• . Im Jahr 2011 wurde in deutschen Geburtskliniken in 1 % der zur Geburt betreuten Schwangeren bekannter Diabetes registriert. Damit hat sich die Prävalenz in den letzten 10 Jahren verdoppelt.

     

Diabetes mellitus und Schwangerschaft

Schwangerschaften bei präkonzeptionell bekanntem Typ-1- und Typ-2-Diabetes und GDM  bedürfen einer gemeinsamen Betreuung durch spezialisierte Diabetologen, Geburtsmediziner und Neonatologen in enger Kooperation mit Hebammen, Augenärzten und anderen Fachgebieten. Im Jahr 2011 wurde in deutschen Geburtskliniken in 1 % der zur Geburt betreuten Schwangeren ein präkonzeptionell bekannter Diabetes registriert. Damit hat sich die Prävalenz in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Der Anteil des Typ-2-Diabetes nimmt zu und wird in Deutschland auf 20 – 30 % geschätzt.


Planung der Schwangerschaft: Ziel der präkonzeptionellen Vorbereitung ist eine geplante Schwangerschaft unter optimierten Voraussetzungen. Daher ist eine sichere Kontrazeption bis zum Erreichen dieser Voraussetzungen erforderlich. Die geeignete Kontrazeption wird individuell ausgewählt.
Besonders sorgfältig müssen Frauen mit einer Erkrankungsdauer über 10 Jahre und mikrovaskulären Komplikationen mit evtl. zusätzlichem Nikotinkonsum beraten werden. In manchen Fällen wird man zwischen den sozialen Folgen einer ungewollten Schwangerschaft und erhöhten Gesundheitsrisiken durch sichere Kontrazeption abwägen müssen.
Frauen, die bereits länger als 10 Jahre an einem Diabetes erkrankt sind und bei denen mikrovaskuläre Komplikationen oder ein Nikotinabusus vorliegen, müssen hinsichtlich der Kontrazeption besonders sorgfältig beraten werden.
Das Risiko für Frühaborte ist erhöht und abhängig von der präkonzeptionellen Stoffwechseleinstellung: Sehr niedrige (< 5 %), aber auch sehr hohe HbA1c-Niveaus (> 8,5 %) erhöhen das Abortrisiko. Numerische Chromosomenanomalien (z. B. Trisomie 21) treten bei diabetischen Schwangerschaften nicht gehäuft auf.
Das Risiko für große Fehlbildungen liegt mit 8,8 % im Mittel rund 4-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Dies gilt für Typ-1- und Typ-2-Diabetes gleichermaßen. In geplanten Schwangerschaften ist das Fehlbildungsrisiko, bedingt durch die gezielte Beratung, die bessere Stoffwechseleinstellung und Blutglukose-Selbstkontrollen geringer als in ungeplanten. Fehlbildungen betreffen vorwiegend das Herz und herznahe Gefäße, Neuralrohrdefekte und multiple Fehlbildungen. Ein Diabetes-spezifischer Fehlbildungstyp existiert nicht.

Diabetologische Notfälle

Hypoglykämie: Schwere Hypoglykämien der Schwangeren mit Notwendigkeit einer Glukose- oder Glukagoninjektion müssen vermieden werden. Sie gefährden die Mutter, akute Gefahren für den Fetus bestehen nicht. Durch eine stabile, normnahe Einstellung können außerdem hypoglykämische Warnzeichen wie Zittern, Schwitzen oder Tachykardie zunehmend unterdrückt sein und schließlich durch unzureichende hormonelle Gegenregulation ganz fehlen. Schwere Hypoglykämien treten vorrangig bei Typ-1-Diabetes in den ersten 20 SSW und dann überwiegend während des Schlafes auf. Der Partner oder ein anderer Angehöriger muss über Hypoglykämien informiert und in die Anwendung des Glukagon-Notfallsets eingewiesen sein


Ketoazidose: Die Ketoazidose bei diabetischer Schwangerschaft ist eine kritische Notfallsituation und kann selbst bei normalen Blutglukosewerten auftreten. Der ketoazidotische Notfall kann sich in wenigen Stunden aufbauen und kommt bei Typ-1- und auch Typ-2-Diabetes vor. Klinisches Leitsymptom sind Bauchschmerzen. Die sofortige stationäre Einweisung in notärztlicher Begleitung in eine geeignete Klinik ist angezeigt. Hier soll unmittelbar die Komatherapie nach hausinternem Behandlungsschema begonnen und das weitere Vorgehen in enger Absprache zwischen Diabetologen, Geburtsmedizinern und Neonatologen erfolgen.

Besonderheiten bei Typ-2-Diabetes

Schwangerschaften bei Typ-2-Diabetes nehmen zu. Die perinatalen Risiken sind genauso hoch wie bei Typ-1-Diabetes. Schwangere mit Typ-2-Diabetes haben im Vergleich zu Typ-1-Diabetes eine höhere Adipositas-Rate, ein höheres Lebensalter, eine kürzere Diabetesdauer und eine höhere Rate an Begleitrisiken und -medikation. Sie gehören häufiger einer ethnischen Minorität an. Außerdem liegt häufiger eine chronisch arterielle Hypertonie vor, Präeklampsien sind andererseits seltener.
Die präkonzeptionelle Vorbereitung ist schlechter, und die Frauen nehmen seltener Folsäure perikonzeptionell ein. Die Erstvorstellung erfolgt meistens erst nach Abschluss der Embryogenese, und ein hoher Prozentsatz wird noch in der Frühschwangerschaft mit oralen Antidiabetika behandelt. Präkonzeptionell befindet sich ein hoher Anteil von Schwangeren mit Typ-2-Diabetes nicht in diabetologischer Betreuung, und bei ca. 30 % war 6 Monate vor der Konzeption kein HbA1c dokumentiert. Der Anteil ungeplanter Schwangerschaften ist höher als bei Typ-1-Diabetes. Bei dieser Gruppe von Schwangeren ist daher die Zusammenarbeit mit den betreuenden Hausärzten besonders wichtig.
Typ-2-Diabetes darf bei Schwangeren nicht verharmlost werden. Die Risiken sind dem Typ-1-Diabetes vergleichbar. Eine präkonzeptionelle Schulung und Umstellung von oralen Antidiabetika auf Insulin sowie eine diabetologische Mitbetreuung sind notwendig. Die Stoffwechselziele entsprechen denen des Typ-1-Diabetes. Eine restriktive Handhabung der Gewichtszunahme bis zur Geburt ist von Vorteil (Ziel: < 5 kg).

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Aus der Zeitschrift Innere Medizin up2date 01/2013

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