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Fetale Alkoholspektrumstörung

Schätzungen zufolge haben mindestens 1% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland eine Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD). Die irreversible Gehirnschädigung ist auf den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft zurückzuführen. Hebammen kommt bei der Prävention eine Schlüsselrolle zu. Sie können über die Risiken des Trinkens aufklären und dazu beitragen, dass Kinder frühestmöglich diagnostiziert und adäquat gefördert werden.

Aus internationalen Studien lässt sich ableiten, dass ein wiederholter Alkoholkonsum oder ein mindestens einmalig auftretendes Rauschtrinken (Binge-Drinking) während der Schwangerschaft das Risiko der Entwicklung eines FASD birgt. Doch rund ein Drittel der schwangeren Frauen konsumiert Alkohol: Laut der Studie „Gesundheit in Deutschland Aktuell“ zeigen ca. 20% der schwangeren Frauen einen moderaten und ca. 8% einen riskanten Alkoholkonsum.

Das sogenannte Binge-Drinking (mindestens 5 alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit wie Geburtstag, Silvester, Weihnachten o.ä.) unternehmen 12% der Frauen seltener als einmal pro Monat, knapp 4% einmal pro Monat und 0,1% jede Woche. Dieses Binge-Drininkg, bei dem es kurzfristig zu hohen Alkohol-Peeks im Blut der Mutter kommt, wirkt sich besonders schädlich aufs kindliche Outcome aus.

Denn während die mütterliche Leber den Alkohol binnen Stunden abzubauen vermag, wird dieser beim Embryo oder Fetus in den Intrazellularräumen gespeichert und kann durch die unreife Leber nicht abgebaut werden. So bleibt der Alkohol – Expertenschätzungen zufolge – zehnmal länger im Körper des Fetus als in dem der Mutter.

Studien aus Italien gehen davon aus, dass mindestens 2-5 % aller Schulkinder eine Fetale Alkoholspektrumstörung aufweisen. Wegen der strikteren diagnostischen Kriterien in Deutschland schätzen Experten hierzulande, dass 1% aller Kinder, also ca. 130.000 Kinder, betroffen sind. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung würden in der Bundesrepublik ca. 0,8 Millionen Menschen mit FASD leben – eine höhere Prävalenz als z.B. für Down-Syndrom oder Cerebralprarese. Viele der Betroffenen werden nicht diagnostiziert, obwohl sie typische Auffälligkeiten aufweisen. Dadurch erhalten sie keinen Zugang zu adäquater Versorgung.

 

Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft ist häufig und kann das ungeborene Kind gravierend schädigen. Die intrauterinen Schädigungen des kindlichen Gehirns sind biologisch irreversibel und führen zu lebenslangen, vielfältigen Einschränkungen in Entwicklung, Kognition, Verhalten und Alltagsfertigkeiten. Die Belastung der betroffenen Menschen, ihrer Familien und ihrer Umgebung ist immens.

Schädigungen, die durch intrauterine Alkoholexposition hervorgerufen sind, werden unter dem Oberbegriff Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD – fetal alcohol spectrum disorders) zusammengefasst.

Zu den Fetalen Alkoholspektrumstörungen gehören

  • das Vollbild Fetales Alkoholsyndrom (FAS – fetal alcohol syndrome)
  • das partielle Fetale Alkoholsyndrom (pFAS – partial fetal alcohol syndrome)
  • die alkoholbedingte entwicklungsneurologische Störung (ARND – alcohol related neurodevelopmental disorder)

 

Die Kenntnis von Risikofaktoren für den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und für die Entstehung einer FASD ist zur frühzeitigen Aufklärung und Intervention notwendig.
Risikofaktoren für Alkoholkonsum der Schwangeren

Ältere alleinstehende Frauen ohne Migrationshintergrund, mit hohem sozio-ökonomischem Status, deren Partner oder enge Bezugspersonen Alkohol trinken, die rauchen oder illegale Drogen nehmen, die unbeabsichtigt schwanger werden oder die psychisch erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, in der Schwangerschaft ­Alkohol zu konsumieren. Weitere Risikofaktoren für Alkoholkonsum der Schwangeren sind:

  • Alter > 30 Jahre (Binge-Drinking < 27 Jahre)
  • Beginn von Alkoholkonsum in einem frühen Lebensalter
  • Alkoholkonsum und insbesondere Binge-Drinking vor der Schwangerschaft
  • vorherige Therapie wegen Alkoholproblemen
  • Schwangerschaftsbesonderheiten (z.B. ungeplante oder ungewollte Schwangerschaft, selten oder spät begonnene pränatale Vorsorge)
  • geringe soziale Unterstützung
  • stattgefundene oder aktuelle körperliche Misshandlung oder sexueller Missbrauch durch Partner oder Fremden
  • psychische und psychiatrische Störungen (z.B. Depression, Angst- oder Panikstörung, sexuelle Funktionsstörung)

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Fetale Alkoholspektrumstörung – Diagnose und frühe Förderung

Aus der Zeitschrift: Die Hebamme 05/2017

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Quelle

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