• Schwierige Patientin

    Einige Patientinnen sind schwierig im Umgang und benötigen viel Einfühlungsvermögen.

     

Umgang mit der „schwierigen Patientin“

Täglich besuchen die unterschiedlichsten Typen von Patientinnen eine gynäkologische Praxis oder Klinik. Manche könnte man dabei in verschiedener Hinsicht, und besonders im Umgang, als „schwierig“ bezeichnen. Doch warum verhalten sie sich so und wie geht man mit ihnen um?

Was macht die „schwierige Patientin“ aus? Nicht unbedingt der Fall der Patientin selbst ist schwierig, sondern ihre Art und ihr Verhalten.

 

Die „schwierige Patientin“ 

  • hat ein übermäßiges Informationsbedürfnis und fragt viel
  • passt sich nicht an, reagiert unerwartet oder unüblich
  • lehnt Untersuchungen und Behandlungsvorschläge ab
  • hat eine überkritische Grundhaltung
  • kritisiert Ärzte und Personal, sowie Praxis und Krankenhaus
  • erscheint misstrauisch und uneinsichtig
  • verhält sich aggressiv und ist undankbar
  • ist schlecht motivierbar und wenig compliant
  • neigt dazu, zu hohe Anforderungen an die Zuwendung des Teams zu stellen

Kurz gesagt, löst die schwierige Patientin durch Art und Verhalten innere Widerstände aus, hemmt den Betrieb in Krankenhaus und Praxis, frustriert Ärzte und Personal und kostet jede Menge Zeit. Sie ist also ein Extremfall der unangenehmen und unbeliebten Patientin – das genaue Gegenteil der „Idealpatientin“, wobei in anderen Indikationen natürlich auch Männer schwierige Patienten sein können.

 

Warum sind Patientinnen manchmal schwierig?

Einige Menschen kommen nur sehr schwer mit Veränderungen zurecht. Dazu gehören neben Arbeitslosigkeit, partnerschaftlichen Problemen oder anderen Schicksalsschlägen auch Krankheiten. Oft reichen bei anfälligen Personen schon kleine Veränderungen in der Praxis aus, um eine unangenehme Reaktion hervorzurufen – beispielsweise ein Personalwechsel. Die betroffenen Patientinnen versuchen dann, ihre Gefühle durch Unhöflichkeit oder sogar Aggression zu kompensieren.

Der einfachste Ansatz wäre davon auszugehen, dass schwierige Patientinnen eine primär pathologisch strukturierte Persönlichkeit haben. Doch dieser Grundsatz trifft wahrscheinlich nur auf einen kleinen Teil zu. Aufschlussreich könnte hier die Fremdanamnese sein – verhält sich die Person nur als Kranker problematisch oder gilt er im Alltag allgemein als schwierig?

 

Weitere Gründe können ebenfalls sein:

  • hohes aber begründetes Informationsbedürfnis
  • primär kritische Grundhaltung
  • krankheitsspezifische Einflüsse (lange Krankengeschichte, Extremsituationen)
  • Ausdruck einer anderen Störung (Depression, Alkohol, Drogen)
  • egoistische Einstellung
  • überzogene Anspruchshaltung

Eine „schwierige Patientin“ zu sein, sollte daher eher als Symptom und nicht als lästige Störung im Praxisalltag gesehen werden. Nur so kann es gelingen, auch diese Art von Patientinnen zufriedenzustellen.

 

Die vier Gruppen

Die Einteilung des „schwierigen Patienten“ beziehungsweise der „schwierigen Patientin“ durch den amerikanischen Psychologen Groves zeigt vier Gruppen auf:

 

Die Abhängigen (dependent clingers)

Die abhängigen Kranken zeichnen sich durch ein scheinbar unstillbares Verlangen nach Aufmerksamkeit aus, das bis zu extremem Bitten um Zuwendung und Präsenz gehen kann. Hierzu gehören auch die sogenannten „Dauerredner“. Hinter dieser Patientengruppe stehen oft Vernachlässigungs- und Trennungsängste.

 

Die Forderer (entitled demanders)

Die Forderer halten daran fest, dass sie nicht die bestmögliche ihnen zustehende Behandlung und Beachtung durch Arzt und Pflegepersonal erhalten. Durch Falschaussagen, gerichtliche Androhungen oder Nichtbezahlen von Rechnungen versuchen sie, entsprechenden Druck auszuüben. Dahinter steht oft eine Wertlosigkeitsangst der Patientinnen.

 

Die Ablehner (manipulative help rejectors)

Die Ablehner konfrontieren den Arzt immer mit neuen Symptomen, sodass sich immer mehr Arztbesuche, Untersuchungen, Behandlungen oder auch Operationen aneinanderreihen. Man kann die Ablehner nicht einfach in die Gruppe der „Hypochonder“ stecken, da ihr Verhalten auf der Angst basiert, den Kontakt zum behandelnden Arzt zu verlieren. Ursache sind oft Störungen der psychischen Entwicklung durch häufige Wechsel von Bezugspersonen.

 

Die Selbstdestruktiven (self-destructive deniers)

Die selbstdestruktiven Patientinnen haben meist ihre Hoffnung aufgegeben, dass ihre Lebenswünsche erfüllt werden. In der Selbstzerstörung sehen sie den einzigen Weg zur Selbstbehauptung. Viele dieser Patientinnen wurden in der Kindheit misshandelt und projizieren ihre Vernichtungswünsche auf die Ärzte. Sie lösen aggressive Reaktionen aus und erschweren die Behandlung oft erheblich.

Seit einigen Jahren kommt eine weitere Gruppe von möglicherweise schwierigen Patientinnen und Patienten hinzu: die Überinformierten. Dieser Typ hat sich im Vorfeld – vor allem durch das Internet – über Krankheiten, Behandlungen und Untersuchungen intensiv informiert, kann diese Informationen aber nicht richtig deuten. Er konfrontiert den Arzt häufig mit Fragen, falschem Wissen und seiner eigenen Verwirrung.

 

Was kann man tun?

Voraussetzung ist zunächst, die möglichen Gründe für das Verhalten der Patientin zu analysieren. Einige Wege können den Umgang mit der schwierigen Patientin erfolgreich machen:

  • wertfreies Akzeptieren
  • unvoreingenommene Analyse von Wünschen und Kritik
  • Angstabbau (Angst ist einer der häufigsten Gründe)
  • zuvorkommender und höflicher Umgangston
  • deutliche Empathie zeigen (positive Grundeinstellung)
  • Situationen entspannen (Metakommunikation)

Damit die schwierige Patientin nicht schwierig bleibt, ist der Grundsatz wichtig, die „Schwierigkeit“ als Symptom zu verstehen. Denn einem Symptom liegen möglicherweise Ursachen zugrunde, die ein Arzt beseitigen kann.

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