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    Weniger als der Hälfte aller werdenden Mütter gelingt ein Rauchstopp. Angestrebt werden, sollte er trotzdem – auch wenn, laut aktuel¬ler Studie, Vitamin C den negativen Effekt des Rauchens auf die Lungenentwicklung des Kindes abmildern kann.

     

Vitamin C bei Raucherinnen in der Schwangerschaft

Hintergrund: Mehr als die Hälfte aller Raucherinnen raucht auch während einer Schwangerschaft weiter, trotz der bekannten negativen Auswirkungen nicht nur für die Mutter selbst, sondern auch für das Kind: Die pränatale Lungenreifung ist beeinträchtigt, und Neugeborene von Raucherinnen weisen u. a. schlechtere Lungenfunktionswerte auf als vergleichbare Kinder nicht rauchender Frauen, und diese Einschränkung scheint lebenslang bestehen zu bleiben. Wenn ein Rauchstopp der Mutter nicht möglich ist – gibt es dann trotzdem Möglichkeiten, die sich entwickelnden Lungen des Kindes zu schützen? Cindy McEvoy und ihre Gruppe haben Daten dazu vorgestellt.

McEvoy CT et al. Vitamin C supplementation for pregnant smoking women and pulmonary function in their newborn infants [...]. JAMA 2014; 311: 2074–2082

Methoden: Die randomisierte Doppelblindstudie hat zwischen März 2007 und Januar 2011 in 3 US-amerikanischen Zentren insgesamt 159 schwangere Raucherinnen ab dem 15. Lebensjahr aufgenommen, die trotz entsprechender Beratung den Nikotinabusus nicht einstellen konnten oder wollten. Die Frauen wurden bis spätestens zur 22. SSW nach dem Zufallsprinzip einer von 2 Gruppen zugeteilt und erhielten bis zur Geburt

  • 500 mg Vitamin C pro Tag (n = 76; Interventionsgruppe) oder
  • Placebo (n = 83; Kontrollgruppe)

Als unabhängige Referenzgruppe dienten 76 nicht rauchende Schwangere.

Primärer Endpunkt der Studie war die Lungenfunktion der Neugeborenen, beurteilt innerhalb der ersten 72 Lebenstunden anhand des Quotienten aus PTEF (Peak Tidal Expiratory Flow, Zeit bis zum Erreichen des endexspiratorischen Spitzenflusses) und TE (Time of Expiration, Ausatemzeit). Der Quotient dient als Hinweis auf eine obstruktive Lungenfunktionsstörung bei Säuglingen. Als 2. primärer Endpunkt wurde die passive respiratorische Compliance als Parameter für die Lungenentfaltung gemessen.

Sekundäre Endpunkte umfassten respiratorische Symptome bei den Kindern bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres, einschließlich des Bedarfs an Bronchialdilatatoren und Kortikosteroiden. Weiterhin wurden nach 1 Jahr die Lungenfunktionstests wiederholt.

Ergebnisse: Die Auswertung ergab für den primären Endpunkt eine bessere Lungenfunktion gemäß PTEF / ET und passiver Lungen-Compliance bei den Neugeborenen der Schwangeren, die Vitamin C erhalten hatten. Ihre Werte lagen aber immer noch unter denen von Kindern nicht rauchender Mütter. Ebenso zeigten die Kinder von Schwangeren aus der Interventionsgruppe (n = 70, 92 % der ursprünglichen Gruppe) anhand eines von den Eltern in Monat 12 ausgefüllten Fragebogens im 1. Lebensjahr seltener klinische Symptome wie pfeifende oder keuchende Atmung („Wheezing“) als Kinder von Müttern der Placebo-Gruppe (n = 77) (21 vs. 40 %; p = 0,03), ebenso benötigten in dieser Gruppe weniger Kinder eine spezifische Medikation. Die Ergebnisse bei den Kinder nicht rauchender Mütter waren etwa denen der Kinder nach Vitamin-C-Supplementation der Mutter vergleichbar.

Eine erneute Lungenfunktionsprüfung im Alter von 1 Jahr war bei 49 bzw. 57 Kindern möglich (Vitamin C bzw. Placebo) und ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Kindern der beiden Studiengruppen, auch wenn die Compliance numerisch, aber nicht statistisch in der ehemaligen Vitamin-C-Gruppe höher war. Kinder der Referenz-Gruppe konnten nach einem Votum der Ethik-Kommission wegen der notwendigen Sedierung nicht ein 2. Mal untersucht werden. In einer Subgruppe der Mütter (n = 173; Raucherinnen und Nichtraucherinnen) zeigte eine Genotypisierung darüber hinaus, dass der Einfluss des Rauchens auf die Entwicklung des Fetus wohl durch eine Mutation in der 5α-Untereinheit des nikotinergen Acetylcholinrezeptors vermittelt wird.

 

Folgerung: Vitamin C scheint bei schwangeren Raucherinnen zumindest teilweise die negativen Effekte auf die Lungenentwicklung des Kindes abzumildern, meinen die Autoren. Es könnte damit eine einfache, relativ risikoarme und kostengünstige Methode sein, Schwangere zu unterstützen, bei denen eine Nikotinabstinenz nicht möglich ist. Die Wirkung von Vitamin C könnte darauf beruhen, dass die Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies gehemmt wird, die sonst die Entwicklung der Atemwegszellen beeinträchtigen. Diese Frage müsste aber weiter untersucht werden, ebenso wie die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Genotypen bei den Müttern und der Wirkung des Rauchens bzw. des Vitamin C auf die Lungenreifung der Kinder.

 

Kommentar
JAMA 2014; 311: 2070–2071

Der Pädiater Graham Hall würdigt die ausgefeilte Studie, hat aber doch ein paar kritische Anmerkungen. So meint er beispielsweise, dass die klinische Relevanz der besseren Lungenfunktionswerte bei Kindern nach Vitamin-C-Gabe an rauchende Schwangere gegenüber Kindern nicht supplementierter Mütter nicht klar ist. Außerdem ist es, wegen der fehlenden Referenz-Gruppe der Kinder von Nichtraucherinnen nach einem Jahr, nicht möglich, die langfristige Wirkung der Vitamingabe einzuschätzen: Kann Vitamin C tatsächlich alle negativen Wirkungen des mütterlichen Rauchens auf die Lungenentwicklung verhindern, etwa auch Störungen des Atemantriebs? Und wie sieht es mit den Negativwirkungen auf andere Organsysteme des Kindes aus? Grundsätzlich, so schließt er, müsse oberstes Ziel sein, eine Schwangere von einem Rauchstopp zu überzeugen – damit tue sie mehr für die Gesundheit ihres Kindes, als auch noch so viel Vitamin C es könne.


Dr. E. Ruchalla

Aus: GebFra 11/14

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