• Verzögerte Krebsdiagnose und höheres Sterberisiko durch Brustimplantate

    Brustimplantate erschweren die Mammografie

     

Verzögerte Krebsdiagnose und höheres Sterberisiko durch Brustimplantate

Allein in Deutschland lassen sich jährlich etwa 15.000 bis 20.000 Frauen die Brüste vergrößern. Die Mammaaugmentation ist aber nicht nur mit OP-Risiken verbunden, sondern betrifft auch die ärztliche Diagnostik. Neueste Daten und die klinische Erfahrung zeigen, dass die Mammografie-Überwachung bei Frauen mit Brustimplantaten zusätzlich erschwert ist.

Erschwerte Mammografie

Brustimplantate erschweren die Diagnostik bei der Mammografie. Je nach Größe, Beschaffenheit und Lage der Implantate ist die nötige Kompression für eine Untersuchung teilweise oder komplett eingeschränkt. Das Füllmaterial wirft zudem einen Strahlenschatten auf das Brustgewebe und kann somit frühe Stadien eines Mammakarzinoms verdecken. Besonders häufig ist dies bei subglandulär eingesetzten Implantaten der Fall. Auch Kontrakturen, welche sich bei einigen Frauen in der Umgebung des Implantats entwickeln, setzen die Sensitivität der Mammografie weiter herab.

 

Die Fakten der Analyse

Durchgeführt am Forschungszentrum des Centre Hospitalier Universitaire de Québec (Kanada)

 

Metaanalyse zum Diagnosestadium: 12 Beobachtungsstudien

Frauen mit Augmentations-Mammaplastik vs. Frauen ohne Implantat: erhöhte Odds Ratio von 1,3 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,99–1,6) für nicht lokalisiertes Brustkrebs-Stadium bei der Diagnose – nicht signifikant

 

Metaanalyse zur Überlebensprognose: 5 Beobachtungsstudien

Frauen mit Augmentations-Mammaplastik vs. Frauen ohne Implantat: erhöhte Hazard-Ratio von 1,4 (95%-KI 1,1–1,8) für brustkrebsspezifische Mortalität – signifikant

 

Die Ergebnisse der Metaanalysen zeigen : Frauen mit kosmetischen Implantaten wiesen ein um 26% höheres Risiko (ohne Signifikanz) auf, dass ihr Mammakarzinom erst in einem späteren Stadium diagnostiziert wurde als Frauen ohne Implantat.
Allerdings ist – laut Analyse – die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben, für Frauen mit Brustimplantaten gegenüber Frauen ohne Implantate , signifikant, nämlich um 38%, erhöht.

Da bei einigen Studien Störfaktoren wie das Alter nicht ausreichend berücksichtigt wurden, sind die Ergebnisse der Analyse zwar mit Vorsicht zu betrachten, zeigen aber dennoch eine Tendenz. Die Zahl der Brustimplantationen steigt kontinuierlich an, daher besteht hier weiterhin deutlicher Forschungsbedarf.

Es ist wichtig, dass Ärzte die Frauen, die aus kosmetischen Gründen eine Mammaaugmentation vornehmen lassen wollen, auch über diese Risiken mit den entsprechenden Daten vor dem Eingriff ausreichend aufklären.

 

Lavigne E, Holowaty EJ, Pan SY et al. Breast cancer detection and survival among women with cosmetic breast implants: systematic review and meta-analysis of observational studies. BMJ 2013 Apr 29;346:f2399.

  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!