• Von der normalen Geburt bis zur Fehlervermeidung

    Eine redundante Betreuung der Schwangeren durch Hebamme und Arzt trägt zu einem souveränen Geburtsablauf bei.

     

Von der normalen Geburt bis zur Fehlervermeidung

Eine geregelte Geburt in einer Geburtsklinik fängt bereits mit der richtigen Aufnahme der schwangeren Frau in den Kreißsaal an. Hebamme und Arzt betreuen hier gemeinsam und ihr Ziel ist es, Mutter und Kind nach wenigen Tagen gesund zu entlassen.

 

In vielen Kreißsälen ist bzw. war es üblich, die befundorientierte Geburtshilfe zu praktizieren. Das heißt, die Hebamme übernimmt die Leitung der normalen Geburt und der Arzt übernimmt erst nach Eintritt eines Notfalls. Da eine prospektive schadensvermeidende Geburtshilfe aber nur durch gleichzeitige Überwachung durch Arzt und Hebamme erreicht werden kann, ist dieses Vorgehen nicht mehr zeitgemäß.

Nur durch die redundante Betreuung können Mutter und Kind nach möglichst kurzer Zeit gesund zu Fuß die Geburtsklinik verlassen.

 

Die normale Geburt

Drei grundlegende Faktoren bestimmen den physiologischen Geburtsablauf:

  1. Geburtsweg
  2. Geburtskräfte
  3. Kind

Das ungestörte Zusammenspiel dieser drei Elemente kann zu einem normalen Geburtsablauf führen. Abhängig von der Parität und den individuellen Faktoren ergibt sich eine normale Geburtsdauer zwischen 2 und 12 Stunden.

Auch wenn es keine Hinweise auf Komplikationen gibt, sollte alles für den Fall vorbereitet sein – Hebamme und Arzt kennen die kritischen Momente und achten besonders darauf.

 

Komplikationen kennen

Unter der Geburt können jederzeit Komplikationen auftreten. Daher ist es wichtig, diese rasch zu erkennen und genau zu wissen, wie weiter verfahren werden muss. Weiterhin ist es notwendig, im Geburtsprotokoll das Vorgehen zu der Bewältigung der Komplikationen in nachvollziehbarer Weise zu beschreiben. Zur Überwachung der Geburt helfen festgelegte Ablaufs- und Geburtsleitungsdiagramme, besonders hinsichtlich der CTG-Interpretation.

 

Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Lageanomalien
  • Nabelschnurvorfall
  • Schulterdystokie
  • Verletzungen der Geburtswege
  • Uterusruptur
  • Postpartale Blutungen
  • Fruchtwasser- oder Lungenembolie
  • Gestörte Wehentätigkeit

Je nach Art der Komplikation kann sich daraus die Notwendigkeit einer Sectio oder einer anderen Komplikationstherapie ergeben. Die schwangere Frau sollte über das Vorgehen und die Risiken rechtzeitig aufgeklärt werden.

 

Fehlervermeidung durch Risikomanagement

Die medizinischen Dienste der Krankenkassen haben ermittelt, dass Schadensfälle in 60 % durch Organisationsmängel im Krankenhaus, und in 40 % durch ärztliches Fehlverhalten begründbar sind. Der Schwachstellenanalyse kommt demnach eine große Bedeutung zu, um kindlichen und mütterlichen Schäden, aber auch juristischen Auseinandersetzungen vorzubeugen.

Vor allem Fehlverhalten im ärztlichen Bereich lässt sich vermeiden, wenn man sich an einige grundlegende Punkte hält:

  • Ausreichende Aufklärung
  • Einhalten der medizinischen Standards
  • Beachtung der Sorgfaltspflicht
  • Ausreichende Dokumentation

Für die Organisation im Kreißsaal ist es wichtig, neben den Leitlinien, Empfehlungen und Standards der DGGG auch die „Dienstlichen Anordnungen“ schriftlich vorliegen zu haben – hier muss festgehalten sein, wie in der geburtshilflichen Einrichtung der Klinik standardgemäß nach Aufnahme einer schwangeren Frau verfahren wird.

 

Dokumentation ist essenziell

Die Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht weist auf die besondere Bedeutung der Dokumentation hin. Zwei Grundformen der Dokumentation beschreiben den Geburtsverlauf:

  1. Der verbale Geburtsbericht
  2. Grafische Darstellung im Partogramm

Die Dokumentation sollte so vorgenommen werden, dass auch ein fachkundiger Dritter eine Beurteilung über Handlungen von Personen, Zeiten und Maßnahmen vornehmen kann. Jederzeit gilt der juristische Grundsatz:

Was nicht dokumentiert ist, hat nicht stattgefunden!

 

So sichert die Dokumentation – auch darüber, dass die Schwangere aufgeklärt wurde – nicht nur den wesentlichen Ablauf des Geburtsvorgangs, sondern ist ebenfalls von haftungsrechtlicher Bedeutung für Hebamme und Arzt.

 

Mehr zum Thema lesen Sie im neu erschienenen Buch „Kreißsaal-Kompendium – Das Praxisbuch für die Geburtshilfe“ herausgegeben von Axel Feige, Werner Rath und Stephan Schmidt unter der Mitarbeit der Hebamme Ulrike Kopf-Löchel. Erschienen 2013, Georg Thieme Verlag KG.

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