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    Der Multi-Biomarker-Test in Kombination mit der klinischen Beurteilung führt zur besten Erkennung von Frühstadien eines Ovarialkarzinoms.

     

Neues Testverfahren zur Frühdiagnose des Ovarialkarzinoms

Hintergrund: Die Diagnose eines Ovarialkarzinoms im Frühstadium (I und II nach FIGO) ist problematisch, da im Allgemeinen nur unspezifische Symptome vorliegen. Leitlinien sollen den Ärzten in der Primärversorgung Hilfestellung geben, welche Frauen mit unklarer Raumforderung im kleinen Becken zur weiteren Diagnostik besser direkt an ein gynäkologisch-onkologisches operatives Zentrum überwiesen werden sollte; sie sind aber vor allem in fortgeschritteneren Malignomstadien aussagekräftig. Führt ein kommerziell erhältlicher Test, der eine Kombination verschiedener Biomarker im Blut untersucht, zu besseren Ergebnissen? Eine Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern des Herstellers und mehrerer US-amerikanischer Zentren stellt Daten dazu vor.

Am J Obstet Gynecol 2014; 210: e1–e9

 

Methoden: In 44 Zentren in den USA wurden in 2 prospektiven Studien insgesamt 1016 Frauen aufgenommen. Bei den Patientinnen lag ein in der Bildgebung (CT; MRT, Sonografie) gesicherter, unklarer Adnextumor vor, der zur diagnostischen Laparotomie vorgesehen war. Bei ihnen wurde der Biomarker-Test (OVA1TM) eingesetzt, der die Konzentrationen von CA125, Transferrin, Thyroxin-bindendem Präalbumin, Apolipoprotein A1 und Beta-2-Mikroglobulin bestimmt. Anschließend wurde er im Hinblick auf die Genauigkeit einer Malignomdiagnose mit der klinischen Einschätzung des erstbehandelnden Arztes (Malignom ja / nein), der alleinigen Messung der CA125-Konzentration im Serum (erhöht / nicht erhöht) und den Leitlinienkriterien des „American Congress of Obstetricians and Gynecologists“ (ACOG) verglichen. Diese Leitlinien berücksichtigen die CA125-Konzentration, das Vorliegen eines Aszites, das Vorhandensein von Fernmetastasen und bei postmenopausalen Frauen zusätzlich eine noduläre oder fixierte Raumforderung im kleinen Becken. Als Referenzstandard wurde das endgültige durch Operation gesicherte Ergebnis herangezogen.

 

Ergebnisse: Bei 86 der 1016 Frauen (8,5%) wurde bei der Laparotomie ein Ovarialkarzinom im Frühstadium diagnostiziert, davon ein Stadium I bei 61 Frauen und ein Stadium II bei 25 Frauen. Dabei war ein epitheliales Malignom der häufigste histologische Typ (n = 79), nicht-epitheliale Tumoren lagen bei 7 Frauen vor. Für die Diagnose dieser Frühstadien wies der kombinierte Biomarker-Test zusammen mit der klinischen Einschätzung eine Sensitivität von 95,3% auf, gegenüber 68,6 % bei der alleinigen klinischen Beurteilung. Für den alleinigen Einsatz der CA125-Konzentration zur Diagnose betrug die Sensitivität 62,8 % und für die Leitlinien 76,7%.

Dabei identifizierte der Kombi-Test 85 % der Frühkarzinome, die der klinischen Einschätzung entgangen waren, 78 % der Frühkarzinome, die der CA125-gestützten Diagnose entgangen waren, und 65 % der Frühkarzinome, die den Leitlinienkriterien entgangen waren. Demgegenüber standen 3 Tumoren, die der Biomarker-Test nicht erkannte, jedoch die klinische Einschätzung. CA125 und Leitlinien fanden keinen Tumor, den der Biomarker-Test nicht erkannt hätte. Die gute Aussagekraft des Tests blieb auch bestehen, wenn die Patientinnen nach Menopausenstatus stratifiziert wurden.

 

Folgerung: Der Multi-Biomarker-Test in Kombination mit der klinischen Beurteilung führt zur besten Erkennung von Frühstadien eines Ovarialkarzinoms, meinen die Autoren, und ist anderen Verfahren deutlich überlegen. Möglicherweise kann er zukünftig helfen, dass dieser Tumor mit seiner vor allem in den Spätstadien schlechten Prognose früher erkannt wird, die Patientinnen an geeignete Spezialisten überwiesen und mit neuen Therapieoptionen besser behandelt werden können.

Dr. E. Ruchalla, Trossingen

 

Kommentar

Die vorgelegten Untersuchungsergebnisse eröffnen möglicherweise eine neue Perspektive der Frühdiagnostik, allerdings ist zu bedenken, dass nur bei 86 der 1016 Frauen, d. h. bei 8,5 % ein Ovarialkarzinom im Frühstadium diagnostiziert wurde. Für eine abschließende Empfehlung des Testverfahrens erscheinen diese Zahlen nicht ausreichend.

JB

 

Aus: GebFra 5/14

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