• Weibliche Brust von der Seite-Thieme

    Die Gabe von Trastuzumab als Ergänzung zu einer adjuvanten systemischen Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs senkt zwar das Rezidiv- und Mortalitätsrisiko, allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich kardialer Komplikationen.

     

Zusatznutzen durch simultane Gabe von Trastuzumab und Anthrazyklinen bei HER2-positivem Brustkrebs?

Hintergrund: Mithilfe einer neoadjuvanten Chemotherapie ist es möglich, Tumoren in ein operables Stadium zu überführen und Brustkrebs-Patientinnen eine brusterhaltende Operation in Aussicht zu stellen. Die Gabe von Trastuzumab als Ergänzung zu einer adjuvanten systemischen Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs senkt zwar das Rezidiv- und Mortalitätsrisiko, allerdings bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher kardialer Komplikationen im Zusammenhang mit Anthrazyklinen. A. U. Buzdar et al. haben untersucht, wie sich der Zeitpunkt der Trastuzumab-Verabreichung im Rahmen einer neoadjuvanten Chemotherapie mit Anthrazyklinen und Taxanen auf das Outcome auswirkt.

Lancet Oncol 2013; 14: 1317–1325

 

Methoden: Die randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie fand an 36 Zentren in den USA und Puerto Rico statt. Zwischen September 2007 und Dezember 2011 wurden 282 erwachsene Frauen mit einem operablen, HER2-positiven Brustkrebs aufgenommen. Nach Randomisierung im Verhältnis 1 : 1 und Stratifikation nach Alter, Tumorgröße und Hormonrezeptorstatus erhielten die Patientinnen entweder eine sequenzielle Therapie (500 mg / m2 Körperoberfläche [KOF] Fluorouracil, 75 mg / m2 KOF Epirubicin und 500 mg / m2 KOF Cyclophosphamid [FEC-75] an Tag 1 eines 21-tägigen Zyklus über 4 Zyklen, gefolgt von 80 mg / m2 KOF Paclitaxel und 2 mg / kg Körpergewicht [KG] Trastuzumab [nach einer Startdosis von 4 mg / kg KG] 1-mal wöchentlich über 12 Wochen) oder eine simultane Therapie (Paclitaxel und Trastuzumab 1-mal wöchentlich über 12 Wochen, gefolgt von 4 Zyklen FEC-75 [an Tag 1 eines jeden 21-tägigen Zyklus] und 1-mal wöchentlich Trastuzumab [in derselben Dosierung wie in der Gruppe mit der sequenziellen Therapie]). Primäres Outcome war der prozentuale Anteil der Patientinnen, bei denen histopathologisch ein Ansprechen zu registrieren war.

 

Ergebnisse: Nach dem Ausscheiden von 2 Patientinnen erhielten 138 Patientinnen eine sequenzielle Therapie und 142 eine simultane Therapie. 130 Patientinnen innerhalb der Gruppe mit sequenzieller Therapie unterzogen sich einer Brustoperation (37,7 % hatten eine partielle Mastektomie, 13,8 % eine totale Mastektomie und 48,5 % eine modifiziert radikale Mastektomie). Bei den operierten Frauen mit vorangegangener simultaner Therapie (n = 138) waren die prozentualen Anteile jeweils 39,1, 10,1 und 50,7 %. Bei 56,5 % der Patientinnen, die eine sequenzielle Therapie erhalten hatten, ließ sich histopathologisch ein vollständiges Ansprechen auf die Behandlung registrieren. Im Fall von Patientinnen mit einer simultanen Therapie war dies bei 54,2 % der Fall (Differenz = 2,3 %). Behandlungsbezogene Todesfälle traten nicht auf. 12,3 % der Studienteilnehmerinnen mit sequenzieller Therapie und 16,9 % mit simultaner Therapie wurden aufgrund von behandlungsbezogenen toxischen Effekten in ein Krankenhaus eingewiesen. Zu den häufigsten schweren toxischen Effekten gehörten Neutropenie (25,3 vs. 31,7 %) und Fatigue (4,3 vs. 8,5 %). Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion sank in Woche 12 bei 0,8 % der Patientinnen mit sequenzieller Therapie und bei 2,9 % der Patientinnen, die sich einer simultanen Therapie unterzogen hatten, unter die niedrigste Schwelle des Normalwertes. In Woche 24 waren die prozentualen Anteile jeweils 7,1 und 4,6 %.

 

Folgerung: Bei Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs erwies sich eine Behandlung mit Paclitaxel plus Trastuzumab, gefolgt von einer gleichzeitigen Gabe von FEC-75 und Trastuzumab, im Vergleich zu FEC-75 alleine mit nachfolgender Verabreichung von Paclitaxel plus Trastuzumab als nicht überlegen. Aus diesem Grund sehen die Autoren bei HER2-positivem Brustkrebs keine Rechtfertigung für eine simultane Therapie.

Dr. F. Lichert, Weilburg

Aus: GebFra 04/14

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