• Traumatische Geburt

     

Traumatische Geburtsverläufe: Erkennen und Vermeiden

Insbesondere sexuelle aber auch körperliche oder emotionale Gewalterfahrungen in der Biografie oder Gegenwart stellen einen Hochrisikofaktor für pathologische Schwangerschafts- und Geburtsverläufe mit Entwicklung von Traumafolgestörungen nach der Geburt sowie eine erschwerte Mutter-Kind-Bindung dar. Eine Geburt kann aber auch primär traumatisch erlebt werden, ohne dass es vorher Traumaerfahrungen gab. Schwierige und traumatisch erlebte Geburtsverläufe beeinträchtigen auch Geburtshelfer. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über Prävalenz und Risikofaktoren einer traumatisch erlebten Geburt sowie Verläufe, Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten.

Etwa 20% der Geburten werden von den Frauen traumatisch erlebt, 10% zeigen in den ersten Wochen nach der Geburt eine traumatische Stressreaktion. Bei etwa 3% entwickelt sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach der Geburt, in Hochrisikogruppen bei 15,7%. 

Zum Verlauf von traumatisch erlebten Geburten gibt es noch wenige Daten. Etwa 44% der Frauen zeigen innerhalb von 10 Monaten eine Spontanremission. Wesentlich aufrechterhaltender Faktor scheint schlechter Schlaf zu sein.

Ausgewählte Risikofaktoren

Häusliche Gewalt
Die Lebenszeitprävalenz für Gewalterfahrung beträgt weltweit 15–71%, in Europa 9–23%. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ermittelte, dass etwa 37% aller Frauen in Deutschland mindestens einmal körperliche Gewalt und 13% der Frauen mindestens einmal sexuelle Gewalt erlebt haben. In 30 bis 60% der Fälle war die Gewalt nicht nur gegen die Partnerin, sondern auch gegen Kind(er) gerichtet, bei 10% der betroffenen Frauen begann die Gewalt in der Schwangerschaft; bei 20% unmittelbar nach der Geburt.
Körperliche, sexuelle oder emotionale Gewalt in der Schwangerschaft kann ausgeprägte Folgen auf die mütterliche, fetale und kindliche Gesundheit haben und sich körperlich und emotional bzw. sozial auswirken.

Geburtsangst
Etwa 6 bis 10% aller schwangeren Frauen leiden unter klinisch bedeutsamer Geburtsangst, wobei Erstgebärende häufiger als Mehrfachgebärende betroffen sind. Bei den betroffenen Frauen stellt die Geburtsangst häufig die dominierende Emotion während der Schwangerschaft dar und kann damit den Alltag der Frauen wesentlich (negativ) beeinflussen. Auch Geburtspräferenzen können davon geprägt sein. In der Tat haben mehrere Studien gezeigt, dass dem mütterlichen Wunsch nach einem elektiven Kaiserschnitt oft eine starke Geburtsangst zugrunde liegt. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen Geburtsangst und der Verwendung von Epiduralanästhesie.
Geburtsangst wird auch als wichtiger Risikofaktor für ein traumatisches Geburtserleben beschrieben, bspw. bei Frauen, bei denen eine Diskrepanz zwischen der Geburtspräferenz und dem tatsächlichen Geburtsmodus besteht. Hier kann eine Verletzung der persönlichen Integrität eine Traumatisierung zur Folge haben. Darüber hinaus wird das allgemeine Geburtserleben durch Geburtsangst erheblich negativ beeinflusst, was wiederum für eine Traumatisierung prädisponiert. Folglich ist die Geburtsangst relevant für die primäre Prävention traumatischen Geburtserlebens.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Traumatische Geburtsverläufe: Erkennen und Vermeiden

Aus der Zeitschrift Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie 5/2018

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