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Besteht für behinderte Frauen ein erhöhtes Risiko für perinatale Komplikationen?

Jede 10. Frau im reproduktiven Alter ist von einer Behinderung betroffen. Aufgrund der zunehmenden Würdigung der reproduktiven Rechte von behinderten Frauen und medizinischer Fortschritte nehmen Schwangerschaften innerhalb dieser Gruppe zu. L. A. Tarasoff et al. haben nun im Rahmen einer Metaanalyse untersucht, ob eine maternale Behinderung perinatale Komplikationen begünstigt.

Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche unter Verwendung der Datenbanken MEDLINE, CINAHL, Embase sowie PsycINFO (bis Juli 2018). Berücksichtigung fanden Volltextpublikationen in englischer Sprache zu Studien, an denen Frauen mit irgendeiner Behinderung, körperlichen und geistigen Behinderungen, sensorischen Beeinträchtigungen oder Entwicklungsbeeinträchtigungen teilgenommen hatten. Die Autoren ermittelten jeweils Komplikationen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und Geburt sowie postpartale Komplikationen. Zudem wurden die Qualität der Studien sowie das jeweilige Biasrisiko beurteilt.

Ergebnisse

Zunächst wurden 6082 Artikel identifiziert und gescreent. Nach dem Verwerfen ungeeigneter Studien gingen 23 in die Analyse ein. Diese umfassten insgesamt 8 514 356 Frauen, die 19 unterschiedlichen Kohorten angehörten. Eine Studie wurde in Australien durchgeführt, 3 in Kanada, 1 in Israel, 1 in Schweden, 4 in Großbritannien und 13 in den USA. Bei 16 Studien handelte es sich um retrospektive Kohortenstudien, 2 waren prospektive Kohortenstudien und 5 Querschnittsstudien. Im Fall von 4 Studien wurde die Qualität als hoch eingestuft, 6 Studien waren durch eine mittlere Qualität gekennzeichnet und 13 durch eine schlechte Qualität. Bei den 5 Querschnittsstudien gingen die Autoren aufgrund des Studiendesigns von einem hohen Biasrisiko aus. Das Selektionsbiasrisiko war bei 15 Studien gering, bei 5 Studien moderat und bei 3 Studien hoch. Ein niedriges Detektionsbiasrisiko wiesen hingegen 12 Studien auf, ein moderates Risiko 4 Studien und ein hohes Risiko 7 Studien. Frauen, die eine sensorische Beeinträchtigung (gepoolte, nicht adjustierte Odds Ratio [OR] 2,85) und eine geistige Behinderung sowie Entwicklungsbeeinträchtigung (OR 1,10) aufwiesen, hatten ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes (das Ergebnis war allerdings statistisch nicht signifikant). Zudem bestand ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruckerkrankungen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft bei Frauen mit irgendeiner Art von Behinderung (OR 1,45) und solchen, die durch eine intellektuelle Einschränkung und Entwicklungsbeeinträchtigung gekennzeichnet waren (OR 1,77) (Frauen mit sensorischer Beeinträchtigung wiesen ein – nicht signifikant – erhöhtes Risiko auf; OR 2,84). Zudem wurde das Risiko für eine Kaiserschnittgeburt untersucht: Dieses war erhöht unter Frauen mit irgendeiner Art von Behinderung (OR 1,31), solchen mit einer körperlichen Behinderung (OR 1,60) und solchen mit einer geistigen Behinderung sowie Entwicklungsbeeinträchtigung (OR 1,29). Auch hier zeigten Individuen mit sensorischer Beeinträchtigung ein – nicht signifikant – erhöhtes Risiko (OR 1,28).

 

FAZIT

Laut Studienergebnis besteht für Frauen, die eine Behinderung aufweisen, ein möglicherweise erhöhtes Risiko für perinatale Komplikationen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Kaiserschnittgeburten. Nach Meinung der Autoren sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig, um die Hintergründe für dieses erhöhte Risiko zu klären und zu ermitteln, wie behinderte Frauen während der perinatalen Periode unterstützt werden können.

 

Aus der Zeitschrift Geburtshilfe und Frauenheilkunde 04/2020

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