• Veränderungen des Beckenbodens

Veränderungen des Beckenbodens während und nach der Schwangerschaft

Eine Beckenbodeninsuffizienz betrifft etwa die Hälfte aller Frauen ab dem 50. Lebensjahr. Angesichts dieser Zahl erscheint es umso wichtiger, den Ursachen dafür auf den Grund zu gehen – so werden vor allem Schwangerschaften und vaginale Entbindungen damit in Zusammenhang gebracht. Es gibt aber bislang nur wenige longitudinale Untersuchungen zu den Veränderungen der Beckenorgane während und nach einer Schwangerschaft. Norwegische Forscher haben sich jetzt damit befasst.

Methode: Insgesamt 300 Frauen mit einer ersten Schwangerschaft wurden von Januar 2010 – Oktober 2012 während des 2. Trimesters in die prospektive Kohortenstudie aufgenommen. Die Teilnehmerinnen wurden mit der Pelvic Organ Prolapse Quantification (POP-Q) in der 21. und 37. Schwangerschaftswoche (SSW) sowie 6 Wochen, 6 Monate und 1 Jahr nach der Geburt untersucht und die Veränderungen im Verlauf dokumentiert. Dabei wurde zunächst SSW 21 als Ausgangspunkt definiert und zu diesem Zeitpunkt alle 9 POP-Q-Variablen bestimmt, daraus berechneten die Wissenschaftler dann die Häufigkeit eines POP-Q-Stadiums 2 oder höher. Zur Beurteilung longitudinaler Veränderungen und zum Vergleich zwischen vaginaler und Schnittentbindung zogen sie dann 5 dieser Variablen heran (Ba, C, Bp, Gh und Pb), wobei Ba, C und Bp als repräsentativ für das anteriore, das mittlere und das posteriore vaginale Kompartiment betrachtet wurden.

Ergebnisse: Die Prävalenz eines POP-Q-Stadiums 2 war relativ gering und lag zu den verschiedenen Untersuchungszeitpunkten zwischen 0 und 10%, die Stadien 3 und 4 kamen nicht vor. Insgesamt 178 Frauen konnten über den gesamten Studienzeitraum bis 12 Monate postpartal nachuntersucht werden. Dabei fand sich in SSW 21–37 eine Kranialverlagerung der vaginalen Punkte mit Ausnahme von Ba, während sich die perinealen Parameter Gh und Pb verlängerten. Zwischen der 37. SSW und Woche 6 postpartal verschoben sich alle vaginalen Punkte wieder nach kaudal, Gh veränderte sich nicht, und Pb wurde kürzer. Bis Monat 6 postpartal verlagerten sich das anteriore und mittlere vaginale Kompartiment nach kranial, das posteriore Kompartiment veränderte seine Lage nicht, Gh und Pb wurden kürzer. Bis Monat 12 traten dann keine relevanten Veränderungen mehr auf. Dabei waren 6 Wochen nach der Geburt bei den Frauen, die vaginal entbunden hatten (n = 143 zu Studienende), das anteriore und das mittlere vaginale Kompartiment weiter kaudal gelegen als bei den Frauen nach Sectio (n = 35 zu Studienende), und bei allen postpartalen Untersuchungen war Gh nach vaginaler Geburt länger. Im Hinblick auf das POP-Q-Stadium hatten sich alle vaginalen Variablen nach 12 Monaten auf den Status der 21. SSW zurückgebildet, mit Ausnahme der Zervix, die in der Gruppe der Frauen mit vaginaler Entbindung weiter kaudal lag. Gh hatte nach vaginaler Geburt wieder den Ausgangswert erreicht und war in der Sectiogruppe geringer als in Woche 21, während Pb in beiden Gruppen deutlich kürzer geworden war. Ein Stadium 2 fand sich 12 Monate nach der Geburt bei 4 Frauen.

Folgerung: Die verschiedenen in der POP-Q-Skala beurteilten Punkte verändern ihre Lage zwar während der Schwangerschaft, fassen die Autoren zusammen, aber ein manifester Prolaps vom Stadium 2 bleibt eine Seltenheit, höhere Stadien traten bei den hier Untersuchten überhaupt nicht auf. Darüber hinaus bildeten sich fast alle Veränderungen nach der Geburt wieder zurück, die Art der Entbindung spielte dabei keine wesentliche Rolle. Einschränkend gilt allerdings, dass echte Ausgangswerte für die einzelnen Variablen vor der Schwangerschaft nicht verfügbar waren, sodass die Werte Mitte des 2. Trimesters herangezogen wurden – Veränderungen, die vor diesem Zeitpunkt stattgefunden hatten, wurden also nicht berücksichtigt.


Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde; Veränderungen des Beckenbodens während und nach der Schwangerschaft; Elke Ruchalla

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Quelle

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