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Fälle-für-Alle: Auf dem Weg zu einer konstruktiven Fehlerkultur

Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen (adverse events) in der Medizin liegt international zwischen 0,1–30 %, die Häufigkeit von Schäden zwischen 0,1–10 %. In der Geburtshilfe führen unerwünschte und potenziell vermeidbare Ereignisse teils zu schwerwiegenden und langwierigen Folgen für Mutter und/oder Kind. Ein geeignetes Qualitätsmanagementsystem kann die Patientensicherheit deutlich erhöhen.

Ziel der vorliegenden Studie war es Faktoren zu identifizieren, die die Nutzung des Fallberichts- und Lernsystem fördern und unterstützen oder behindern, um Fälle-für-Alle weiterentwickeln und verbessern zu können. Es sollte das Stimmungsbild unter Hebammen erfasst werden im Zusammenhang mit der Internetplattform Fälle-für-Alle und mit der Fehlerkultur im Allgemeinen.

Für die Erfassung eines Stimmungsbildes sind persönliche Gespräche in Form von leitfadengestützten Interviews zweckmäßig.

Im Zeitraum zwischen Dezember 2013 bis März 2014 wurden in Einzelinterviews zwei deutsche, drei schweizerische und neun österreichische Hebammen jeweils in ihrem Land befragt. Die Akquise erfolgte nach pragmatischen Aspekten im Arbeitskontext der Forscherinnen in verschiedenen Settings und Sektoren. Um eine Atmosphäre des beruflichen Verstehens zu schaffen und um eine professionelle Distanz und Objektivität zu gewährleisten, wurden die Interviews von Hebammen geführt, die nicht an der gleichen Institution wie die Befragten tätig waren.

Der Interviewleitfaden beinhaltete Leitfragen zu den Themen CIRS Allgemein, die Internetplattform Fälle-für-Alle, gewünschte Ausbildungsinhalte, die Ansichten zur Fehlerkultur und das persönliche Erleben der Fehlerkultur in der Berufsausübung. Der Leitfaden ermöglichte den Interviewerinnen Wahlfreiheit hinsichtlich der Reihenfolge und der konkreten Formulierung der Fragen. Die Offenheit der Fragen ließ den befragten Hebammen Raum, eigene Anliegen und Gedanken zu äußern.

Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und anonymisiert. Sie wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Um alle Aussagen in ihren Zusammenhängen und Facetten berücksichtigen zu können, wurde die Software ATLAS.ti eingesetzt. Die Codierung erfolgte in den ersten Schritten der qualitativen Inhaltsanalyse offen, ohne von einer Theorie geleitet zu sein. Daraus entstanden im induktiven Vorgehen in der Analyse Kategorien welche über die durch die Interviewerfragen angestimmten Themen hinausgehen.

Im Folgenden werden einzelne Kategorien zusammengefasst dargestellt und mit entsprechenden Originalzitaten aus den geführten Interviews belegt.

Zum Zeitpunkt der Befragungen ist das Meldeportal Fälle-für-Alle seit ca. 8–12 Monaten online verfügbar. Die meisten der befragten Hebammen haben sich in der Vorbereitung auf das Interview mit dem Meldeportal vertraut gemacht. Teilweise war das Portal bereits vorher bekannt.

Die meisten Hebammen nutzen das Portal passiv durch Studium der aufbereiteten Fälle bzw. deren Einbeziehen in Teambesprechungen zu ähnlichen Ereignissen. Eine außerklinische/freiberufliche Hebamme gibt an, bereits einen Fall bei Fälle-für-Alle gemeldet zu haben. Die überwiegende Mehrheit will das Portal durch gezielte Mundpropaganda bekannter machen, was darauf schließen lässt, dass die Hebammen prinzipiell vom Nutzen eines berufsgruppenspezifischen Fallberichts- und Lernsystems überzeugt sind.

In den Interviews wird deutlich, welchen Nutzen sich die Hebammen von einem Fallberichts- und Lernsystem wie Fälle-für-Alle erwarten. Eine zentrale Stellung nimmt hierbei das Lernen ein. So weisen einige Hebammen darauf hin, dass man mit Hilfe des Meldeportals aus Fehlern anderer lernen und auf potenzielle Fehler aufmerksam werden kann, wie die Aussage einer Klinikhebamme zeigt:

„Na, aber so war das. Ich hab reingeschaut und mir gedacht: Boah, das könnte ich sein, ja. Mir ist was Ähnliches … es ist nichts passiert und das ist nur mir aufgefallen, aber das ist eine Fehlerquelle, die … und dann hab ich mit anderen Kolleginnen darüber gesprochen.“

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Fälle-für-Alle: Auf dem Weg zu einer konstruktiven Fehlerkultur

Aus der Zeitschrift Die Hebamme 03/2015

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während seines Vortrags zum Thema „Fehlerkommunikation als innerer und äußerer Schutzfaktor in der Geburtshilfe" auf dem Forum Hebammenarbeit 2018.

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Quelle

Die Hebamme
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