• Zervixdarstellung im Ultraschall: Besser bei gefüllter Blase

    Viel Wasser zu trinken, ist gesund – und füllt die Blase, was sich positiv auf die Darstellbarkeit der Zervix im Ultraschall auswirkt.

     

Zervixdarstellung im Ultraschall: Besser bei gefüllter Blase

Hintergrund: Transvaginale Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft können zuverlässig Auskunft über den Sitz der Plazenta und eine eventuelle Zervixinsuffizienz mit drohender Frühgeburt liefern. Sie werden daher im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung standardmäßig im II. Trimester durchgeführt. Allerdings kann die Beurteilung der Zervix durch myometriale Kontraktionen eingeschränkt sein. Eine Arbeitsgruppe aus Boston hat untersucht, wie sich diese „Bildstörung“ verhindern lässt.

Obstet Gynecol 2013; 121: 798–804

 

Methoden: Das Team um William Schnettler hat von Januar bis September 2012 insgesamt 221 schwangere Frauen zwischen der 14. und 32. Schwangerschaftswoche (SSW) in die einfach verblindete, randomisierte Studie aufgenommen. Bei allen Frauen stand eine transvaginale Ultraschalluntersuchung an, bei der die Zervix und / oder Plazentalokalisation beurteilt werden sollte. Die Frauen wurden nach dem Zufallsprinzip einer von 2 Gruppen zugeteilt: Ultraschalluntersuchung unmittelbar (maximal 5 min; Sofort-Scan; 168 Untersuchungen) nach Entleerung der Blase oder Untersuchung mindestens 15 min nach dem Wasserlassen (verzögerter Scan; 167 Untersuchungen). Ausgewertet wurden die Ultraschallbilder von gegenüber der Gruppenzuweisung verblindeten Experten. Der primäre Endpunkt war das Vorhandensein fokaler Myometrium-Kontraktionen, als sekundärer Endpunkt wurde die diagnostische Qualität der Bilder im Hinblick auf gute Darstellung der Zervix und der Plazenta beurteilt.

 

Ergebnisse: Die Untersuchung erfolgte bei den Frauen der Sofort-Scan-Gruppe im Median 5,0 min nach der Miktion, bei den Frauen mit verzögertem Scan im Median nach 28 min. Die Auswertung zeigte, dass im verzögerten Scan myometriale Kontraktionen deutlich seltener waren als bei sofortiger Untersuchung nach der Blasenentleerung (relatives Risiko [RR] bei verzögertem Scan: 0,70). Darüber hinaus wurden die Bilder in der Gruppe mit verzögertem Scan deutlich häufiger als „diagnostisch adäquat“ bewertet als in der Sofort-Scan-Gruppe (RR: 0,59). Umgekehrt waren auf 92 % der als „inadäquat“ beurteilten Bildern in beiden Gruppen myometriale Kontraktionen vorhanden. Insgesamt errechnete sich eine Anzahl von 8 Frauen, bei denen die Untersuchung um mindestens 15 min nach dem Wasserlassen hinausgeschoben werden müsste, um eine lokale myometriale Kontraktion oder ein diagnostisch inadäquates Bild zu verhindern.

Die Wahrscheinlichkeit, eine Placenta praevia nachzuweisen, war in beiden Gruppen zwar statistisch vergleichbar. Die Wahrscheinlichkeit war jedoch bei gleichzeitigem Vorliegen myometrialer Kontraktionen deutlich vermindert.

Schließlich zeigte eine Subgruppenanalyse, dass myometriale Kontraktionen mit zunehmender Schwangerschaftsdauer seltener auftraten.

 

Folgerung: Bei fokalen myometrialen Kontraktionen kann die Länge der Zervix leicht überschätzt werden, und sie erhöhen die Häufigkeit der Fehldiagnose „Placenta praevia“. Ein Intervall von mindestens 15 min zwischen Blasenentleerung und Scan, nach dem diese Kontraktion deutlich seltener auftraten, kann bei der transvaginalen Ultraschalluntersuchung im 2. Schwangerschaftsdrittel die Beurteilbarkeit von Zervix und Plazenta deutlich verbessern, meinen die Autoren. Außerdem könnte es hilfreich sein, die Zervixlänge erst ab der 21.–23. SSW zu beurteilen, da in diesem Stadium Kontraktio¬nen des Myometriums seltener werden.

 

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

Aus GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde 08/2013

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