• Fachterminologie - Hebammenarbeit - Georg Thieme Verlag

     

Fachterminologie - Empathisch kommunizieren

Unreflektiert benutztes Fach-Vokabular einer Berufsgruppe kann über die Sprache Macht ausüben. So können befremdliche Fachtermini während der Geburt für die Eltern belastend sein. Unter Umständen kommt es sogar zu einem verzögerten Geburtsverlauf, weil die Mutter sich ängstlich verspannt, nachdem sie gehört hat, dass bald „ ihre Blase gesprengt“ werden soll.

Die erfahrene Hebamme, Fachautorin und Dozentin Ulrike Harder rät dazu, nicht „Das CTG ist schlecht“ bzw. „Ihr Kind hat schlechte Herztöne“ zu sagen – denn warum sollten Hebammen das Kind einer Schwangeren schlechtmachen? Formulierungen wie „Das Kind hat verlangsamte Herztöne“ irritierten viel weniger. Auch wertende Aussagen sollten Hebammen ihrer Meinung nach aus ihrem Kommunikationsrepertoire streichen: „Ihr Baby ist zu groß“ oder „Ihr Baby ist zu klein“, das kostet die Frau Selbstbewusstsein. Dabei ließe es sich so formulieren: „Es ist etwas kleiner (bzw. größer) als die Normkurve für den fetalen Wachstumsverlauf“ – dann kann die Hebamme der Mutter erklären, was das ist und dass diese kleine Abweichung noch kein Grund zur Besorgnis sein muss.

Vermitteln Sie nicht Unsicherheit mit Sätzen wie „Ich finde gerade die Herztöne nicht, ihr Kind lässt sich schlecht ableiten“, sondern zeigen Sie Souveränität auch in dieser Lage: „Ihr Kind lässt sich gerade nicht so gut belauschen, ich höre noch mal nach.“ Noch eine ungünstige Aussage: „Die Herztöne Ihres Kindes sind weg“ – das könnte Verlustängste provozieren. Daher besser das Handeln beschreiben: „Ihr Baby hat sich gerade bewegt, ich muss die Herztöne neu suchen.“

Neben den hier beschriebenen Fachtermini fallen Ihnen im Alltag sicherlich auch noch mehr ein, die Sie zum Wohle der Eltern etwas "entschärfen" können.

Forum Hebammenarbeit 2019

Forum Hebammenarbeit 2018 - Leipzig (29.-30.03.19) und Wiesbaden (08.-09.11.19) - Hebammenarbeit - Georg Thieme Verlag - Ulrike Harder Geburtshilfliche Terminologie

„Wie wollen wir in der Geburtshilfe kommunizieren – empathisch oder unverständlich und beängstigend?“ Dieser Frage begegnet Hebamme Ulrike Harder mit anschaulichen Beispielen von Formulierungen, die bei Frauen eher Ängste auslösen, als Vertrauen schaffen.

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