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    Der erste Geschlechtsverkehr wird in immer jüngerem Alter vollzogen. Sexualverkehr vor dem 16. Lebensjahr ist neben dem Konsum harter Drogen der am stärksten mit ungewollten Schwangerschaften assoziierte Faktor.

     

Ungeplante Schwangerschaften in Großbritannien

Hintergrund: Ungeplante Schwangerschaften zeigen häufiger ungünstige Verläufe als geplante Schwangerschaften. Die betroffenen Frauen haben eine erhöhte Interruptiorate sowie ein höheres Risiko für geburtshilfliche Komplikationen und neigen häufiger zu Depressionen sowie Partnerschaftskonflikten. Die Kinder haben ein niedrigeres Geburtsgewicht, eine schlechtere psychische und körperliche Verfassung und schneiden in kognitiven Tests schlechter ab. Ein Hauptziel gesundheitspolitischer Maßnahmen ist die Verhinderung ungeplanter Konzeptionen. Zur Entwicklung präventiver Ansätze ist die Evaluation der Prävalenz ungeplanter Schwangerschaften sowie die Identifikation von Risikofaktoren unabdingbar.

Lancet 2013; 382: 1807–1816

 

Methoden: Die Autoren werteten die Daten des dritten britischen „National Survey of Sexual Attitudes and Lifestyles“ (Natsal-3) aus. An dieser Umfrage nahmen zwischen September 2010 und August 2012 15 162 Frauen und Männer im Alter von 16–74 Jahren teil und beantworteten unter anderem Fragen zu Sexualität und Kontrazeption, Familienverhältnissen, Drogenkonsum sowie depressiven Erkrankungen. Auch demografische Daten über den Bildungsstand, den sozioökonomischen Status sowie das Arbeits- und Lebensumfeld wurden erhoben. In die Schwangerschaftsanalyse wurden 5686 Frauen im gebärfähigen Alter (16–44 Jahre) eingeschlossen, die mit Hilfe eines psychometrisch validierten Tests (London Measure of Unplanned Pregnancy; LMUP) befragt wurden. Wellings et al. beschreiben die Verteilung der jährlichen Prävalenz geplanter und ungeplanter Schwangerschaften sowie assoziierter Faktoren und setzen die Ergebnisse in den Kontext langfristiger reproduktiver Trends.

 

Ergebnisse: 591 (9,7 %) der Frauen im gebärfähigen Alter waren im Jahr vor der Befragung schwanger gewesen. 16,2 % der Schwangerschaften wurden als ungeplant, 29,0 % als ambivalent und 54,8 % als geplant identifiziert. Hierdurch ergab sich eine Schätzung für die jährliche Prävalenz ungeplanter Schwangerschaften von 1,5 % (95 %-KI 1,2–1,9). Die niedrigste Rate ungeplanter Schwangerschaften fand sich im Alter von 25–29 Jahren. Bei den 16-19-Jährigen waren die Schwangerschaften meist ungeplant. In der Altersgruppe der 20-34-Jährigen traten jedoch 2 Drittel aller ungeplanten Schwangerschaften auf. Stark mit einer ungeplanten Schwangerschaft assoziierte Faktoren waren erster Sexualverkehr vor dem Alter von 16 Jahren (Alters-adjustierte OR 2,85; 95 %-KI 1,77–4,57), Rauchen (2,47; 1,46–4,18), Konsum harter Drogen (3,41; 1,64–7,11), niedriger Bildungsstand, Mangel an sexueller Kompetenz beim ersten Geschlechtsverkehr (1,90; 1,14–3,08), häufiger Sexualverkehr (2,11; 1,25–3,57), nicht-schulische Quelle der sexuellen Edukation (1,84; 1,12–3,00) sowie aktuelle Depression (1,96; 1,10–3,47).

 

Folgerung: Aufgrund des immer jüngeren Alters beim ersten Geschlechtsverkehr bei gleichzeitiger Zunahme des Alters bei der ersten Entbindung benötigen britische Frauen durchschnittlich während 30 Jahren ihres Lebens eine sichere Verhütung zur Vermeidung ungeplanter Schwangerschaften. Die in der Studie gefundenen Einflussfaktoren bieten Ansatzpunkte für präventive Interventionen. Die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung ungeplanter Schwangerschaften sehen die Autoren in der Verbesserung von Bildung und Erwerbstätigkeit und fordern eine frühe schulische Sexualaufklärung. Um das Outcome ungeplanter Schwangerschaften zu verbessern, seien zudem sekundärpräventive Maßnahmen wie Veränderungen des Gesundheitsverhaltens notwendig.

Dr. C. Weber, Künzell

 

Kommentar

Die Gründe für eine ungeplante Schwangerschaft sind noch vielfältiger als in der vorliegenden, schon umfangreichen Untersuchung berücksichtigt, so zum Beispiel die bereits abgeschlossene Familienplanung, eine ursprünglich geplante Schwangerschaft war infolge akut veränderter Lebensumstände ungewollt geworden, ungewollte Schwangerschaft nach Sexualdelikt, trotz gravierender Gesundheitsprobleme eingetretene ungeplante Schwangerschaft, um nur einige Aspekte zusätzlich zu nennen. Die Schlussfolgerungen der Autoren zu den wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung ungeplanter Schwangerschaften sind unter dem Aspekt der vielfältigen Gründe für eine ungeplante Schwangerschaft „mager“ ausgefallen.

Prof. Dr. J.Baltzer, Krefeld

Aus: GebFra 04/14

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