneigung und fördern einen schnellen Blutverlust.

Andere Faktoren

Aortokavale Kompression: verursacht durch Gebärmuttervergrößerung

Mageninhaltaspiration: durch reduzierte gastrische Motilität und relaxierten Speiseröhrensphinkter

Erschwerte Intubation und Beatmung: durch Gewichtszunahme und Blutvolumenzunahme

Allgemeine Ursachen des Kollapses

Die reversiblen Ursachen des Kollapses lassen sich einteilen in 4 H- und 4 K-Ursachen.

4 H-Ursachen:

  • Hypoxie
  • Hypovolämie
  • Hypo-/Hyperkaliämie
  • Hypothermie

4 T-Ursachen:

  • Thromboembolien (Fruchtwasserembolie, Lungenembolie, Luftembolie, Myokardinfarkt)
  • Toxizität (lokale Anästhesie, Magnesium, andere)
  • Tamponade/Perikarderguss
  • Tension durch Spannungspneumothorax/Trauma


Spezielle Ursachen des Kollapses

Präexistente Erkrankungen und/oder schwangerschaftsspezifische Komplikationen erhöhen das Kollapsrisiko:

  • kardiovaskuläre Erkrankungen (Hauptursachen: Myokardinfarkt, Aortendissektion, Kardiomyopathie)
  • Eklampsie und Präeklampsie
  • intrakranielle Blutungen
  • vasovagale Ursachen
  • Anaphylaxie
  • Sepsis
  • Hypoglykämie


Präventive Maßnahmen

Die schwangeren Patienten sollten in leichter Linksseitenlage von 15 – 30 Grad gelagert werden, um eine aortokavale Kompression zu vermeiden.

Zur Risikoeinschätzung und -eingrenzung wird der geburtshilfliche Frühwarnungsscore MEOWS empfohlen. Unterscores bewerten dabei Vitalparameter und den neurologischen Zustand.

  • Temperatur
  • systolischer Blutdruck
  • diastolischer Blutdruck
  • Puls
  • Atemfrequenz
  • Urinproduktion

erste grob orientierende Einschätzung der Bewusstseinslage bzw. des neurologischen Zustandes unter Nutzung des AVPU-Scores. Bei erhöhtem oder hohem Kollapsrisiko sind entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: SOP Mütterlicher Kollaps – Prävention und Erstmaßnahmen

Aus der Zeitschrift: Frauenheilkunde up2date 06/2017

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