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Betreuung von Familien mit Frühgeborenen

Hebammen zählen zu den wenigen Fachpersonen, die Familien mit Frühgeborenen zu Hause aufsuchen. In der Wochenbettbetreuung unterstützen sie die Eltern dabei, ihrem schutzbedürftigen Säugling einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Hebamme und Familienhebamme Wiebke Rempfer verrät aus ihrem langjährigen Erfahrungsschatz, worauf es dabei ankommt.

Warum haben Eltern von Frühgeborenen besonderen Unterstützungsbedarf?

Meist werden sie damit überrascht, dass das Kind zu früh auf die Welt kommt. Sie haben das vielleicht mal gehört, aber es ist ein Schock, dass das nun ihnen passiert. Sie fühlen sich hilflos und sagen mir: „Ich hab noch gar nicht alles gerichtet zu Hause.“ Sie fragen z. B., warum ihr Kind nicht neben der Mutter schlafen darf und ob es ihm gut geht auf der Frühgeborenenstation. Mütter wollen wissen, ob sie je voll stillen werden können, ob ihr Mann Urlaub bekommt und wie sie das alles später zu Hause schaffen sollen … Da geht das Netz auf und sie haben das Gefühl, da fallen sie jetzt durch. Deshalb brauchen diese Eltern mehr, länger und möglichst von Anfang an unsere Unterstützung.

Was können Hebammen diesen Frauen und Eltern antworten?

Wir können sagen, es ist überhaupt nicht schlimm, dass z. B. der Wickeltisch noch nicht steht oder der Kinderwagen noch nicht da ist. Und dass ihr Kind leider erst mal drei bis sechs Wochen in der Klinik bleiben wird. Und dass sie in diesen Wochen ganz viele Leute aus ihrem Umfeld ansprechen können, die sie unterstützen: Die Oma kann die Wäsche waschen, der Papa oder Opa den Wickeltisch aufbauen, die Freundin kann Frühgeborenenkleidung einkaufen, die Nachbarin mal einen Kuchen backen … Wir müssen der Mutter vermitteln: „Jetzt bist du fürs Kind da. Deswegen: Gib ab! Mach Notizen und schreib auf, was andere für dich erledigen können. Lass dir helfen.“ Das ist schon die halbe Miete.

Sie sind Hebamme und Familienhebamme. Beginnt Ihre Betreuung vor der Geburt oder treffen Sie erst auf die Frauen, wenn diese schon wieder von der Klinik zu Hause sind und das Kind noch auf Station ist?

Teils, teils … Manche Frauen sind bei mir schon im Geburtsvorbereitungskurs, andere melden sich erst an, wenn ich zur Nachsorge kommen soll. Wenn ich zu einer Frau schon Kontakt hatte und das Kind kommt z. B. in der 22., 28. oder 30. SSW, dann ruft sie mich direkt aus der Klinik an. Das ist gut, denn dann kann ich schon mal abklären, ob ihr Mann zu Hause ist, was die beiden bereits organisiert haben und was er noch vorbereiten kann, bis Mutter und Kind nach Hause kommen. Meist ist es schwierig für uns, in die Klinik rein zu kommen. Die Frauen sind ja dort von der Pflege her gut versorgt. Ich will da auch nicht noch eine zusätzliche Meinung reinbringen. Das könnte die Eltern verunsichern. Ich schaue in der Zwischenzeit lieber, dass ihr soziales Netz intakt ist, bis die Frau heimkommt.

Wann werden die Frühgeborenen entlassen?

Oftmals zu früh. Als ich vor über 25 Jahren Ausbildung gemacht habe, blieb das Kind bis zum errechneten Geburtstermin bzw. wurde frühestens eine Woche vorher entlassen. Jetzt – in Zeiten des Personalmangels – kommen die Kinder oft schon in der 35. oder 36. Woche nach Hause. Wir haben zunehmend Frühgeborene, die mit Magensonde oder mit Monitor zur Atemüberwachung nach Hause entlassen werden. Zum Glück gibt es inzwischen vielerorts sehr gute außerklinische Unterstützungsangebote, z. B. „Frühchenvereine“ mit Müttern, die selbst ein Frühgeborenes haben und anbieten, in den ersten Wochen mal bei der Familie vorbeizuschauen. Sie geben dann ganz konkrete Tipps, was die Eltern noch machen könnten oder was der Mutter nun guttut. Das läuft ganz toll, manchmal binden sie mich auch ein. Was noch nicht optimal läuft, ist die medizinische Versorgung, wenn die Familie unvorbereitet so früh nach Hause kommt.

 

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier Betreuung von Familien mit Frühgeborenen

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 03/2020

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