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CTG-Training: Fallbesprechung 5

In unserer CTG-Reihe stellen wir besondere CTG-Befunde und besondere Fallgeschichten vor, aus denen wir alle lernen können. Eine 25-jährige Erstgravida kommt mit 39 SSW zur Routinekontrolle zum betreuenden Frauenarzt. Eine CTG-Kontrolle in der Woche zuvor war unauffällig gewesen. Aufgrund des aktuellen CTG-Befundes wird die Schwangere rasch mit dem Rettungsdienst in das Perinatalzentrum überwiesen.


Weitere Diagnostik im Perinatalzentrum

Klinisches Bild

Bei der Aufnahme in die Klinik ist die Schwangere klinisch unauffällig mit normalen Kreislaufverhältnissen, es besteht keine vaginale Blutung.

 

CTG

Das CTG zeigt folgende Befunde:

  • Schnelle Form eines sinusoidalen Musters mit z. T. verlängerten variablen Dezelerationen
  • weiterhin fehlende Akzelerationen
  • Mikrooszillationsverlust bei unauffälliger Basalfrequenz

 

Aufgrund des CTGs werden Vorbereitungen für eine Sectio getroffen.

 

Sonografie

Sonografisch zeigt sich ein zierlicher Fetus (geschätztes Gewicht ca. 2900 g) mit normaler Fruchtwassermenge und einem normalen Dopplerflussmuster in der Nabelarterie. Sonografisch besteht kein Anhalt für eine vorzeitige Plazentalösung. Ebenso sind keine sonomorphologischen Hinweiszeichen auf eine Anämie (Aszites, Hydrops fetalis) vorhanden.

 

Dopplersonografie

Die Dopplersonografie der A. cerebri media ergibt jedoch eine maximale systolische Geschwindigkeit von 100cm/sec. Damit besteht der hochgradige Verdacht auf eine fetale Anämie.


Therapie und weiterer Verlauf

Unter dem Verdacht einer akuten fetomaternalen Transfusion erfolgt die Sectio. Es kommt zur Geburt eines lebensfrischen, jedoch blassen Neugeborenen. Apgar 8/9/9, Nabel-pH-Wert 7,15. Der Hämoglobinwert im Nabelschnurblut beträgt 2, 2 g/dl.

Nach Erythrozytenkonzentrat-Infusionen am 1. und 3. Lebenstag kann das Neugeborene in gutem Allgemeinzustand mit der Mutter nach Hause entlassen werden. Der Kleihauer-Betke-Test (ca. 89 ‰ fetale HbF-Zellen im mütterlichen Blut) bestätigte den Verdacht der feto-maternalen Transfusion.


Fazit

Der Fall zeigt, dass eine CTG-Untersuchung am Termin auch bei einem unauffälligen Schwangerschaftsverlauf hilfreich sein kann.

Die Bestimmung der Maximalgeschwindigkeit der A. cerebri ist ein hilfreicher Parameter in der Diagnostik einer fetalen Anämie aufgrund einer fetomaternalen Transfusion.

Die rasche Diagnose und die effiziente Betreuung waren im vorliegenden Fall mitentscheidend für den glücklichen Verlauf.

 

Fetomaternale Transfusion

Die Plazenta ist eine Barriere, die u. a. auch der Trennung des mütterlichen und fetalen Blutkreislaufes dient. Trotzdem ist ein minimaler bidirektionaler Übertritt von zellulären und sonstigen Blutbestandteilen physiologisch. Somit ist eine allgemein akzeptierte Definition eines schweren fetomaternalen Transfusionssyndroms schwierig.

Ein Übertritt von mehr als 20 % des fetalen Blutvolumens gilt als massive fetomaternale Blutung. Sie führt zu einer signifikant erhöhten neonatalen Morbidität und Mortalität. Die Transfusion kann traumatisch bedingt sein oder auch chronisch bzw. akut spontan auftreten.

Die kindliche Anämie kann mit Hilfe der Dopplersonografie diagnostiziert werden.

Die Therapie der Wahl ist im späteren Schwangerschaftsalter die Entbindung mit anschließender Transfusion von Erythrozytenkonzentrat. Bei extremer Frühgeburtlichkeit kommt ggf. die intrauterine Transfusion des Feten per Chordozentese in Frage.

 

Autoren: Rauber, Susanne; Kainer, Franz

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 1/2014

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Quelle

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