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    Der Terminus „vulvovaginale Atrophie“ bei postmenopausalen Frauen berücksichtigt zu wenig die Vielfalt an heterogenen Beschwerden, die damit assoziiert sind.

     

Endokrinologie. Urogenitales Menopause-Syndrom mehr beachten

Der Terminus „vulvovaginale Atrophie“ bei postmenopausalen Frauen berücksichtigt zu wenig die Vielfalt an heterogenen Beschwerden, die damit assoziiert sind. Daher wurde 2014 in Chicago von einem internationalen Expertenteam eine Konsensuskonferenz der Nordamerikanischen Menopause-Gesellschaft einberufen. Der neue Terminus lautet nun „Urogenitales Menopausen-Syndrom“. Diese Bezeichnung ist medizinisch umfassender. Größere gesellschaftliche Akzeptanz wird davon erwartet. Immerhin leidet etwa die Hälfte der Frauen ab der Menopause an diesem Syndrom, aber nur wenige bekommen adäquate Therapie – so die internationale Expertenkommission.

Um für deutsche Frauen in dieser hormonellen Lebensphase therapeutische Verbesserungen zu erreichen, wurde der folgende Beitrag verfasst.

Gefördert und ergänzt werden soll damit klinisches Urteilsvermögen, das den Besonderheiten der Patientensituation gerecht wird. Dies fordert aktuell ein Beitrag zu evidenzbasierter Medizin (Deutsches Ärzteblatt Heft 4 vom 23.1.2015 von O. Leiß C110–112): „Die Qualität der klinischen Betreuung allein an der Befolgung von Leitlinien festmachen zu wollen, ist falsch und wird dem individuellen Patienten nicht gerecht“. Das Urogenitale Atrophie-Syndrom ist dafür ein Paradebeispiel.

 

Zur Anatomie und Physiologie der Vaginalwand

Die Vaginalwand ist mit 3 mm relativ dünn. Die Oberfläche, ein mehrschichtiges, nicht verhornendes Plattenepithel, zeigt nur ganz wenig Präkeratinbildung. Die Oberfläche ist reich an Glykogen und arm an Drüsen, enthält aber reichhaltig elastische Fasern. Dieses Epithel befindet sich in einem ständigen Umbauprozess, der bei Frauen im fertilen Alter abhängig von den Östrogen- und Progesteronkonzentrationen ist. Fallen diese hormonellen Faktoren ab der Menopause weg, so fehlt an der Vaginaloberfläche Glykogen, das als Nährboden für Döderlein-Bakterien dient. Wird mangels Bakterien keine Milchsäure mehr produziert, verändert sich das saure Milieu (pH-Wert: 4–4,5) in Richtung neutral – und damit geht der Schutz vor Infektionen verloren.

 

Zum klinischen Bild vaginaler Atrophie

Das Östrogendefizit im Vaginaltrakt zeigt sich bereits in der Vulvaregion mit dünner Haut und abnehmendem Turgor der großen Labien. Die vaginalen Falten verstreichen, die Scheidenhaut erscheint damit „glatt“, trocken, dünner und „durchscheinend“. Damit wird das direkt unter der Oberfläche liegende Venengeflecht sichtbar. Bereits bei der Spekulumeinstellung kann es zu leichten Verletzungen kommen. Kolposkopisch sind oft Petechien erkennbar.

Der vaginale Reifungsindex als lokaler Östrogenstatus ist erniedrigt. Dieser ergibt sich aus dem Anteil von Oberflächenzellen in Relation zu den intermediären und parabasalen Zellen. Insbesondere letztere nehmen unter Östrogenmangel deutlich zu.

 

Studiendaten aus Deutschland

In einer Doppelblindstudie wurde mit Scheidenpessaren behandelt, die kontinuierlich 0,2 mg oder 0,03 mg Östriol bzw. ein Placebo abgaben. 436 postmenopausale Frauen mit vaginaler Atrophie wurden erfasst. Diese mussten mindestens ein Symptom haben, das auf einer visuellen Analog-Skala (VAS) (1–100 Punkte) über 65 eingestuft wurde. Dies wurde als deutliche Beschwerdeproblematik bewertet. Erfragt wurden die subjektiv am meisten belastenden Symptome (MBS = most bothersome symptoms). Angestrebt wurden 3 Therapieziele:

  1. Der vaginale Maturationsindex (VMI) unter 40 % sollte deutlich angehoben werden.
  2. Der Vaginal-pH sollte wieder in den Normbereich (4–4,5) abgesenkt werden.
  3. Der MBS sollte von > 65 auf Werte deutlich darunter (< 35) abfallen.

All dies sollte innerhalb von 12 Wochen lokaler Therapie erreicht werden. Bei den so selektierten Frauen mit Beschwerden zwischen 65 und 100 Punkten hinsichtlich MBS bzw. auf der VAS-Skala lag die Beschwerde-Intensität der Frauen im Mittel bei 80 Punkten.

Durch die lokale Östrogentherapie wurde im Mittel eine Reduktion um 50 Punkte erreicht, in der Placebogruppe nur um 27 Punkte. Damit lag die Beschwerde-Intensität dieser Frauen oft noch im Bereich um 65 und mehr Punkte, unter Placebo wurde das Therapieziel somit nicht erreicht.

Diese rationale Erfassung des Therapieergebnisses mag eventuell nicht überzeugen. Wurden die Frauen nach 12 Wochen über den Therapieerfolg gefragt, so wurde dieser von 85 % der Patientinnen, die 0,2 mg Östriol vaginal pro Tag erhalten hatten, als sehr gut und gut eingestuft, sowie von 80 % der Frauen, die 0,03 mg Östriol vaginal pro Tag verabreicht bekommen hatten sowie von 45 % Frauen, die Placebo erhalten hatten.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel Urogenitales Menopause-Syndrom mehr beachten

Aus der Zeitschrift GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde

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